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Affäre um WM 2006 : „Der Schaden für den Fußball wird immer größer“

Bild: Reuters

Razzia beim DFB: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Der Verband signalisiert Bereitschaft zur Kooperation, Präsident Niersbach schweigt. Hocke fordert Führung zu einer Reaktion auf.

          Eine Telefonkonferenz nach der anderen. Am Dienstag glühten die Verbindungsdrähte unter führenden Funktionären des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Die Staatsanwaltschaft hatte einen Hausbesuch abgestattet, war stundenlang in der Zentrale des DFB in Frankfurt, trug Akten zur Beweissicherung davon. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Verdächtigt werden der amtierende Präsident Wolfgang Niersbach, der ehemalige Verbandschef Theo Zwanziger und der frühere Generalsekretär des größten Fußball-Verbandes der Welt Horst R. Schmidt. Bei allen dreien sind die Fahnder am Dienstagmorgen auch daheim gewesen. Ein Anfangsverdacht gegen den damaligen Chef des deutschen WM-Organisationskomitees, Franz Beckenbauer, bestehe nach gegenwärtigen Erkenntnissen nicht, hieß es auf Nachfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er habe mit der Abgabe von Steuererklärungen nichts zu tun gehabt.

          Der Eingriff des Staates mit fünfzig Beamten kam nicht überraschend. Vor fast drei Wochen hatte der DFB in einer Presseerklärung unter dem Druck einer „Spiegel“-Veröffentlichung über eine mögliche schwarze Kasse und Stimmenkauf rund um die Bewerbung um die Fußball-WM 2006 eine Mauschelei mit dem Internationalen Fußball-Verband (Fifa) eingeräumt: dass 6,7 Millionen Euro vom Organisationskomitee unter der Leitung von Beckenbauer an die Fifa überwiesen worden seien, unter dem Vorwand, damit das Kulturprogramm während der WM mitzufinanzieren. Tatsächlich soll die Summe als Rückzahlung für ein Darlehen von Robert Louis-Dreyfus geflossen sein, so die Version von Niersbach - wie sie ihm Beckenbauer in einer Privataudienz zum Besten gab.

          Nötig sei die Zahlung gewesen, weil die Fifa den DFB mehr oder weniger erpresst haben soll. Demnach ist der WM-Zuschuss des Welt-Verbandes in Höhe von 170 Millionen Euro nur in die Kasse des OK geflossen, weil man dem Imperium des suspendierten Fifa-Chefs Joseph Blatter zuvor (angeblich 2002) 6,7 Millionen Euro zahlte. Niemand weiß, ob diese Version stimmt. Blatter bestreitet sie. Aber der Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Frankfurt hat die Durchsuchungsbeschlüsse vor dem Hintergrund eines Faktums erlassen: dass der DFB bei seiner Steuererklärung für 2005 6,7 Millionen Euro als „abzugsfähige Betriebsausgaben“ geltend machte und diese auch anerkannt wurden - für ein Kulturprogramm, das gar nicht stattfand.

          Steuerhinterziehung? Für das Fußball-Volk mag diese Ermittlung gegen die drei Privatpersonen das kleinere Übel sein. Weil der Staat die Finger lässt von der Legende des „Sommermärchens“, von der Antwort auf die Frage, ob denn das OK der WM mit der Galionsfigur Beckenbauer mit dem Geld nicht vielleicht doch stimmberechtigte Fifa-Funktionäre überzeugt habe, die WM nach Deutschland zu vergeben. Aber nach Lage der Dinge lässt die Staatsanwaltschaft nicht aus Staatsräson, sondern wegen der Rechtslage den heiklen Aspekt außer Acht.

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