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DFB-Elf vor Estland-Partie : Lachanfall in der Kinderfragestunde

  • -Aktualisiert am

Gute Laune: Die Nationalspieler Gnabry, Havertz und Reus (von links nach rechts) während der Kinderfragestunde. Bild: AP

Vor dem – vermutlich – leichten Auftritt am Sonntag in Estland lassen sich die deutschen Nationalspieler im Fußballmuseum von Kids aushorchen. Sie machen es mit Vergnügen. Niklas Stark bleibt derweil ein Pechvogel.

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          Das Leben ist ein Kinderspiel. Auch für hochdotierte deutsche Fußball-Nationalspieler, wenn Kinder sie befragen. Marco Reus, der Kapitän von Borussia Dortmund, Serge Gnabry, derzeit der Shooting Star der Bundesliga, und Kai Havertz, der Leverkusener, dem die Zukunft gehört und auch schon ein Stück Gegenwart, stillten am Freitag die Neugier der Kids im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund mit unübersehbarem Vergnügen.

          Zwei Tage nach dem über weite Strecken ansehnlichen Auftritt einer deutschen Notauswahl, die beim 2:2 gegen eine verjüngte argentinische Nationalmannschaft auf dreizehn etablierte Spieler verzichten musste, und zwei Tage vor dem womöglich sportlichen Kinderspiel gegen Estland am Sonntag (20:45 Uhr/ live im F.A.Z.-Länderspiel-Liveticker und RTL), den sieglosen Letzten der Europameisterschafts-Qualifikationsgruppe C, in Tallinn wurde auf dem Podium und im Auditorium viel gelacht. Nicht über die Art der Fragen, sondern wie umweglos sie gestellt wurden.

          Gnabry zum Beispiel, der später ohne Umstände bekannte, derzeit einen „Superlauf“ zu haben, erzählte, warum er bei seinem Torjubel stets mit einem imaginären Löffel in einem imaginären Topf rühre. Er verwies nicht zum ersten Mal auf den amerikanischen Basketballstar James Harden, der seine Korbwürfe so feiere, und klärte auch gern darüber auf, was diese Geste bedeute. „Dass er der Chef ist“ und in solchen Momenten, da er für sein Team, derzeit die Houston Rockets, „abgeht“.

          Der 24 Jahre alte Stuttgarter, Sohn eines Ivorers und einer Schwäbin, ist noch kein ausgesprochener Anführer der Nationalmannschaft, genießt aber derzeit ein Karrierehoch, das ihn unentbehrlich macht. Er zelebrierte seine Topform mit vier Treffern beim 7:2-Triumph der Bayern in London gegen Tottenham Hotspur und erzielte wie zur Bestätigung ein zauberhaftes Tor beim 2:2 in Dortmund. Kein Wunder, dass ihm die Antwort auf die Frage des kleinen Max, warum er Profi geworden sei, leichtfiel. „Weil es mir schon immer Spaß gemacht hat, Fußball zu spielen. Dann kam irgendwann der Traum, Fußballprofi zu werden.“

          Gnabry lebt ihn derzeit mit einer Beschwingtheit, die ihm die tollsten Kunststücke am Ball erlaubt und ihn vor des Gegners Tor nicht zaudern lässt.

          Mit Einsatzgarantie

          Am Freitag beantwortete er eine Journalistenfrage, wo er denn am liebsten spiele, im Angriffszentrum, wie gegen Argentinien, oder auf den Flügeln, wie im Verein, so: „Ich kann offensiv auf allen Positionen spielen und bin da relativ variabel. Ich versuche immer, mir meine Szenen zu nehmen und da zu sein, wo ich am gefährlichsten bin.“ Wenn sie es nicht längst wüssten, müssten die Esten sich spätestens jetzt vor dem 24 Jahre alten Serge Gnabry in Acht nehmen. „Absolute Weltklasse“, hat ihn sein gleichaltriger Mittwochskapitän Joshua Kimmich nach dem Remis des viermaligen gegen den zweimaligen Weltmeister geadelt.

          Bundestrainer Joachim Löw hatte dem zielstrebigen Spielbeschleuniger schon ein paar Wochen zuvor eine Einsatzgarantie („Der Serge spielt bei mir immer“) gegeben. Dessen 20 Jahre alten Leverkusener Kollegen Havertz hatte Löw am Mittwoch nach dessen starkem Auftritt gegen die Albiceleste ebenfalls befördert. „Der Kai kann in fast jedem Spiel in der Startelf stehen“, sagte er über das Ausnahmetalent des deutschen Fußballs, „diese Qualität hat er mittlerweile.“ Der jugendliche Aufsteiger aus dem Rheinland haut bei allen Komplimenten, die auf ihn schon herabgeprasselt sind, nie auf die Pauke. In dieser Saison musste sich Havertz nach seinem steilen Karriereverlauf erstmals mit einer kleinen Formdelle herumschlagen. Er scheint aber auf dem Weg zurück zu alten Ausnahmequalitäten. „Einen Stammplatz will jeder haben“, sagte er am Freitag, „ich gebe Gas, der Rest kommt von allein. Viele Ansprüche will ich jetzt noch nicht stellen.“ Für ihn, der sich auf der Achter- und Zehnerposition am wohlsten fühlt, „geht es jetzt nur darum, hier zu spielen. Da ist es mir relativ egal, wo das ist.“

          Reus sucht Rosickys Freiheit

          Und Marco Reus, der Dritte im Bunde, der sich von den Jungen und Mädchen im Deutschen Fußballmuseum gern aushorchen ließ? Er ist erst einmal froh, seine Kniebeschwerden, die einen Einsatz gegen Argentinien nicht möglich machten, hinter sich zu haben. Der 30 Jahre alte Dortmunder wird in Tallinn wie der von einem Infekt genesene Timo Werner in die Nationalelf zurückkehren. Dort kann er sich ein Stück der Form zurückholen, der er beim BVB seit Wochen hinterherläuft. Ein Kind fragte Reus, wer denn früher sein Vorbild gewesen sei. Als eingefleischter Borusse verwies er auf den tschechischen Spielgestalter Tomas Rosicky, der vor Jahren die Dortmunder Fans faszinierte. An Rosicky bewundert Reus eine Tugend, die auch er an seinen besten Tagen verkörpert: „Das Freie auf dem Platz.“

          Lachanfall: Reus kann kaum an sich halten.

          Wenn Reus ein Stück dieser Freiheit des Handelns in Tallin zurückeroberte, wäre für Borussia Dortmunds Ambitionen schon viel gewonnen. Niklas Stark bleibt derweil ein Pechvogel, wie es Reus lange war. Der Innenverteidiger von Hertha BSC fällt abermals aus. Er hatte bereits sein angekündigtes Länderspieldebüt gegen Argentinien am Mittwoch wegen eines Magen-Darm-Infektes verpasst. Nun zog er sich bei einer Trainingseinheit am Freitagvormittag im  Teamhotel in Dortmund eine Verletzung am linken Unterschenkel zu, die genäht werden musste.

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