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Doping-Bekämpfung : Der Bund spart an der Nada

„Weniger Kontrollen, weniger Personal, weniger Kontrollen“ - die Doping-Bekämpfung der Zukunft

„Weniger Kontrollen, weniger Personal, weniger Kontrollen“ - die Doping-Bekämpfung der Zukunft Bild: dapd

2012 stellt der Bund seine Nada-Überweisungen ein. Nun sollen sich Länder, Verbände und Sponsoren sich endlich finanziell engagieren. Damit könnte das große Dilemma des Sports nicht mehr so drängen.

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          Möglicherweise drängt das Problem des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte, das große Dilemma des Sports, bald gar nicht mehr so sehr. „Weniger Kontrollen, weniger Personal, weniger Kompetenz“ - so beschrieb die neue Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), Andrea Gotzmann, die Aussichten der Doping-Bekämpfung dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages am Mittwoch in Berlin.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Bund stellt zum kommenden Jahr seine Überweisungen ins Stiftungskapital der Nada ein; 11 von knapp 13 Millionen hat er beigesteuert. Von 2013 an will er zudem eine Million fürs operative Geschäft einsparen, ein Viertel dessen, was die Nada braucht. Betroffene wie Abgeordnete waren sich einig, dass Länder, Verbände und Sponsoren sich endlich finanziell engagieren und die Lücke schließen sollen.

          Die promovierte Chemikerin Gotzmann hatte weitere schlechte Nachrichten. Erleichterungen für Athleten, wie sie Datenschützer angeregt hatten, lehnt sie ab. Blut- könnten Urinproben nicht ersetzen, sagte sie, schon gar nicht in so geringen Mengen, wie sie dem Ohrläppchen entnommen werden. Auch die Ortung von Mobiltelefonen anstelle von Datensammlungen sei für überraschende Kontrollen nicht geeignet. Hielten sich Athleten in Übersee auf, müssten Anreise und Tests vorbereitet werden.

          So wird es wohl dabei bleiben, dass Kontrollen und der Umgang mit personenbezogenen Daten die Grundrechte verletzen. Eindrucksvoller als Datenschutzbeauftragte illustrierte das Heiko Schaffartzik, der Aufbauspieler der Basketball-Nationalmannschaft, indem er konstatierte, dass ein homosexueller Spieler sich durch die Preisgabe seiner Übernachtungsadresse praktisch gegenüber dem Kontrollsystem outen müsse. Oder dass ein untreuer Leistungssportler nicht umhin komme, den Kontrolleuren die Adresse seiner Geliebten zu nennen. Damit und mit der Beschreibung der entwürdigenden „Sichtkontrollen“ löste er neben Betroffenheit auch Heiterkeit aus.

          „Dann können wir das Dilemma nicht lösen“

          Die Wildwasserkanutin und Athletensprecherin Silke Kassner beschrieb das System als „alternativlos“. Sie stimmte zu, als das auf Schaffartzik und die Gewerkschaft der Basketballspieler gemünzte Wort von Christian Breuer fiel, dem Vorsitzenden der Athletenkommission im DOSB, wer versuche, die Regeln des Datenschutzes auf den Sport zu übertragen und damit das Rad zurückdrehe, falle den sauberen Sportlern in den Rücken und begünstige die Betrüger.

          Auch bei Politikern von schwarz bis grün herrscht Einigkeit, dass für die Doping-Bekämpfung die Menschenrechte zurückstehen müssen. Der einstige Turnweltmeister Eberhard Gienger berief sich auf die Wissenschaftler Werner Franke und Perikles Simon, um den Generalverdacht gegen Athleten zu begründen.

          „Das einigermaßen funktionierende Anti-Dopingsystem zu zerschlagen“, sagte er, „kann nicht im Sinne des Sports sein“. Die Grünen-Abgeordnete Viola von Cramon nannte den Sport eine „Spezialdemokratie“, und das war kein Vorwurf. „Wenn wir eine wirkungsvolle Doping-Bekämpfung wollen, können wir dieses Dilemma nicht lösen“, sagte sie.

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