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DFB, DFL und Schiedsrichter : Der Weg ins Desaster

  • -Aktualisiert am

Das fröhliche Lachen ist Krug (r.) vergangen: er selbst sieht rot. Chef Fröhlich (l.) bleibt im Spiel. Bild: dpa

Der Vorwurf des Missmanagements ist unübersehbar. DFB und DFL haben ihre Spielkontrolleure sich selbst überlassen und tragen deshalb eine erhebliche Mitschuld am Schaden. Ein Kommentar

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          Mit dem Schiedsrichter-Streit im Bundesliga-Fußball verhält es sich wie mit dem Theater um den Videobeweis: Die reine Wahrheit lässt sich nicht vollständig erkennen. Und wenn man das größte Mikroskop nimmt. Aber eine Annäherung kann nicht schaden. Das ist bei der bitterbösen Auseinandersetzung zwischen den einst so angesehenen, aber seit ein paar Jahren ins Gerede gekommenen deutschen Referees geschehen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der sich überfordert fühlte mit dem Versuch einer internen Klärung, beauftragte seine Ethik-Kommission. Anhand dieses Schrittes ließ sich erkennen, dass Korruptionsvorwürfe (Vetternwirtschaft und Beurteilungsmanipulation) von Unparteiischen wie Manuel Gräfe an die Adresse der (ehemaligen) Oberschiedsrichter Hellmut Krug und Heribert Fandel nicht so ohne Weiteres zu beweisen waren, wenn überhaupt. Andernfalls wären längst Belege veröffentlicht worden.

          Zu dieser Auffassung muss auch die Ethik-Kommission des DFB unter Leitung des früheren Außenministers Klaus Kinkel nach dem Studium der Unterlagen und der intensiven Befragung der am Zwist Beteiligten gekommen sein. Sonst hätte sie eine Untersuchungskommission eingerichtet, die sich wochenlang um eine Aufarbeitung hätte kümmern müssen. Alle Bundesliga-Schiedsrichter wären dann geladen worden und hätten doch kaum mehr zur Aufklärung beigetragen. Die Spaltung der Gilde ist ja längst bekannt: Es gibt erschreckend genügend Schiedsrichter, die etwa das Gebaren von Krug kritisierten. So wie es andere gibt, die Hauptankläger Gräfe skeptisch betrachten.

          Das Problem waren und sind die subjektiven Einschätzungen: zu weich, um daraus ein klares Urteil ableiten zu können, zu substantiell, um sie schlicht ignorieren zu dürfen. Das hat der DFB aber über einen längeren Zeitraum getan. Die Ethik-Kommission fordert den Verband in ihrer (übernommenen) Empfehlung auf, „nochmals eine moderne, transparente und gerechte Struktur“ zu entwickeln. Nochmals?

          Der Vorwurf des Missmanagements in dieser höchst heiklen Frage ist unübersehbar. Und der Fall so delikat, weil die Machtfrage im Schiedsrichterkreis auch in Zusammenhang mit dem Belohnungssystem betrachtet werden muss. Zu einem Grundgehalt von etwa 80.000 Euro kommen pro Spieleinsatz 5000 hinzu. Ein guter, ein willfähriger Referee könnte so auf 150.000 Euro pro Jahr gekommen sein. Falls der Chefeinteiler es so wollte.

          Der Weg ins Desaster hängt auch mit profanen Dingen zusammen. Dass man da nicht so leicht herauskommt, hat der DFB am Wochenende feststellen müssen. Dem Kompromissvorschlag, eine Degradierung für Krug und Fandel, eine massive Erinnerung an das Verschwiegenheitsgebot der Schiedsrichter für Gräfe, folgte kein Frieden, sondern der nächste Beschuss. Krug soll als Supervisor Einfluss auf den Video-Assistenten genommen haben. Am Montag wurde er von diesem Amt entbunden. Ob das gerecht ist? Die Frage bleibt offen. Es gibt nur eine Antwort: DFB und Deutsche Fußball Liga haben ihre Spielkontrolleure sich selbst überlassen und tragen deshalb eine erhebliche Mitschuld am Schaden.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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