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DFB-Pokal : Bayern mit guten Nerven

  • -Aktualisiert am

Kampf um jeden Ball: Harry Koch (r) und Claudio Pizarro Bild: dpa

Erlösung für den Meister: Der FC Bayern München hat mit einem 5:3 nach Elfmeterschießen beim 1. FC Kaiserslautern das Halbfinale im DFB-Pokal erreicht.

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          Im Lotteriespiel zog der FC Bayern München das große Los. Mit 5:3 nach Elfmeterschießen zog der Meister in das Halbfinale des DFB-Pokals ein. Betretene Mienen beim 1. FC Kaiserslautern, der nicht die schlechtere, sondern schlicht die unglücklichere Mannschaft war.

          Zwei Stunden lag blieben die Tore geschlossen, in einer kämpferisch ansprechenden, spielerisch aber abfallenden Pokal-Partie. Mit vereinzelten Highlights wie in der Verlängerung: Da donnerte Mario Basler den Ball per Freistoß an die Latte (91.). In der 117. Minute hatte Oliver Kahn seinen größten Auftritt, als der Nationaltorwart einen Kopfball von Vratislav Lokvenc per Reflex entschärfte.

          Halbes Dutzend Münchener rotiert

          Trainer Ottmar Hitzfeld hatte gegenüber der Blamage auf Schalke zum großen Personaltausch gebeten. Mehmet Scholl, Jens Jeremies, Roque Santa Cruz und Giovane Elber rotierten auf die Bank, zudem fehlten Willy Sagnol (verletzt) und Michael Tarnat (gesperrt) aus der Samstag-Formation. Nutznießer im halben Dutzend: Sammy Kuffour, Thorsten Fink, Owen Hargreaves, Alexander Zickler, Claudio Pizarro und Carsten Jancker.

          Doch wehte mit diesem frischen Sextett auch ein neuer Wind? Zumindest kämpferisch ließen die Bajuwaren diesmal vor 37.632 Augenzeugen keine Wünsche offen, spielerisch blieb die bayerische Darbietung indes bescheiden. So zerfurcht der Rasen im nicht ausverkauften Fritz-Walter-Stadion, so zerfahren diese Pokal-Partie.

          Aufgeheizt, aufgehetzt die Atmosphäre in einer Arena, in der ins Aus gegrätschte Bälle wie andernorts Tore bejubelt werden. Zudem hatte Schiedsrichter Jürgen Jansen so seine liebe Mühe mit der hektischen Auseinandersetzung, weil der Unparteiische zu großzügig leitete.

          Lincoln verschoss Elfmeter

          In der bemerkenswertesten Szene der ersten Halbzeit lag der unsichere Referee jedoch richtig: Nach Foul von Robert Kovac am stark spielenden Lauterer Spielmacher Lincoln gab es Elfmeter, den jedoch der Gefoulte selbst an den Pfosten setzte (12.). Es sollte die beste Chance einer ersten Halbzeit sein, die ihren Unterhaltungswert in erster Linie aus der knisternden Spannung bezog.

          Mehr Aufregung in den Strafräumen gab es in Halbzeit zwei. Zweimal vergab Miroslav Klose aus aussichtreicher Position (47. und 52.), dann wurde auf der Gegenseite einem Jancker-Treffer zu Unrecht wegen Abseits die Anerkennung verweigert (64.). Was weiterhin galt: Die zu häufig die Grenzen des Erlaubten überschreitenden Aktiven taten sich mit dem Spielfluss auf dem unebenen Terrain sehr schwer.

          Das Problem Effenberg bleibt

          Den Bayern bleiben trotz des Sieges viele Probleme: Und die machen sich weiterhin an Stefan Effenberg fest, da mögen die Verantwortlichen gebetsmühlenartig Gegenteiliges verbreiten, so oft wie sie wollen.

          Effenberg zahlte das erneute Vertrauen immerhin mit erhöhtem Einsatz und Engagement, einem verwandelten Elfmeter, nicht aber mit der erhofften Innovation und Inspiration für das ideenarme Aufbauspiel zurück.

          Unangenehme Begleiterscheinungen

          Der selbsternannte „Chef“ hat indirekt die Aufstellung des Trainers auf Schalke in Frage gestellt, zudem Carsten Jancker erfolgreich für die Anfangself gefordert. Effenberg als Fürsprecher für einen Freund, zu dem seine Familie als einer der wenigen engen privaten Kontakt pflegt.

          Auch Hargreaves und Kuffour gelten als Gefolgsleute des Kapitäns. Wer nun beobachte, wie missmutig dagegen Scholl, Elber und Jeremies vor dem Anpfiff in dicken Jacken ihr Aufwärm-Spielchen absolvierten, der ahnt, welch Zündstoff noch im Star-Ensemble schlummert.

          Und Hitzfeld besonders unter Druck

          So oder so hat sich Hitzfeld spätestens mit der Personalentscheidung in Kaiserslautern der Linie Effenberg verschrieben. Kritikern gibt das neue Nahrung. Wie Paul Breitner: „Man hätte sich schon im Oktober ideal für die Zeit nach Effenberg einspielen können. Jetzt werden Spieler eingesetzt, die Lichtjahre von ihrer körperlichen Bestform entfernt sind.“ Orakel Breitner: „Es droht der Sturz ins Bodenlose, der Sturz ins Niemandsland.“

          Ähnliche Töne hat auch Günter Netzer angestimmt. Zwei bundesweite Meinungsmacher, die auf Distanz zum Bayern-Trainer gehen. Mögen die Münchner seit jeher im Allgemeinen unter Erfolgsdruck stehen - für Ottmar Hitzfeld gilt dies nun im Besonderen.

          Doch das erfolgreiche Pokalspiel hat zumindest eines mal wieder unter Beweis gestellt: die Bayern haben gute Nerven.

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