https://www.faz.net/-gtl-3vx6

DFB-Pokal : Angst vor dem Bayern-Syndrom

  • Aktualisiert am

Blamiert und schockiert: Matthias Sammer und der BVB Bild:

Nach dem 0:3 gegen den SC Freiburg und dem damit verbundenen vorzeitigen Pokal-Aus macht sich bei Meister Borussia Dortmund Nervosität breit.

          Jens Lehmann hatte das Elend von der Bank aus verfolgt und analysierte die erneute Blamage im DFB-Pokal deshalb wohl mit besonderem Scharfblick. „Wir sollten jetzt ganz vorsichtig sein, dass diese Pleite nicht der Anfang einer schwachen Phase ist“, warnte der geschonte Nationaltorwart nach dem peinlichen 0:3 (0:2) des deutschen Meisters Borussia Dortmund beim Erstliga-Absteiger SC Freiburg eindringlich vor dem Beginn einer Krise.

          Die Leistung seiner lethargisch wirkenden Kollegen gab dazu allen Anlass. Der Großteil der BVB-Profis müde und überspielt, die so genannten Ergänzungsspieler ohne Form und Sorgenkind Marcio Amoroso weiter demonstrativ lustlos: Ausgerechnet vor dem Bundesligagipfel am Samstag bei Tabellenführer Bayern München gaben die Westfalen ein jämmerliches Bild ab.

          „Birne frei bekommen“

          „Wir müssen jetzt aufpassen, dass wir in den Medien nicht die Bayern ablösen“, mahnte auch Dortmunds Coach Matthias Sammer vor weiteren Negativ-Schlagzeilen, nachdem der BVB bereits zum neunten Mal seit dem Pokalerfolg 1989 vor dem Achtelfinale unsanft aus dem Wettbewerb befödert wurde.

          Vor dem Spitzenspiel im Münchner Olympiastadion, das zugleich zum „Duell der angeschlagenen Boxer“ wird, sieht sich der Rotschopf deshalb nicht zuletzt als Psychologe gefordert. „Jetzt brauchen wir die doppelte Kraft, um die Birne wieder frei zu bekommen“, erklärte Sammer.

          „Werden Schiffbruch erleiden“

          Harsche Kritik ersparte auch Sportdirektor Michael Zorc den millionenschweren Stars nicht. „Es kann nicht sein, dass wir nur unter Druck gut spielen. Die Spieler haben die Lobeshymnen der vergangenen Wochen anscheinend nicht vertragen. So werden wir in München Schiffbruch erleiden“, sagte Zorc mit deutlich vernehmbaren Zorn in der Stimme.

          Von den liebevoll als „Breisgau-Brasilianern“ titulierten Freiburgern war der BVB phasenweise vorgeführt worden. Selbst in der Höhe war die Niederlage nach Toren von Soumaila Coulibaly (9.), Jan Männer (41.) und Andreas Zeyer (54.) verdient.

          Keine Alternativen

          Sorgen muss Sammer aber vor allem bereiten, dass der BVB-Kader anscheinend keine Alternativen für seine beiden in Freiburg geschonten tschechischen Leistungsträger Tomas Rosicky und Jan Koller aufweist. Es war bezeichnend, dass die Dortmunder nach der Champions-League-Pleite bei Arsenal London auch die zweite Partie ohne ihren genialen Spielmacher Rosicky als Verlierer beendeten.

          Lars Ricken war dabei in der Rolle des Regisseurs ebenso überfordert wie Heiko Herrlich bei seinem ersten Saisoneinsatz von Beginn an im Sturmzentrum.

          „Wir heben nicht ab“

          Die Freiburger nutzten stattdessen die Gunst der Stunde und träumen nach dem eindrucksvollen Triumph schon von höheren Zielen. „Vielleicht können wir ja über den DFB-Pokal in den Uefa-Cup kommen“, erklärte Ibrahim Tanko, der nach seinem Kreuzbandriss gegen seinen Ex-Klub nur auf der Bank saß.

          Trainer Volker Finke bemühte sich indes, die Euphorie in seriöse Bahnen zu lenken: „Wir heben nicht ab. Wichtig ist der Alltag in der zweiten Liga. Und da würden wir am Montag jubelnd die Arme hochreißen, wenn wir gegen Trier mit 1:0 gewinnen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Torwartwechsel: Manuel Neuer (l.) verteidigt seine Position gegenüber Marc-Andre ter Stegen

          Ter Stegen gegen Neuer : Zeit für einen Torwartwechsel?

          Keine Position im Fußball wird so gerne diskutiert wie die zwischen den Pfosten. Nur wenige Torhüter haben den Nummer-1-Status in der Nationalmannschaft konservieren können – und es ins kollektive Gedächtnis geschafft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.