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Paralympics-Sieger Rehm : Die Kollegen fremdeln

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Sprung im Herzen der Stadt: Markus Rehm springt am weitesten - ist aber nicht deutscher Meister Bild: dpa

Beim Weitsprung-Spektakel auf dem Nürnberger Hauptmarkt war Markus Rehm der Sieger, aber nicht der Meister. Wie vor Jahresfrist stahl der Paralympics-Sieger allen Assen die Show. Doch der Beifall der Konkurrenz schien irgendwie verkrampft.

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          Tosender Beifall bei jedem Sprung, Tages-Bestweite mit 8,11 Metern, die Goldmedaille um den Hals, und dann die Siegershow im künstlichen Nebel. Wunschlos glücklich war Markus Rehm nach dem Weitsprung-Spektakel auf dem Nürnberger Hauptmarkt aber nicht. Denn da war es wieder, sein „Problem“: Der unterschenkelamputierte Paralympics-Sieger hatte allen nichtbehinderten Rivalen wie vor einem Jahr wieder die Show gestohlen. Sieger wollte der Mann mit der 8000-Euro-Prothese dabei gar nicht sein, und deutscher Meister durfte sich der 26-Jährige an diesem Sommerabend ohnehin nicht nennen.

          Die Konkurrenten gratulierten artig - doch irgendwie fremdeln sie mit dem immer gut gelaunten Überflieger aus der Behinderten-Startklasse T44. Wer den Platz an der Sonne will, bald zur WM, 2016 nach Rio zu Olympia, der möchte nicht im Schatten stehen. „Ich fänd’s nett, wenn der Fokus wieder mehr auf uns liegen würde“, sagte der Leverkusener Alyn Camara, bei der Marktplatz-Premiere vor rund 6000 begeisterten Zuschauern mit 7,97 Metern Zweiter hinter dem neuen Titelgewinner Fabian Heinle aus Tübingen (8,03).

          Wie vor einem Jahr in Ulm war Rehm wieder besser als das versammelte Dutzend der Konkurrenz - nur diesmal in seiner eigenen Liga. Der Schützling von Trainerin Steffi Nerius hatte 2014 als erster Behindertensportler den Weitsprung bei den Nichtbehinderten gewonnen, mit 8,24 Metern vor dem mittlerweile zurückgetretenen Christian Reif (8,20). Gleichzeitig erfüllte er die EM-Norm, wurde vom Verband aber nicht nominiert. Denn biomechanische Messungen hätten gezeigt, dass er durch seine Karbon-Prothese im Vorteil gegenüber nichtbehinderten Springern gewesen sein soll.

          Die Konkurrenz ist in der Zwickmühle

          Deshalb baute der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) einen speziellen Paragrafen in sein Regelwerk ein: getrennte Wertungen für behinderte und nicht-behinderte Sportler in einem Wettkampf. Dass bis auf Reif alle Finalisten von Ulm trotzdem Protest gegen die Wertung eingelegt haben, wollte Rehm gar nicht kommentieren. Er sagte nur: „Es wäre schön gewesen, wenn wir uns an einen Tisch gesetzt hätten.“

          Das findet auch Vereinskollege Camara. „Ich freue mich für Markus“, meint er - und schildert dann das Problem aus seiner Sicht: „Wir sind ein bisschen alleingelassen. Wir sind die Leidtragenden. Natürlich müssen wir uns alle an einen Tisch setzen. Aber es ist sehr schwer, eine objektive Meinung zu äußern.“ Und er stellt Fragen: „Ist Inklusion eine Einbahnstraße? Können wir denn auch in Wettkämpfen der Behinderten starten?“ Julian Howard, wie in Ulm Dritter, wollte sich zu dem Gruppenprotest gar nicht äußern: „Kein Kommentar.“

          Als die Frauen-Entscheidung längst gefallen und der Männer-Weitsprung schon im Gange war, standen die Fans immer noch in drei Schlangen vor der Marktplatz-Arena an. Rehm war mit Familie und seinem Fanclub angereist. Auch alle anderen waren von der Premiere begeistert. „Das war ein saugeiler Wettkampf! Es hat unglaublich Spaß gemacht. Das war Gänsehaut-Feeling. Die Zuschauer waren der Wahnsinn“, sagte der Weltrekordler (8,29 Meter). Rehm: „Ich denke, wir haben eine gute Show geboten. Das braucht die Leichtathletik! Sonst gehen wir hinter dem Fußball unter.“

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