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DFB-Kommentar : Der Problem-Präsident

  • -Aktualisiert am

Theo Zwanziger: DFB-Präsident mit eigenen Befindlichkeiten Bild: dpa

Im DFB rumort es immer weiter. Der Verband hat darunter zu leiden, dass Zwanziger seiner eigenen Befindlichkeit Priorität einräumt.

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          Als Theo Zwanziger im September 2006 Gerhard Mayer-Vorfelder endgültig als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) abgelöst hatte, war die Erleichterung groß. Mayer-Vorfelder, jahrzehntelang einer der Köpfe des deutschen Fußballs mit vielen Verdiensten um die Entwicklung des Verbandes, war in seinen letzten Jahren zur Belastung geworden. Vor allem durch seine entlarvenden Auftritte in der Öffentlichkeit. Und Zwanziger erfüllte alle Erwartungen, er verlieh dem Amt wieder Würde und Ansehen.

          In den vergangenen drei Jahren hat Zwanzigers Bild jedoch eine Menge Kratzer erhalten, und man muss sagen, er hat sie sich selbst zugefügt. Beginnend mit dem Fall Weinreich - der Journalist hatte den DFB-Präsidenten einen „unglaublichen Demagogen“ genannt - entwickelte sich der Verdacht, dass Zwanziger die Bodenhaftung verloren hat.

          Er gab dem Amt wieder Würde: Theo Zwanziger (l.) und Vorgänger Mayer-Vorfelder
          Er gab dem Amt wieder Würde: Theo Zwanziger (l.) und Vorgänger Mayer-Vorfelder : Bild: dpa

          Dass der DFB-Präsident (vergeblich) fünf Gerichtsinstanzen bemühte, um diese Aussage untersagen zu lassen, ehe eine außergerichtliche Einigung zustande kam, stand ihm frei. Dass er aber mit seinem Rücktritt drohte, sollte die Justiz sich nicht seiner Meinung anschließen und ihn nicht schützen, offenbarte ein seltsames Rechtsverständnis und eine merkwürdige Selbstwahrnehmung.

          Seitdem gab Zwanziger häufiger eine unglückliche Figur ab. Solange sein Sendungsbewusstsein, seine Eitelkeit, seine Dünnhäutigkeit und seine Egozentrik nur dem eigenen Image schadeten, konnte man diese Schwächen mit einem Achselzucken abtun. Wenn aber der DFB darunter zu leiden hat, wie jetzt wieder im Fall Koch, dann wird Zwanziger zum Problem. Während der deutsche Fußball wegen der Gewalteskalation rund um Spiele und des Verdacht des systematischen Steuerbetruges durch Spitzenschiedsrichter auf eine harte Probe gestellt wird, hat der Präsident nichts Dringenderes zu tun, als seinen ungeliebten Vizepräsidenten Rainer Koch öffentlich zu maßregeln.

          Der Präsident des Bayerischen Fußballverbandes hatte es gewagt, Zwanziger von einem Gespräch mit dem früheren Schiedsrichter-Obmann Amerell nicht am selben Tag zu informieren. Selbst wenn man dieser Nuance, wie es Zwanziger tut, eine wichtige Bedeutung beimisst und eine Missachtung des DFB-Präsidenten hineininterpretiert: Die eigene Befindlichkeit wichtiger zu nehmen als die drängenden Schwierigkeiten des Fußballs, wirft ein schlechtes Licht auf Zwanziger.

          Keine öffentliche Kritik aus dem DFB

          Am heikelsten aber sind für den DFB die Herausforderungen, die Amerell aufgrund des Machtkampfs von Zwanziger mit Koch stellt. Der frühere Spitzenfunktionär hat den DFB nach der gerichtlichen Auseinandersetzung mit dem Schiedsrichter Michael Kempter mit einem Rachefeldzug überzogen und unter anderem seinen ehemaligen Kollegen die Steuerfahndung auf den Hals gehetzt. Eine Chance zur Befriedung wurde bislang vertan.

          Im DFB gibt es niemanden, der Zwanziger dafür öffentlich kritisierte. Generalsekretär Wolfgang Niersbach bleibt loyal, um nicht für weitere Zerrüttung zu sorgen. Eine Opposition, die dem Präsidenten Druck machen könnte, existiert nicht. Der DFB muss also noch mehr leiden. Es sei denn, Zwanziger diszipliniert sich oder die Öffentlichkeit beginnt, den Präsidenten als unzumutbar zu empfinden.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

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