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DFB-Pokal : „Kahn ist der Erfolg zu Kopf gestiegen“

  • -Aktualisiert am

Keine Freunde: Andreas Möller und Oliver Kahn Bild: dpa

Der Sieger attackiert den Verlierer: Nach dem Einzug ins DFB-Pokalfinale gefielen sich Schalke 04 gegenüber dem FC Bayern in der verbalen Abrechnung.

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          Der Kleinkrieg hielt auch nach dem Schlusspfiff an. Richtige Spielverderber wollten die Spieler und Offiziellen des FC Bayern München nicht sein. Deswegen akzeptierten sie zähneknirschend, dass der 2:0 (0:0, 0:0)-Sieg des FC Schalke 04 im Halbfinale des DFB-Pokals nach 120 Minuten "in Ordnung" und "verdient" gewesen sei.

          „Von der Qualität her kann das Endspiel nicht besser werden. Es war ein tolles Spiel, eine gute Werbung für den Fußball", sagte Karl-Heinz Rummenigge, als feststand, dass am 11. Mai in Berlin die beiden Kontrahenten Schalke und Bayer Leverkusen das Finale bestreiten werden: "Es tut weh, aber wir gratulieren den Schalkern."

          Möller-Schelte von Rummenigge

          Doch dann lederte der Bayern-Vizepräsident los, attackierte Ex-Nationalspieler Andreas Möller und griff den Deutschen Fußball-Bund (DFB) an. „Es ist absolut unkollegial von Möller, dass er die Rote Karte für Sammy Kuffour gefordert hat. Der Schiedsrichter hat sich von Möller provozieren lassen", sagte Rummenigge. Möller habe gegen den Ehrenkodex verstoßen. „Jeder Spieler weiß, dass man das nicht tut."

          Gespielter Trost: Andreas Möller mit Stefan Effenberg
          Gespielter Trost: Andreas Möller mit Stefan Effenberg : Bild: dpa

          Der Platzverweis für den bayerischen Ghanaer kurz vor dem Ablauf der regulären Spielzeit von 90 Minuten wegen eines groben Foulspiels an Jörg Böhme an der Mittellinie wurde von den Münchnern wie den Gelsenkirchenern als „Schlüsselszene" der nervös-hektischen, sehr hart geführten, spielerisch aber dürftigen Pokalschlacht eingestuft.

          Rivalitäten auf dem Rasen

          Mit zehn Spielern kam der DFB-Pokalsieger des vorigen Jahres durch einen Gewaltsschuss des Niederländers Marco van Hoogdalem (100.) und einem cleveren Schlenzer von Jörg Böhme (115.) zum zweiten Triumph über die Bayern nach dem 5:1 in der Bundesliga fünf Wochen zuvor. Als der ungestüme Kuffour, der der Roten Karte noch eine Tätlichkeit (Kopfstoß) gegen Böhme folgen ließ, vor 60 683 aufgebrachten Zuschauern von Schiedsrichter Herbert Fandel vom Feld geschickt wurde, brachen auf dem Rasen die großen Rivalitäten und kleinen Animositäten hervor.

          Oliver Kahn sauste aus seinem Tor zum Tatort, bedrängte Möller und schrie erregt auf den Schalker ein. „Dass er und andere Bayern behaupten, ich hätte Rot für Kuffour gefordert, ist eine Frechheit. Ich habe den Schiedsrichter nur darauf aufmerksam gemacht, dass es ein Foul war", rechtfertigte sich Möller später, der auch von Bayern-Kapitän Stefan Effenberg zur Rede gestellt worden war. Möller wählte die Vorwärtsverteidigung: "Ich glaube, dem Kahn ist der Erfolg zu Kopf gestiegen." Das habe er dem Nationaltorwart ins Gesicht gesagt.

          Bayerische Beschwerden über den Platzverweis

          „Ein Foul von Kuffour war es sicherlich, aber dann muss man vorher gegen Jiri Nemec auch gelb-rot geben. Sein Foul an Effenberg war schlimmer", sagte Thorsten Fink, der einzige Bayern-Spieler, der nach der Partie in der Arena überhaupt noch etwas sagen wollte.

