https://www.faz.net/-gtl-2njg

DFB-Pokalfinale : „Haut sie weg, holt den Pokal - auf Wiedersehen“

  • Aktualisiert am

Der General: Georgi Wassilew Bild: AP

„Die verpasste Meisterschaft ist verarbeitet“, behauptet Schalkes Trainer Huub Stevens. Nun soll wenigstens der DFB-Pokal her. Nur Endspielgegner Union Berlin hat etwas dagegen.

          3 Min.

          Schalke 04 muss, Union Berlin darf gewinnen. Nur selten in der Geschichte des deutschen Fußball-Vereinspokals waren die Rollen so klar verteilt wie beim 58. Endspiel.

          Alles andere als der dritte nationale Pokalsieg am Samstag im ausverkauften Berliner Olympiastadion gegen den Drittligisten 1. FC Union wäre für Schalke nach dem Meister-Trauma ein Horror. „Es wäre tragisch, wenn wir nochmal ein Endspiel verlieren“, sagte Manager Rudi Assauer.

          „Dieser Kult-Verein und seine sagenhaften Fans haben es nach dieser Saison verdient, mit einem Titel belohnt zu werden“, sagte Torwart Oliver Reck. „Die Mannschaft hat den absoluten Willen, den Pokal zu holen.“

          Trauma tatsächlich verarbeitet?

          „Es wird kein Spaziergang, aber wir wollen einen Titel. Die verpasste Meisterschaft ist verarbeitet“, betonte Trainer Huub Stevens, dessen Team mit dem Sonderflug DI 8930 in der sonnenüberfluteten Hauptstadt eingeschwebt war. „Wir sind auf dem Papier Favorit. Aber Union Berlin ist weder eine Regionalliga-Mannschaft noch ein Zweitliga-Aufsteiger. Vom Leistungsniveau sind die Berliner mit einer Spitzenmannschaft der zweiten Liga zu vergleichen“

          Schalke gab sich beim Betriebsausflug zum Finale passend zum Wetter betont locker: Spieler in Trainingsbekleidung, Ehefrauen und Kinder mit an Bord. „Es sieht wieder viel besser aus als an diesem schrecklichen Tag“, sagte Torjäger Ebbe Sand.

          Die Angst, erneut auf der Ziellinie abgefangen zu werden, traf jedoch mit dem Schalke-Tross ebenfalls in Berlin ein. „Ich habe sie in der Kabine geschlagen“, reagierte Stevens nur noch mit Ironie auf die Frage, wie er seine Profis nach dem Bundesliga-Schock neu motiviert habe. „Was soll man noch machen, Gebetsstunden abhalten? Ich habe gesagt, haut sie weg, holt den Pokal nach Gelsenkirchen, auf Wiedersehen“, bemerkte Assauer.

          10.000 T-Shirts schnell vergriffen

          „Ganz verkraftet hat es von uns noch niemand“, gestand Sand jedoch Nachwirkungen ein. Zumal die Erwartungen der Schalker Fans riesig sind: Über 10.000 hatten das Abschlusstraining noch in Gelsenkirchen verfolgt, Hunderte blau-weißer Anhänger verbreiteten in Berlin schon 24 Stunden vor dem Anpfiff (19.30 Uhr/live in der ARD) beste Stimmung.

          Und 10.000 T-Shirts mit dem Aufdruck „Meister der Herzen“ gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Stevens: „Es geht nicht um die Vergangenheit, es geht um die Zukunft. Das ist ein Endspiel, das wichtig ist für ganz Deutschland. Und ich möchte es gern siegreich gestalten.“

          Finaleinzug kein Zufall

          Außenseiter Union, der unmittelbar nach dem prominenten Rivalen den Rasen des Olympiastadions testen durfte, verfolgte den Rummel um die Königsblauen mit Gelassenheit. „Bei denen geht es einfach noch um alles“, skizzierte Union-Kapitän Steffen Menze den entscheidenden Unterschied.

          Die „Eisernen“ aus dem Stadtteil Köpenick, lange durch eine Randstellung und finanzielles Chaos gebeutelt, haben mit dem Zweitliga-Aufstieg und der Uefa-Cup-Qualifikation in dieser Saison schon mehr erreicht, als sie erträumen durften. „Dass wir im Finale stehen, ist nicht zufällig. Das wollen wir auch gegen Schalke bestätigen“, sagte Trainer Georgi Wassilew. Schon einen Tag früher als üblich hatte der bulgarische Chefcoach seine Pokal-Helden in einem Hotel am Berliner Tierpark zusammengezogen.

          Störfeuer von Bertram

          Die Vorbereitung auf das größte Spiel der Vereinsgeschichte wurde nur durch Äußerungen von Präsident Heiner Bertram, der Trainer könne nicht strategisch denken, gestört. Wassilew zeigte sich genervt: „Es ist wohl jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, Konflikte auszutragen oder darüber zu debattieren, wer der wichtigste Mann im Klub ist.“

          Der Präsident freilich sieht sich falsch verstanden: „Ich arbeite doch mit keinem Trainer zusammen, der kein Konzept hat.“ Zum zehnten Mal nach Einführung der Bundesliga steht ein unterklassiger Vertreter in einem DFB-Pokalfinale - und immerhin zwei Mal (Offenbach 1970 und Hannover 1992) schafften die Underdogs den Triumph. Ein Drittligist aber war noch nie Pokalsieger.

          Wassilew ließ schon Elfmeter üben

          Im Training ließ Cup-Spezialist Wassilew, der in seiner Heimat mit Lewski Spartak und ZSKA Sofia zwei Mal den Pokal holte, schon Elfmeter üben: „Wir proben den Ernstfall.“ Die Taktik der Berliner ist einfach: Je länger es 0:0 steht, umso nervöser werden die Schalker.

          „Wir wollen unsere Außenseiter-Rolle wahrnehmen“, so Menze. „Es ist alles möglich“, betonte Wassilew. „Ich hoffe, dass wir die wenigen Chancen, die wir uns erarbeiten und die Gott uns gibt, nutzen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am 9. Oktober im Parlament in Ankara.

          Offensive in Nordsyrien : Erdogan verspottet Trump

          Der türkische Präsident verspottet nicht nur den deutschen Außenminister Heiko Maas, sondern auch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump für seine Tweets. Ein Treffen mit dessen Vize Pence und Außenminister Pompeo lehnt er ab.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.