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Formel E : Unter Strom

Es qualmt, aber es dröhnt nicht so stark: Die Formel E hofft auf den Aufschwung Bild: dpa

Sind die Zeiten der Saftlosigkeit der Formel E bald Geschichte? Das vage Interesse von Mercedes soll elektrisierend wirken. Spekulanten könnten auf ihre Kosten kommen.

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          Auf dem Ohr hört der bald 86 Jahre alte Bernie Ecclestone nicht gut; falls man ihm mit Batterien kommt. Was nichts mit dem gesegneten Alter des Formel-1-Chefmanagers zu tun hat, aber doch mit einem besseren Verständnis: Von der Formel E, das Synonym für die zumindest leisere Elektro-Version seines Zirkus, wollte er vor ein paar Jahren noch nichts hören. „Formula what? Nonsens.“ Dieser „Unsinn“ mit Batterien im Boliden statt eines Verbrennungsmotors ist am Sonntag in Hongkong (10 Uhr MESZ/Eurosport) mit einem Sieg des Schweizers Sebastien Buemi vor Lucas di Grassi und Nick Heidfeld in die dritte Saison gestartet. Und zwar aufgeladen von einem frischen Interesse der Formel 1.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Mitte der Woche hatte zumindest der Branchenprimus eine vage Absicht an einem mittelfristigen Einstieg erklärt: Mercedes. Die Nachricht wirkte, wie wohl erhofft, elektrisierend. Kommt die Formel E jetzt ins Rollen? Jean Todt kennen Formel-1-Fans aus seiner Zeit als Rennleiter von Ferrari vor allem in der Schumacher-Ära. Ein kleiner Franzose, ständig unter Strom. Bevor er die Präsidentschaft im Internationalen Automobil-Verband (Fia) übernahm, erklärte er dem Wahlvolk von seiner Motivation, etwas zurückgeben und Gutes tun zu wollen. Der Fia-Präsident Todt baute die Sicherheitskampagne für den Straßenverkehr aus und initiierte - unter anderem - die Formel E.

          Im Gesamtkonzept des Veranstalters Fia geht es dabei um Werte: „Umweltfreundlichkeit, Sparsamkeit und Nachhaltigkeit.“ Begriffe, die nicht gerade mit der Formel 1 verknüpft werden. Trotz der Hybrid-Version verbrauchen die Boliden immer noch etwa 60 Liter auf 100 Kilometer und bekämen ein Innenstadtverbot, während die Formel E mit einem grünen Sticker der (gefühlten) Sympathie, mit gedeckelten Teambudgets (drei Millionen Euro) und einem Eintagesprogramm vom Training bis zum Rennen durch Metropolen auf aller Welt saust: Via Hongkong, Monaco und Berlin bis nach New York.

          Suche nach Heimathäfen ist schwer

          Eigentlich das Formel-1-Konzept der Zukunft. Allerdings scheint sich die Formel E schwerzutun, lukrative Heimathäfen zu finden, nachdem unter anderem die Stationen London, Peking und Long Beach wieder aus dem Kalender fielen. Die Attraktivität hält sich in Grenzen angesichts von Höchstgeschwindigkeiten, die ein durchschnittlicher Diesel erreicht: Tempo 225 in der Spitze locken allenfalls namhafte Altvordere wie Nick Heidfeld (einer von drei Deutschen) ins Cockpit oder Piloten, die sich in der Formel 1 nicht durchsetzen konnten.

          Die Bedingungen sind gewöhnungsbedürftig für Vollgas-Freaks, die Verankerung als Sport mit angemessenen Wettbewerbsregeln ist noch nicht gelungen: Bislang dürfen Fans einen Lieblingspiloten auswählen für eine Extraportion Energie pro Rennen. Was, wie selbst der Veranstalter einräumt, zu Manipulationen der Wahl führt(e) - und trotzdem fortgesetzt wird. Genauso wie der in den fünfziger Jahren noch mögliche Wechsel der Boliden während eines Grand Prix. Ein Rückschritt durch neue Antriebstechnik: Noch reicht die Kraft der Batterien nicht für die ganze Renndistanz.

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