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Deutschland-Tour : Sorgen für Telekom trotz Etappensieg von Erik Zabel

  • -Aktualisiert am

Freudige Erregung: Erik Zabel nach dem Etappensieg Bild: dpa

Auch wenn Erik Zabel seine dritte Etappe bei der Deutschlandtour gewonnen hat, gehört die nationale Dominanz des Team Telekom der Vergangenheit an.

          Mario Kummer wird fast ein wenig patzig, wenn man ihn auf das Mannschaftsergebnis des Team Telekom bei der Deutschland-Rundfahrt anspricht. „Immerhin haben wir zwei Etappen gewonnen“, sagte der Sportliche Leiter und frühere Fahrer der Mannschaft nach dem Zeitfahren in Bad Dürrheim am Mittwoch.

          Am Donnerstag kam ein dritter hinzu, Erik Zabel war im Spurt in der Zeppelin-Stadt Friedrichshafen am Bodensee erneut der schnellste Mann der Deutschland-Rundfahrt. Auch die ersten beiden Tagessiege des Teams hatte schon Zabel Anfang der Woche geholt und so ist der Team-Erfolg, den Kummer pries, in erster Linie ein Zabel-Erfolg.

          Konkurrenz stiehlt Telekom die Show

          Zabels Siege überdecken, dass das Team Telekom bei weitem nicht die Rundfahrt so dominiert, wie man das von Deutschlands Profi-Team Nummer eins bei Rennen im eigenen Land gewohnt ist. Schon nach der dritten Etappe der Deutschland-Rundfahrt hatte das Team keine Chance mehr auf den Gesamtsieg.

          Telekom-Kapitän Alexandre Winokourow verlor auf der Schwarzwaldetappe am Mittwoch am Schlussanstieg nach Schonach den Anschluß an den Team Coast-Fahrer Aitor Garmendia, der die Gesamtführung übernahm.

          Einen Tag später, beim Einzelzeitfahren in Bad Dürrheim war es die dritte deutsche GSI-Mannschaft neben Coast und Telekom, die der Bonner Mannschaft die Show stahl: Das Team Gerolsteiner besetzte alle drei Plätze auf dem Siegerpodest mit den Fahrern Rich, Peschel und Steinhauser.

          Keine taktische Fehler

          Das Resultat, meint Mario Kummer, sei allerdings nicht etwa die Folge von taktischen Fehlern oder vom Versagen Einzelner in der Mannschaft gewesen: „Natürlich sind wir über das Ergebnis nicht glücklich. Aber an der Fahrweise gibt es nichts auszusetzen.“ Vielmehr scheint es, als ob die Ära der alles überschattenden Dominanz des Teams Telekom in Deutschland zu Ende zu sein.

          „Wir sind hier nur Außenseiter“, hatte Udo Bölts von Beginn der Deutschland Tour an gar behauptet. „Was hattet ihr denn von dieser Mannschaft erwartet?“, entgegnete Steffen Wesemann auf die Frage, ob er denn vom Stand der Dinge enttäuscht sei.

          Ohne Klöden und Ullrich

          Telekom war wahrlich nicht in Bestbesetzung am Start in Wiesbaden am Montag angetreten. Jan Ullrich und Andreas Klöden sitzen zu Hause und laborieren beide an ihren Knieverletzungen herum. Giuseppe Guerini, ein Mann, der im Schwarzwald den spanischen Kletterern hätte Widerstand leisten können, fing sich während der Friedensfahrt eine Darmgrippe ein.

          Die jungen Bergfahrer Matthias Kessler und Thorsten Hieckmann hatten sich in Italien zehn Tage lang bei der Verteidigung von Jens Heppners rosa Trikot aufgerieben. Die anderen beiden deutschen Profi-Mannschaften Coast und Gerolsteiner waren hingegen mit hohen Ambitionen und in Bestbesetzung angetreten. Beide Teams fahren nicht zur Tour de France und so ist für sie die Deutschlandfahrt das wichtigste Rennen des Sommers.

          Neue Machtverhaältnisse

          „Wir sind hingegen gerade mitten in der Vorbereitung für die Tour“, sagt Mario Kummer. Winokurow etwa bestreite nach einer längeren Pause gerade erst wieder sein zweites Rennen. Seine Bestform will der Kasache erst im Juli in Frankreich erreichen. Aber selbst wenn man diese ungleichen Eingangs-Voraussetzungen bei der Deutschland-Tour berücksichtigt, sind die Machtverhältnisse offener geworden im deutschen Profi-Radsport.

          „Man hat das immer für selbstverständlich gehalten, dass wir alles gewinnen“, sagt Mario Kummer. „So selbstverständlich war das gar nicht. Unsere Siege waren auch früher immer hart erkämpft.“ Erik Zabel hoffte gar, dass das Verlieren das Team den Fans näher bringt: „Wir sind halt auch keine Computer, und vielleicht macht uns das auch ein wenig sympathisch.“

          Vielleicht. Auf jeden Fall sympathisch ist jedoch, dass die Einseitigkeit in Megenta auf deutschen Landstrasse anscheinend ein Ende hat.

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