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Die „Club“-Fans haben gewählt : Klaus Augenthaler, Supertrainer

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Der Übersteiger: Die FAZ.NET-Fußball-Kolumne - auch zur WM Bild: FEM

Beim 1. FC Nürnberg hat sich der Kunde selbst zum König gemacht: Das lautstarke Votum der Fans überzeugte Präsident Roth - Trainer Klaus Augenthaler darf trotz des 0:3 gegen Hertha BSC Berlin bleiben.

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          Nun hat also auch der 1. FC Nürnberg seinen Superstar. Gewählt vom Publikum, gefeiert von seinen Anhängern, gedrängt zu einer Zugabe vor der Tribüne des Frankenstadions. „Geh noch mal raus, sonst reißen die Fans das Stadion ab“, bat ihn Manager Edgar Geenen in der Kabine. Also zeigte sich Klaus Augenthaler, bislang nur Trainer in Nürnberg, jetzt also Supertrainer, noch einmal der Menge. Und dankte überwältigt: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“

          Augenthalers Mannschaft hatte zu Hause 0:3 gegen Hertha BSC Berlin verloren und verharrt auf einem Abstiegsplatz - was ungefähr so grausam ist, als würde Daniel, die Heulboje, Küblböck zum hohen C ansetzen. Erschwerend kam hinzu, dass Augenthaler mit Michael A. Roth ein Präsident im Nacken saß, der sich bei anstehenden Entlassungen gewöhnlich nicht von sentimentalen Gefühlen leiten lässt. Roth, in den vergangenen Jahren so etwas wie der Chef-Rauschmeißer im deutschen Fußball, hätte allen Dementis zum Trotz wohl auch Augenthaler kurz und schmerzlos entsorgt - wären da nicht diese Fans gewesen.

          Sie überraschten auch Roth, der zurückruderte, als ihn Volkes Stimme übertönte. Danach sprach er nur noch von „unserem beliebten Augenthaler“ und davon, sich mit seinem "everybodys darling" auf der Bank notfalls auch in die zweite Liga zu begeben. So etwas war bisher nur aus dem Fußball-Idyll Freiburg zu hören oder aus Cottbus, wo Trainer Geyer wie Kollege Finke mit einem Blankoscheck in der Tasche beträchtlichen Kredit für seinen Verein erspielt, der seither als besonders prinzipienfest gilt.

          So viel Demokratie war in der Bundesliga selten: Wenn nicht alles täuscht - und wenn sich der Teppichhändler Roth nicht doch noch eines Schlechteren belehren lässt - hat sich der Kunde in Nürnberg selbst zum König gemacht. Er hat für Augentahler und gegen einen weiteren dieser unzähligen Rausschmisse gestimmt, die oft nur von der vagen Hoffnung geleitet sind, es möge irgendwie besser werden. Das ist neu. Hätte es in dieser Saison Abstimmungen unter den Fans in Gladbach und Leverkusen gegeben, säßen Hans Meyer und Klaus Toppmöller wohl noch auf der Bank.

          Auch wenn beliebte Trainer nicht immer gute Trainer sein müssen: Das Fan-Votum von Nürnberg vermittelt etwas von jenem Vertrauen über Spieltage und Tabellenplätze hinweg, das den meisten Verantwortlichen im Fußball längst abhanden gekommen ist. Außerdem: Neue Trainer müssen nicht immer besser sein. Und entlassene nicht immer die schlechtere Wahl.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

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