          Die anderen Akteure brachen schnell zum Nachtflug in die Heimat auf. Nach der Rückkehr gegen 3 Uhr mussten die Bayern am Donnerstag vormittag schon wieder zum Training antreten, denn am Samstag folgt mit dem Lokalderby gegen 1860 München das nächste schwere Spiel vor dem Champions-League-Duell mit Manchester United.

          Münchner Personalprobleme

          „Uns gehen langsam die Spieler aus", sagte Rummenigge besorgt. Robert Kovac, Bixente Lizarazu und Effenberg fehlen gegen 1860 wegen der fünften Gelben Karte, zu den drei Langzeitverletzten Nico Kovac, Pablo Thiam und Hasan Salihamidzic kamen zuletzt auch noch Mehmet Scholl, Willy Sagnol sowie Michael Tarnat.

          Und nun wird auch Kuffour noch eine lange Sperre erhalten. „Es ist klar, dass er in dieser Situation nicht grätschen musste. Das war ein absolut taktischer Fehler von ihm", kritisierte Ottmar Hitzfeld den Verteidiger, der genau wusste, dass er eventuell den Ausschlag für Schalkes zehnten Finaleinzug gegeben hatte. „Sammy sitzt in der Kabine und ist völlig fertig", berichtete Fink.

          „Idiotische Regeln beim DFB“

          Rummenigge warf aber auch dem DFB vor, es wäre falsch, die Sperren im Pokal-Wettbewerb und der Bundesliga zu mischen. „Mit Verlaub, dass Kuffour jetzt in der Meisterschaft gesperrt wird, zeigt, dass der DFB manchmal völlig idiotische Regeln hat", meinte der frühere Nationalstürmer.

          Tatsächlich werden die Gelben Karten für den Pokal und die Bundesliga getrennt geführt, Sperren nach Platzverweisen müssen aber sofort in der Bundesliga verbüsst werden.

          Wenig Zeit zum Nachdenken

          „Die Meisterschaft hat jetzt Priorität", sagte Fink. Die Niederlage würde die mannschaft bei der gestarteten Aufholjagd in der Liga nicht zurückwerfen. „Wir haben ja nicht schlecht gespielt. Schalke war eben besser", meinte Fink. Ähnliches sagten auch Rummenigge und Hitzfeld. Vorwürfe müsse man nicht an das Team richten. „Und zum Nachdenken über die Niederlage haben wir auch nicht viel Zeit", erklärte der Trainer.

          Die Westfalen fühlten sich nach dem Sieg wie im siebten Himmel. Möller teilte mit, dass „ich glücklich bin, so etwas am Ende meiner Karriere noch erleben zu dürfen". Die Atmosphäre, die das begeisterungsfähige Publikum in der Arena entfacht, sei einzigartig. „Ich habe mir nie träumen lassen, dass das Image des Vereins noch mal so hoch geht. Schalke ist in Deutschland ja in aller Munde", sagte Möller.

          Effenberg gab „Vorlage“ zum 1:0

          Im Blickpunkt bei den "Königsblauen", die ihr gesamtes Kartenkontigent über den Schalker Fanclub-Verband absetzen werden, stand auch Marco van Hoogdalem, der Kahn mit einem „Superhammer" aus 16 Metern bezwang - nach ungewollter „Vorarbeit" von Effenberg.

          „Der Ball war super aufgelegt von Effe. Das hätte ich selbst nicht besser machen können. Er kam direkt auf den Fuß", meinte van Hoogdalem, der auch in der Abwehr glänzend spielte. Der 29-Jährige, der schon vor seiner Schalker Zeit unter Huub Stevens spielte, wünscht dem Coach von Herzen einen tollen Schlussakkord mit Schalke am 11. Mai in Berlin. Nach diesem letzten Spiel mit den "Knappen" wechselt Stevens nach sechs Jahren zu Hertha BSC.

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