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Bayern München : Die Frage aller Fragen lässt Kovac abperlen

Gebürtiger Berliner vor Pokalfinale: Bayern-Trainer Niko Kovac in „seinem“ Olympiastadion Bild: EPA

Bayern München hat am Samstag im DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig die Chance aufs Double. Aber gerade der ehemalige Frankfurter Trainer weiß um die Chancen von Außenseitern. Spannender ist aber etwas anderes.

  • -Aktualisiert am

          Die seit Wochen immer wieder gleiche Frage, wie es denn mit ihm selber weitergehe und was er zu jüngsten Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge über seine Person sagen wolle, ließ Niko Kovac diesmal bewusst unbeantwortet. Er stellte, für einen Trainer kurz vor dem DFB-Pokalfinale nicht ungewöhnlich, das Spiel in den Blickpunkt seiner Äußerungen. Und nicht das Drumherum, das den Trainer des deutschen Meisters FC Bayern München zuletzt auch persönlich beschäftigt hat. „Ich bin hier total sekundär“, sagte der gebürtige Berliner, der nach zwei Endspielen mit Eintracht Frankfurt zum dritten Mal nacheinander das Pokalendspiel erreicht hat und es an diesem Samstag in Münchner Diensten so wie im Vorjahr mit den Hessen gegen die Bayern aufs Neue gewinnen will.

          Diesmal gegen RB Leipzig, den Tabellendritten der abgelaufenen Bundesliga-Saison, der sich in den vergangenen Monaten das Fundament erarbeitet hat, als dritte Kraft des deutschen Fußballs respektiert zu werden. „Es ist der schwerste Gegner, den wir hätten kriegen können“, sagt Kovac über den Widersacher im Finale, das um 20 Uhr im Olympiastadion angepfiffen wird (live im FAZ.NET-Liveticker zum DFB-Pokal, ARD und Sky).

          Kovac ließ zwei Versuche, ihn noch einmal über sein Innenleben reden zu lassen, an sich abperlen – auch in dem Bewusstsein, dass der 47 Jahre alte Fußballlehrer nach dem Gewinn seiner ersten deutschen Meisterschaft als Trainer auch in der nächsten Saison auf der Bayern-Bank sitzen wird. Darauf deuteten auch Rummenigges Aussagen vom Freitag bei einer Berliner Veranstaltung der „Bild“-Zeitung. Da hob der Vorstandsvorsitzende des Klubs, der zuvor bei mehreren Gelegenheiten vieldeutig über Kovac geredet hatte, hervor, dass doch „niemand in Frage gestellt“ habe, „dass er nächste Saison noch unser Trainer ist“. Vom Ausgang des Pokalfinals werde die künftige Zusammenarbeit nicht tangiert. „Es wäre verrückt, wenn man von einem Spiel die Zukunft abhängig machte.“

          Kovac, bei der Pressekonferenz vor dem großen Saisonabschluss wie sein Kapitän Manuel Neuer im blauen Anzug und weißen Hemd elegant gekleidet, hatte nach dem Gewinn des Meistertitels noch bekannt, dass ihn diese strapaziöse Saison viel Kraft gekostet habe. „Wenn man aber am Ende ein Ziel erreicht, fühlt man sich leichter und wohler.“ Was nicht heißen sollte, dass er und die Bayern in ihrer Einstimmung auf das Pokalendspiel weniger fokussiert als nötig gewesen seien. Der Trainer, der im Vorjahr mit der Eintracht zum Abschied von Frankfurt seinen bis dahin größten Coup beim 3:1-Sieg über den achtzehnmaligen Pokalgewinner gefeiert hatte, wirkte am Freitag angenehm entspannt und konzentriert zugleich.

          Neuer spielt

          Weil die Gelegenheit gerade günstig war, verkündete Kovac, was jeder erwartet hatte, als Neuer nach sechswöchiger Spielpause wegen eines Muskelfaserrisses in der Wade das Podium enterte, von Amtes wegen: „Manuel wird morgen spielen, weil er mein Kapitän ist, in der Saison gute Leistungen gebracht hat und ein Eckpfeiler unserer Mannschaft ist.“ Seit einer Woche ist der 33 Jahre alte Westfale wieder in den Trainingsbetrieb des Meisters zurückgekehrt: ohne jede Einschränkung. Er freut sich ganz besonders auf das bevorstehende Duell mit den Sachsen, nachdem er 2018 das Pokalendspiel, an den Folgen seines dritten Mittelfußbruches leidend, verpasst hatte. Gewohnt sachlich sagte die Nummer eins seines Vereins und der Nationalmannschaft: „Ich bin gut vorbereitet auf das Spiel und freue mich darauf, morgen zwischen den Pfosten zu stehen.“ Dreimal ist Neuer schon mit den Bayern Pokalsieger geworden und einmal, 2011, mit seinem Heimatverein Schalke 04.

          Damals hieß sein Trainer Ralf Rangnick, der vor acht Jahren als Nachfolger des ein paar Wochen zuvor entlassenen Felix Magath seinen bisher einzigen Pokaltriumph nur in Maßen auskostete. Rangnick bestreitet an diesem Samstag sein vorerst letztes Spiel als Trainer und wird von da an wieder als Sportdirektor für RB Leipzig tätig sein. Die Sachsen stehen an diesem Samstag vor dem größten Spiel ihrer gerade erst zehnjährigen Geschichte. In Zukunft wollen sie, wie Rangnick am Freitag sagte, alles versuchen, „um den Abstand zu den Bayern und Borussia Dortmund zu verringern. Das ist unser Ehrgeiz.“

          Keine vermessene Zielsetzung, da auch Kovacs Wertschätzung für das Aufbauwerk, das Rangnick seit sieben Jahren für den von der Oberliga bis in die Bundesliga aufgestiegenen Klub vollbracht hat, hoch ist. „Wir, Dortmund und Leipzig sind die drei Klubs, die in der nächsten Zeit um die Titel spielen werden“, sagte der Münchner Trainer voraus.

          Aus bester Frankfurter Erfahrung weiß Niko Kovac, dass es in einer Vielzahl von Pokalendspielen „keinen Favoriten gibt, und darum ist das Spiel morgen offen“. Während sich Kollege Rangnick von seiner Mannschaft ein „nahezu perfektes Spiel“ erhofft, um die Leipziger Außenseiterchance zu nutzen, besitzt Kovac als Trainer des Favoriten den Vorteil, in einem Pokalendspiel schon einmal aus der Underdog-Rolle  das Beste gemacht zu haben. Wer weiß, welche Energien dabei freigesetzt werden können, unterschätzt danach niemand mehr in einem solchen Alles-oder-Nichts-Duell. Schon gar nicht, wenn der Gegner RB Leipzig heißt.

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