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Die Entscheidung : Leipzig bewirbt sich mit Rostock für Olympia 2012

  • -Aktualisiert am

And the winner is....! Bild: dpa/dpaweb

Überraschung bei der Wahl durch das NOK: Leipzig hat nach einer eindrucksvollen Präsentation den Favoriten Hamburg deutlich geschlagen und sich zuvor auch gegen Stuttgart, Düsseldorf und Frankfurt durchgesetzt. Rostock wurde als Partner für die Segelwettbewerbe gewählt.

          Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ist am Samstag in München der deutsche Bewerber um die Olympischen Spiele 2012 gewählt worden. Der Tagungsort, ein Hotel am Englischen Garten, wurde der hochrangigen Gäste wegen streng bewacht. Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundesinnenminister Otto Schily und Klaus Steinbach, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), meldeten um 16.40 Uhr Vollzug: Leipzig darf für Deutschland ins Rennen gehen.

          Nach vier spannenden Wahlgängen erst stand der Gewinner fest; Favorit Hamburg scheiterte im Finale mit 51:81 Stimmen an den traditionell sportbegeisterten Sachsen. Nach dem von manchen als erbarmungslos aufgefaßten Modus, daß in jeder Runde die Stadt mit den wenigsten Stimmen auszuscheiden hatte, wurde zunächst Stuttgart verabschiedet (15 Stimmen), danach Frankfurt (16) und dann Düsseldorf (35).

          Projekt Olympia als Teil des Aufbaus Ost

          Mühsam hielt man hier und dort Tränen zurück. Lange, harte Arbeit fand man zu schlecht bewertet. In den lauten Jubel der Leipziger mischten sich sofort auch vorsichtige Töne. „Ein bedeutender Teil des Weges liegt noch vor uns“, mahnte Steinbach mit Blick auf die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Jahr 2005. „Wir brauchen Einigkeit, Entschlossenheit und Tatkraft.“

          Als Segelrevier wurde schon im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit Rostock bestimmt (69 Stimmen/52,7 Prozent), die als Nummer eins gehandelten Kieler (46) waren konsterniert. Das Projekt Olympia als Teil des Aufbaus Ost: Kanzler Schröder freute sich über das Ergebnis. Er gratulierte seinem SPD-Kollegen Wolfgang Tiefensee, der vor nicht langer Zeit ein Ministeramt in Berlin ausgeschlagen hatte, um Oberbürgermeister in Leipzig zu bleiben.

          Schröder versprach: „Was die Bundesregierung tun kann, damit die Bewerbung international erfolgreich wird, werden wir tun.“ Dazu sollen nicht allein die diplomatischen Kontakte genutzt werden - auch Geld werde fließen. „Ganz Deutschland steht hinter ihnen“, versicherte der Kanzler.

          Prominente bei Präsentation

          Im Mittelpunkt des Wahlkongresses standen die jeweils fünfzehnminütigen Präsentationen der fünf Städte. Nach NOK-Ansicht hatten ausnahmslos alle Kandidaten eine gute „Papierform“ bewiesen, nun ging es für sie darum, eine mitreißende Geschichte zu erzählen. Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Dirigent Kurt Masur waren sich nicht zu schade, für Leipzig, wo die friedliche deutsche Revolution 1989 begann, als Botschafter aufzutreten.

          Viele Prominente aus Sport, Show und Kultur legten sich ins Zeug, um „ihrer“ Stadt Pluspunkte zu verschaffen. Die Hamburger Viertelstunde zum Auftakt war eine „Wundertüte“, weil der von Dieter Wedel gedrehte Film kurzfristig gestrichen wurde. Offenbar hatte der Starregisseur nicht das erwartete Meisterstück abgeliefert und damit die schon lange als Favorit gehandelten Hamburger in Bedrängnis gebracht. Was als Ersatz geboten wurde, gehörte zur Kategorie „brav und solide“.

          Frankfurt überzog temperamentvoll wie emotional sein Zeitlimit, Sir Peter Ustinov kam als „Weltbürger“ nicht mehr dazu, Frankfurt als Weltstadt zu preisen. Steinbach schnitt ihm das Wort ab. So waren die Regeln, doch die Frankfurter Delegation gab sich empört.

          Mit Stuttgart kehrte wieder ein ruhiger Ton in den Saal ein, es war ein fast biederer Beitrag. Düsseldorf setzte auf ein sympathisches Rollenspiel unter Spitzensportlern. Das Leipziger „Herz-Stück“ mit vielen unter die Haut gehenden Bildern vor allem von der deutschen Vereinigung bildete den Schlußpunkt eines munteren Nachmittags.

          „Olympische Gedanke hat Berge versetzt“

          Dann die Wahl unter der Maßgabe, die „dicke regionale Brille“ abzusetzen. 135 Stimmen waren maximal zu vergeben, nachdem der Wahlprüfungsausschuß der Offenbacherin Cornelia Hanisch doch das Stimmrecht zuerkannt hatte. Sie war ohne ihr Wissen in eine Werbekampagne für Bewerber Frankfurt eingespannt worden. Doch letztlich half ihre Stimme den Hessen nicht.

          Die Zahlen der vier Wahlgänge bewiesen: Leipzig lag von Beginn an vorne, und letztlich profitierten die Sachsen von den frei gewordenen Stimmen des Düsseldorfer Lagers. Mit 61,4 Prozent der Stimmen hängte man die am Ende des Tages tieftraurigen Hamburger ab. „Der olympische Gedanke hat offenbar Berge versetzt“, sagte Manfred von Richthofen, der Präsident des Deutschen Sportbundes, über die nun beendete nationale Bewerbungsphase. „Es hat einen deutlichen Ruck in der Sportlandschaft gegeben, so viel gesamtgesellschaftliche Zustimmung hatten wir selten.“ Dies müsse man zu einem guten Start in die internationale Bewerbung nutzen.

          „Politische Niederlagen“

          Schon am Abend vor der Wahl war deutlich geworden, daß die Politiker, die sich in den jeweiligen Städten und Bundesländern hinter die Bewerbungen gestellt hatten, das Ganze längst nicht mehr als rein sportliche Auseinandersetzung auffaßten. Sie äußerten vielmehr ganz offen die Sorge über eine „politische Niederlage“.

          Steinbach sagte dagegen am Samstag, das mit Risiken behaftete Auswahlverfahren habe sich gelohnt. Deutschlandweit sei ein Sportboom ausgelöst worden. Daß die Begeisterung auch in den vier nicht gewählten Regionen anhält, bezweifeln viele Beobachter aus Politik und Sportverbänden allerdings.

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