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Die Deutschen in der NHL : Uwe Krupps Erben sind bereit

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Gravour auf dem Stanley Cup: Uwe Krupp Bild: AP

Uwe Krupp blieb ein Einsatz im NHL-Finale versagt bei den Detroit Wings versagt - die Bilanz der Deutschen in dieser NHL-Saison.

          Dabei sein ist alles, lautet das olympische Motto. Aber Uwe Krupp war nicht olympisch zumute. „Natürlich hätte ich gerne gespielt", sagte Krupp inmitten der Jubelfeierlichkeiten in Detroit. Und das nicht, weil sein Name dann ein zweitesmal auf dem Stanley- Cup eingraviert werden würde. Das widerfährt nur Spielern, die entweder 41 Vorrundeneinsätze für das Siegerteam absolviert haben, oder wenigstens ein Finale. Beides blieb Krupp aus den bekannten Gründen versagt.

          Sein Verhältnis zu den Wings ist zudem nicht so, dass sie ihm eine Gravur ehrenhalber - auch das gibt es - gönnen würden. Das Millionen- Missverständnis ist zuende. Uwe Krupp und die Red Wings werden sich im Sommer vor dem Arbeitsgericht der NHL wieder sehen und eine Lösung finden.

          Karriereende für Krupp kein Thema

          Seine Karriere wird Krupp nach heutigem Stand noch nicht beenden. Zu fit fühle er sich, meint der Kölner, der nach zweieinhalb Jahren Pause wegen eines Bandscheibenvorfalls in dieser Saison zurückkam und die Fachwelt beeindruckte.

          Die Macht wie einst, als sie ihn „King Kong" nannten und als ständige physische Bedrohung einschätzten, wird der 36jährige nicht mehr werden. Aber ein Faktor für ein ambitioniertes NHL- Team, das eine Führungsfigur in der Abwehr benötigt, könnte er immer noch sein. Gerade der Stanley- Cup Sieg seiner Red Wings hat gezeigt, welchen Wert Arbeitsethik und Routine in der härtesten Liga der Welt haben können.

          Jan Benda doch nach Edmonton?

          Wenn das Schicksal es will, verteidigt Krupp in der kommenden Saison mit einem anderen Deutschen Spieler zusammen. Zwei Deutsche in einem NHL- Klub, das wäre ein Novum. Beinahe wäre es schon in dieser Saison soweit gewesen.

          Aber die Edmonton Oilers, die sich im Sommer Jochen Hecht von den St. Louis Blues angelten, gaben Jan Benda nach dem Trainingscamp den Laufpass. Nach dessen überragender WM- Leistungen werden sie darüber nachgedacht haben, ob sie den Nationalspieler nicht doch holen - als Verteidiger.

          Führungsspieler Hecht

          Einen weiteren Deutschen hätten sie noch in ihrem Farmteam. Sven Butenschön schaffte aber auch in dieser Saison nicht den Durchbruch in der NHL. Dafür mauserte sich Jochen Hecht trotz einiger Durchhänger zum Führungsspieler bei den Oilers. „Ich habe hier viel Vertrauen erhalten. Im Nachhinein muss ich sagen, dass der Wechsel aus St. Louis doch nicht so schlecht war" zog der Mannheimer nach erster Skepsis eine positive Bilanz.

          Dass er die WM wegen „Überlastung" absagte, machte ihm wenig Freunde in der deutschen Nationalmannschaft. Für den 24jährigen persönlich war es aber möglicherweise im Hinblick auf die neue Saison eine kluge Entscheidung. Erneut wollen die Oilers nämlich nicht die Play- Offs verpassen.

          Olaf Kölzig: Privat und sportlich schweres Jahr

          Dies gilt natürlich in noch größerem Maße auch für die Washington Capitals. Das Team von Olaf Kölzig darf als einer der absoluten Flops der Saison 2001/01 bezeichnet werden. Nach dem Mega- Deal mit der Verpflichtung des fünfmaligen Torschützenkönigs Jaromir Jagr als Geheimtipp gehandelt, wurde man nur zweiter in der Division hinter Carolina und kam nicht unter die besten acht Ostens.

          Kölzig spielte nicht seine beste Saison. Das mag mit dem privaten Schicksalsschlag zu tun haben, weswegen er auch die WM in Schweden absagte. Sein kleiner Sohn ist autistisch veranlagt. Familie Kölzig wird damit ein Leben lang umgehen müssen, der 32jährige mental ganz stark sein müssen.

          Marco Sturm: Bestes NHL Jahr im Team der Zukunft

          In bester Gemütslage befindet sich dagegen Marco Sturm. Der Dingolfinger spielte die produktivste Saison seiner Karriere mit 21 Toren und 20 Vorlagen in 77 Vorrundenspielen, sowie 3 Toren und 2 Beihilfen in 12 Play- Off Partien und kam mit den San Jose Sharks in die zweite Play- Off Runde.

          Dort scheiterten die Kalifornier zwar im siebten Spiel haudünn mit 0:1 an Titelverteidiger Colorado, haben sich aber als vierte Kraft im Westen etabliert. Die Mannschaft ist jung und gut genug, um in Zukunft eine noch bessere Rolle zu spielen.

          Mannheimer Überraschungskandidat

          Und Marco Sturm ist ein wichtiger Bestandteil des Teams. „Ich habe mein Potential erst zu 80 Prozent ausgereizt", sagt der Allrounder über sich. Kein Zweifel: Heißester Kandidat, als nächster Deutscher auf dem Stanley Cup eingraviert zu werden, ist Marco Sturm.

          Wenn nicht Dennis Seidenberg dazwischenkommt. Der Mannheimer könnte ein Überraschungskandidat für die neue Saison sein. Experten trauen ihm schon im Sommercamp den Sprung über den großen Teich zu. Die ambitionierten Philadelphia Flyers werden ihre Abwehr runderneuern und ein abgebrühter Youngster wie Seidenberg käme ihnen gerade recht. Krupps Erben stehen bereit.

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