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Die Anführer des Fußballs : Schweiger und Sesselkleber

Sagt nicht die Wahrheit: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach Bild: dpa

Sie wollen nicht gehen. Egal, was passiert. Sie bleiben einfach. Joseph Blatter. Michel Platini. Und jetzt auch Wolfgang Niersbach.

          Sie wollen nicht gehen. Egal, was passiert. Sie bleiben einfach. Joseph Blatter. Michel Platini. Und jetzt auch Wolfgang Niersbach. Blatter hat in den Jahrzehnten seines unseligen Wirkens als Generalsekretär und Präsident der Fifa ein korruptes System rund um den Fußball-Globus geschaffen, das Zentrum der Verdorbenheit. Er ist von der Ethikkommission des Weltverbandes für jede Aktivität im Fußball suspendiert worden. Trotzdem tritt er nicht zurück.

          Uefa-Präsident Platini hat seine Stimme an Qatar verschachert. Sein Sohn bekam dort nach der WM-Vergabe einen hochdotierten Job. Von Blatter hat Platini dann selbst zwei Millionen eingesteckt. Aber niemand weiß, weshalb und wofür. Und verbucht ist die Zahlung auch nicht. Die Sache stinkt zum Fußball-Himmel. Auch Platini ist derzeit von der Ethikkommission aus gesperrt. Aber er hält sich trotzdem für den besten Kandidaten bei der Fifa-Präsidentenwahl im Februar - und glaubt weiter, Uefa-Präsident sein zu müssen.

          Und Niersbach sagt bewusst nicht die Wahrheit. Seit es darum geht, den Geldfluss von 6,7 Millionen Euro im Rahmen des Sommermärchens aufzuklären. Erst hat er die Öffentlichkeit belogen. Dann den DFB-Vorstand - und damit den gesamten Verband. Seit Dienstag ermittelt nun auch die Staatsanwaltschaft gegen den DFB-Präsidenten wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Und seitdem schweigt der Präsident, der sonst gern plaudert. Und klebt am Sessel, wie Blatter und Platini. Der Weltfußball und seine Anführer: ein Klub der Sesselkleber.

          Was muss eigentlich noch passieren, dass sich die Spitzenkräfte des Fußballs ernsthaft für Aufklärung einsetzen, Verantwortung übernehmen, Reue und Einsicht zeigen? Und um Entschuldigung bitten für das, was sie getan, geduldet oder gewusst haben? Ermittlungen des FBI, des Schweizer Bundesanwalts, der amerikanischen und deutschen Steuerbehörden genügen dafür nicht. Auch nicht interne Sperren. Darüber schweigen oder lachen die Herrscher der Verbände.

          Auch Sepp Blatter (links) und Michel Platini sind sich keiner Schuld bewusst und kleben an ihren Posten

          Der Fußball - er gehört ihnen. Das glauben sie, noch immer. Und es gibt tatsächlich auch niemand in ihren Organisationen, der sie von ihren Thronen verjagen kann. Oder verjagen will. Im deutschen Fußball jedenfalls mag sich derzeit niemand die Hände schmutzig machen, wenn es darum geht, in aller Konsequenz für saubere Verhältnisse einzustehen. Einen Rücktritt von Niersbach, der dafür nötig ist, wagte niemand in den Tagen des großen Schweigens zu fordern. Kein Rauball, kein Seifert, kein Bierhoff, kein Koch. Auch der FC Bayern freut sich lieber am eigenen Erfolg.

          Es wird, wie immer, nur taktiert. Die Amateure wollen es nicht gewesen sein, die Profis auch nicht. Denn das könnte, wenn es um die Nachfolge von Niersbach geht, von Nachteil sein. Und so ist das Schweigen, seit die Staatsanwaltschaft am Dienstag die Sache in die Hand genommen hat, dröhnend laut geworden im deutschen Fußball. Verantwortung für den eigenen Verband und den eigenen Sport - in diesen Tagen ist er im deutschen Fußball nicht zu finden. Auch dieses Versagen sollte man so schnell nicht vergessen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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