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Die Leichtathletik-WM am Samstag : Der Siebenkampf wird zum spannenden Zweikampf

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Ein haarsträubender Wettkampf Bild: AP

Nach vier Disziplinen liegt Titelverteidigerin Carolina Klüft nur zwei Punkte hinter Eunice Barber. Kugelstoßer Ralf Bartels hat sich ebenso fürs Finale qualifiziert wie die Diskuswerfer Riedel und Möllenbeck. Der erste WM-Tag in der Zusammenfassung.

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          Einen spannenden Zweikampf haben sich Titelverteidigerin Carolina Klüft (Schweden) und Eunice Barber (Frankreich) am ersten Tag des Siebenkampfes bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Helsinki geliefert. Nach den vier Disziplinen vom Samstag liegt Eunice Barber mit 3973 Punkten und damit nur zwei Zähler vor der Olympiasiegerin in Führung. Dritte ist Kelly Sotherton aus Großbritannien (3817). Beste Deutsche ist Sonja Kesselschläger auf Platz 13 mit 3558 Punkten.

          Nach den ersten beiden Disziplinen schien ein Solo von Eunice Barber, der Weltmeisterin von 1999 und WM-Zweiten von 2003, programmiert. Die 30jährige in Sierra Leone geborene Athletin war sowohl über 100-Meter-Hürden mit 12,94 Sekunden als auch im Hochsprung mit 1,91 Metern die Beste. „Ich bin hier, um Gold zu gewinnen“, bekräftigte Eunice Barber nach diesem Einstand nach Maß. Denn zugleich blieb die Titelverteidigerin Carolina Klüft, die allerdings durch eine leichte Fersenverletzung verunsichert an den Start ging, deutlich hinter ihrem Leistungsvermögen im Hürdensprint (13,19 Sekunden) und Hochsprung (1,82 Meter) zurück. „Meine Ferse schmerzt nicht, aber ich fühle mich unsicher“, begründete die blonde Schwedin den verpatzten Beginn, ließ sich aber trotz eines zwischenzeitlichen 153-Punkte-Rückstandes nicht entmutigen: „Ich fühle, daß ich sie noch fangen kann.“

          Deutsche bleiben unter ihren Bestleistungen

          Das gelang ihr beim Kugelstoßen. Gleich im ersten Versuch stieß sie 15,02 Meter und damit 25 Zentimeter weiter als jemals zuvor. Rivalin Barber mißlang der erste Stoß mit 10,63 Meter völlig und mußte sich am Ende mit 13,20 Metern begnügen - Klüft war wieder auf 32 Zähler herangerückt. Im 200-Meter-Lauf konnte sie trotz starken Gegenwindes mit 23,70 Sekunden weiteren Boden gegen die Französin gut machen, die nur 24,01 schaffte.

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          Von den drei deutschen Siebenkämpferinnen schlug sich Sonja Kesselschläger am besten. Die 27Jährige aus Neubrandenburg blieb aber über die Hürden (13,98 Sekunden), im Hochsprung (1,79 Meter), im Kugelstoßen (14,04 Meter) und über 200 Meter (25,81 Sek.) unter ihren persönlichen Bestleistungen und kam auf 3558 Punkte. „Punktemäßig war das nicht so gut, hoffentlich fällt die Plazierung besser aus“, sagte sie. Damit dürfte ihr Ziel, erstmals mehr als 6300 Zähler zu schaffen, kaum noch erreichbar sein. Routinier Karin Ertl (Fürth/München) konnte nicht überzeugen und landete mit 3535 Punkten nur auf Platz 15. WM-Debütantin Lilly Schwarzkopf aus Paderborn fand sich nach den ersten vier Disziplinen mit 3465 Zählern auf Rang 17 wieder.

          Für Bartels lief es „optimal“

          Kugelstoßer Ralf Bartels hat nichts riskiert und sich bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften gleich im ersten Versuch für das Finale qualifiziert. Souverän bewältigte der 27 Jahre alte Neubrandenburger am Samstag in Helsinki seine Pflichtaufgabe: Mit 20,56 Metern wurde sein erster Stoß vermessen, damit qualifizierte sich Bartels als Bester seiner Gruppe für das Finale der stärksten zwölf Männer.

          „So wie es gelaufen ist, war es optimal“, meinte Bartels, der zu den wenigen Medaillenhoffnungen im Team des Deutschen Leichtathletik- Verbandes (DLV) zählt. „Ich habe den ersten Versuch recht sicher gemacht.“ Nur zwei Konkurrenten stießen in der Qualifikation weiter: der Amerikaner Christian Cantwell mit 21,11 Metern vor dem Dänen Joachim Olsen (20,85). Ausgeschieden ist dagegen der dreimalige Weltmeister John Godina aus den Vereinigten Staaten (19,54). Nach vier Erkrankungen bzw. Verletzungen in den vergangenen acht Wochen war er chancenlos.

          Starke Finalkonkurrenz für die Hammerwerfer

          800-Meter-Läuferin Monika Gradzki erreichte als Fünfte ihres Vorlaufes (2:01:56 Minuten) das Halbfinale am Sonntag. Das schaffte auch der Frankfurter Christian Duma, der über 400 Meter Hürden mit 50,04 Sekunden weiterkam. Das Hammerwurf-Duo Holger Klose (Saarbrücken/76,47 Meter) und Markus Esser (Leverkusen/76,45) trifft am Montag im Finale auf starke Konkurrenz. Vorkampf-Bester war der Weißrusse Wadim Dewjatowski (81,20).

          Schnellster Sprinter in den 100-Meter -Vorläufen war der Amerikaner Leonard Scott mit 10,12 Sekunden. Sein Landsmann Justin Gatlin, der Olympiasieger und WM-Favorit, stand ihm in 10,16 Sekunden aber kaum nach. Weltrekordhalter Asafa Powell (Jamaika) mußte wegen einer Verletzung absagen; Deutschlands Sprinthoffnung Tobias Unger startet nur über 200 Meter und in der Staffel.

          Geher Höhne erreicht den vierten Platz

          Jefferson Perez ist der erste Sieger der Leichtahletik. Im 20-Kilometer-Gehen verteidigte der 31jährige Ecuadorianer am Samstag in 1:18:35 Stunden seinen Tite. Zweiter wurde der Spanier Javier Francisco Fernandez in 1:19:36 Stunden vor seinem Landsmann Juan Manuel Molina (1:19:44). Der Berliner André Höhne kam in persönlicher Bestzeit von 1:20:00 Stunden auf den vierten Platz.

          Riedel und Möllenbeck im Diskusfinale

          Der fünfmalige Weltmeister Lars Riedel aus Chemnitz und der Wattenscheider Michael Möllenbeck stehen am Sonntag im Diskus-Finale. Riedel schaffte im ersten Durchgang der Qualifikation mit 66,22 Metern Saisonbestleistung. Zuvor hatte Möllenbeck, 36 Jahre alter WM-Dritter von Edmonton 2001, im zweiten Versuch die geforderten 63,50 Meter geschafft.
          Auch die beiden Favoriten qualifizierten sich deutlich. Mit 68,79 Metern trumpfte der zweimalige Olympiasieger Virgilijus Alekna (Litauen) auf, auf 65,76 Meter kam der estnische Werfer Gerd Kanter

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