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Der DFB und sein Sommermärchen : Es werde Licht – aber bitte nicht zu viel

Licht ins Dunkel hat der Freshfields-Bericht nur zum Teil gebracht Bild: F.A.S.

Teure Nebelkerze: Der Versuch des DFB, ein lückenhaftes Gutachten in der Sommermärchen-Affäre als glaubwürdigen Neuanfang zu verkaufen, ist gescheitert. Auch der Interimspräsident spielte eine undurchsichtige Rolle.

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          Seit mehr als einem Jahr fahndet der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach dem Verbleib von 6,7 Millionen Euro. Er hat dafür schon viel Geld ausgegeben. Wenn es dumm läuft für den gemeinnützigen Sportverband, und danach sieht es im Moment aus, dann werden die Kosten der Suche nach den irgendwo in Qatar verschwundenen Millionen höher ausfallen als der gesuchte Betrag selbst. Pessimisten im Umfeld des DFB bewegen sich mit ihren Hochrechnungen inklusive Untersuchungsbericht, Folgeaufträgen und Abfindungen bereits auf die neun Millionen zu. Beim DFB könnte man dazu zwar sagen: Die Wahrheit ist ein unschätzbarer Wert, den man sich also auch eine Menge kosten lassen sollte. Aber leider hat der immense Aufwand bislang kaum Früchte getragen. Wozu der DFB über verwickelte Manöver und eine Schweizer Schaltstelle 6,7 Millionen Euro nach Qatar transferiert hat, liegt weiterhin im Dunkeln. Die Ausgangsfrage, ob mit Hilfe der Zahlung etwa die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland geholt wurde, bleibt unbeantwortet. Und auch sonst hat der Verband kein Licht in die Angelegenheit gebracht.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.
          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Ein knappes Jahr nach den ersten Enthüllungen ist die Bilanz also niederschmetternd, trotz des aufwendig inszenierten, gut 360 Seiten langen Untersuchungsberichts der Frankfurter Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, auf den der DFB so stolz ist. Besser könne man nicht aufklären, betonen die Repräsentanten des Verbandes gerne. Das stimmt auch – vorausgesetzt, die Wahrheitssuche war nicht das Ziel, sondern etwas anderes: mit viel Aufwand zu suchen, aber möglichst nichts Nachhaltiges zu finden. Zumindest nichts, was die neue DFB-Spitze beschädigen könnte. Und natürlich den „Kaiser“, Franz Beckenbauer, den ehemaligen Chef der WM-Bewerbung und des Organisationskomitees. Der Schmutz soll allein an den früheren Funktionären kleben bleiben. Ein Preis-Leistungs-Verhältnis der ganz eigenen Art also.

          Wolfgang Niersbach gab eine unglückliche Figur
          Wolfgang Niersbach gab eine unglückliche Figur : Bild: Reuters

          Der erste Akt bei der angeblichen Suche nach der Wahrheit hatte Wolfgang Niersbach im vergangenen Jahr das Amt gekostet. Erst als gegenüber der Öffentlichkeit nicht mehr zu verheimlichen war, dass den damaligen DFB-Präsidenten nicht das Verlangen nach Aufklärung ins Archiv des Verbandes getrieben hatte, sondern der Wunsch nach Verschleierung, war seine Zeit vorbei. Seine Nachfolger machten es besser. Zehn Monate, zwei Interimspräsidenten und die Wahl eines regulären Präsidenten später zeichnet sich ab: Der Freshfields-Bericht könnte die teuerste Nebelkerze sein, die je in der Geschichte des deutschen Fußballs gezündet wurde.

          Wie unabhängig ist der Freshfields-Bericht wirklich?

          In dem Report, den sich der DFB für ein selbst öffentlich gemachtes Honorar von fünf Millionen Euro erstellen ließ, heißt es, er stelle eine „unabhängige Untersuchung“ dar. Doch Zweifel daran sind angebracht. So bestätigte der DFB auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass sich der damalige DFB-Interimspräsident Rainer Koch im Februar 2016 aktiv und persönlich in die Freshfields-Untersuchung eingeschaltet hat. Und das, obwohl er als oberster Repräsentant der Organisation fungierte, die Untersuchungsgegenstand war. Vom aktuellen Präsidenten Reinhard Grindel wurde er für dieses Engagement sogar ausdrücklich gelobt. Laut Protokoll der DFB-Vorstandssitzung vom 4. März 2016, die der Veröffentlichung des Freshfields-Berichts in Frankfurt unmittelbar vorausgegangen war, heißt es: „Reinhard Grindel unterstrich zunächst, dass die Unabhängigkeit der Untersuchung durch das beachtliche Ergebnis bewiesen wäre. (...) Danken wolle er an dieser Stelle ausdrücklich Dr. Rainer Koch für seine Beiträge zu den Ermittlungen. Insbesondere Dr. Rainer Koch sei es zu verdanken, dass der Zahlungsfluss Dreyfus an die Kanzlei in der Schweiz aufgeklärt werden konnte.“

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