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Doping : IOC nimmt Gewichtheber Sampanis Medaille ab

  • Aktualisiert am

Sampanis beteuerte unter Tränen seine Unschuld Bild: dpa/dpaweb

Das IOC hat den griechischen Bronzemedaillengewinner im Gewichtheben Leonidas Sampanis wegen Dopings disqualifiziert. Gleichzeitig weitet sich die Äffäre um Kenteris/Thanou aus.

          Gastgeber Griechenland steckt bei den Olympischen Spielen im Doping-Sumpf fest. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) schloß am Sonntag den griechischen Gewichtheber Leonidas Sampanis von den Athen-Spielen aus.

          Gleichzeitig wurde ihm die in der Klasse bis 62 kg gewonnene Bronzemedaille aberkannt, teilte das IOC mit. Es ist der erste Athlet der Athen-Spiele, der bei einer Wettkampfkontrolle erwischt wurde. Gleichzeitig nimmt der Skandal um die gefallenen Sport-Helden Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou sowie deren Trainer Christos Tzekos noch größere Ausmaße an.

          Resultat der Doping-Probe eindeutig

          „Ich schwöre vor Gott und meinen beiden Kindern, daß ich nie in meiner zehnjährigen Karriere verbotene Substanzen genommen habe“, jammerte Sampanis. Nachträglich wurde dem Viertplatzierten Jose Israel Rubio (Venezuela) Bronze zuerkannt. Auch der Präsident des griechischen Gewichtheber-Verbandes, Giannis Sgouros, hält den 32jährigen nicht für einen Betrüger. „Ich bin mir voll bewußt, was ich sage: Sampanis ist unschuldig“, erklärte er.

          Das Resultat der am 16. August vorgenommenen Doping-Kontrolle war allerdings eindeutig. Sowohl in der A- als auch in der B-Probe wurde eine Testosteron-Konzentration nachgewiesen, die doppelt so hoch war wie erlaubt. Ein Medikament gegen eine Verletzung könnte nach Sampanis' Angaben für den positiven Test gesorgt haben. „Das Ergebnis ist klar. Wie es zustande kam, ist nicht unser Problem“, sagte Patrick Schamasch, Medizinischer Direktor des IOC. Insgesamt sind bereits zehn Gewichtheber im olympischen Zeitraum (ab 30. Juli) überführt worden.

          Kenteris-Trainer wollte Urin vertauschen

          Am Wochenende war auch noch der Fall der Russin Albina Chomitsch bekannt geworden, die nach Angaben ihres Nationalen Olympischen Komitees (NOK) bei einem Trainings-Test ertappt wurde. Nicht bestätigt hat sich der Verdacht gegen den griechischen Sprinter Christoforos Hoidis: Wie sein Leichtathletik-Verband mitteilte, sei er nur wegen einer Verletzung nicht im 100-m-Vorlauf angetreten.

          Neue Enthüllungen zur Doping-Affäre um Kenteris und Thanou sowie ihren Trainer Christos Tzekos lassen eine weitere Eskalation des Skandals erwarten. Nach Informationen der Athener Zeitung „TO WIMA“ wollte das Trio einen Tag vor Eröffnung der Olympischen Spiele eine Dopingprobe manipulieren. Dies soll Tzekos mit einem Mitarbeiter des Organisationskomitees (ATHOC) verabredet haben. Dabei sollte der Urin von Kenteris und Thanou mit dem Urin anderer Personen vertauscht werden. Der Plan sei nur gescheitert, weil überraschend Kontrolleure der Welt-Antidoping-Agentur (WADA) im Olympischen Dorf erschienen seien, berichtete das Blatt.

          Staatsdoping geplant?

          Kenteris und Thanou hatten daraufhin das Dorf fluchtartig verlassen und sich dadurch der Kontrolle entzogen. Bevor das IOC den 200-m-Olympiasieger von Sydney und die 100-m-Europameisterin von den Athen-Spielen ausschließen konnte, teilten sie den Startverzicht mit.

          In Erklärungsnot dürfte vor allem Tzekos kommen, in dessen Lagerräumen bei einer Razzia durch griechische Behörden 1400 Packungen mit Anabolika und anderen verbotenen Doping-Substanzen gefunden wurden. Die Staatsanwaltschaft untersucht den Fall und dürfte sich auch dafür interessieren, daß der Coach des Sprint-Duos vor sieben Jahren offenbar ein systematisches Staatsdoping in Griechenland einführen wollte.

          Nach dem Bericht der Zeitung „TO WIMA“ soll Tzekos der damaligen sozialistischen Regierung schriftlich ein sechs Millionen Euro teures Doping-Programm vorgeschlagen haben. Demnach wollte er 150 griechische Top-Athleten unter seine Fittiche nehmen, um ihnen „Zusatz-Substanzen zu verabreichen, die nicht aufgespürt werden können“. Der Plan soll den Code-Namen „Koroibos“ getragen haben. Tzekos habe die Regierung von seinem Programm überzeugen wollen, in dem er für die Spiele in Athen viele Medaillen versprach. Die Regierung habe sein Ansinnen abgelehnt. Tzekos betreute in der Folge Kenteris und Thanou, die immer wieder in Doping-Verdacht gerieten.

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