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Deutschland - Brasilien 0:2 : Ronaldo beendet nach Kahn-Fehler deutsche Titel-Träume

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Held der WM, Held des Finales: Ronaldo Bild: AP

Ausgerechnet ein Fehler von Oliver Kahn und zwei Tore von Ronaldo haben Brasilien den fünften Weltmeistertitel beschert.

          Oliver Kahn ist der tragische Held des WM-Endspiel 2002. Ein fataler Fehler des deutschen Torwart leitete die 0:2 (0:2-)Niederlage gegen Brasilien ein. Als der zweifache Torschütze Ronaldo in der 67. Minute seinen ersten Treffer erzielte, litt der deutsche Torwart indes bereits an einem Bänderriss im rechten Fingerfinger. „Das war nicht entscheidend und nicht so schlimm“, sagte der 33-Jährige. Ein fairer Verlierer wollte nicht nach Ausreden suchen.

          Doch als sich um 22.08 Uhr japanischer Zeit in Yokohama die Zeremonie für die Sieger vollzog, konnte und wollte Oliver Kahn das weder hören noch sehen. Nichts wie weg wollte der 33-Jährige. Und so ging er als erster Spieler in die Kabine des vollbesetzten International Stadium von Yokohama, bevor die Krönung des Abends vollendet war.

          Als Brasiliens Kapitän Cafu den WM-Pokal von einem Podest jubelnd in die Höhe streckte, war Kahn längst in den Katakomben. Allein mit seiner Rolle als tragischer Held. Er fühlte sich verantwortlich für eine 0:2 (0:0-)Niederlage, nach der es verständlicherweise keine Vorwürfe gab.

          Ronaldo schlägt Kahn - Brasilien schlägt Deutschland

          Keine Vorwürfe

          Es ist die besondere Geschichte, die dieses Turnier schrieb: Auch im Finale hielt Kahn fast alles, was zu halten und eigentlich auch nicht zu halten war. „Ohne ihn wären wir gar nicht ins Finale gekommen“, sagten unisono seine Mitspieler. Und dann reduzierte ihn doch ein einziger Schuss zu einem Fußballer, der auch nicht unfehlbar ist.

          „Das war mein einziger Fehler in sieben Spielen“, sagte Kahn, „und das wird bitter bestraft.“ Eine Stunde nach Spielschluss blickte der Kapitän immer wieder gedankenlos ins Leere, kaute sein Kaugummi und wusste keine Antwort darauf, wie das für ihn Unfassbare passieren konnte. In der 67. Minute eines spannungsgeladenen Finals verlor ausgerechnet der bis dahin abermals überragende Stratege Dietmar Hamann den Ball, den Rivaldo aus 20 Meters aufs Gehäuse drosch. Kahn konnte den scharfen Schuss nicht festhalten, Ronaldo staubte aus kürzester Entfernung ab.

          Ratloser Tormann

          „Es war klar: Wer das erste Tor schießt, gewinnt“, sagte Torsten Frings hinterher, der Torschützenkönig Ronaldo nicht die Ehre erteilen wollte. „Dazu musst du kein Brasilianer sein, um dieses Tor aus zwei Metern zu machen.“

          Dieses Tor: Für Kahn ein Alptraum. Apathisch suchte er im Stadion minutenlang nach einem Ort zum Alleinsein. Als die Mannschaft sich von den Fans feiern ließ, stand er gedankenverloren am Mittelkreis. Und hinterher zur Erklärung wirkte er so ratlos wie nie zuvor bei einem Turnier, das „sein“ Turnier zu werden schien. „Es gibt für mich keinen Trost.“

          Bänderriss im Finger

          Dabei hätte der bis dahin abermals tadellose Tormann eine gute Ausrede gehabt: Es war in der 51. Minute, als Kahn gegen einen Kopfball von Gilberto klärte und beim Nachsetzen des Brasilianers an der Hand getroffen wurde. Kurz danach ließ er sich behandeln. Wie sich direkt nach Spielschluss herausstellte, erlitt er einen Bänderriss im rechten Finger.

          Ringfinger und kleiner Finger waren bereits in einen dicken weißen Verband gehüllt, als Kahn sprach. „Das wird ein paar Wochen dauern, doch ich habe ja bald Urlaub.“ Hat ihn das nicht beeinträchtigt? „Das ist nicht so schlimm. Das ist nicht entscheidend.“

          Es spricht für den Schlussmann, nicht nach einer Ausrede gesucht zu haben. Denn ein Torwart, der einen lädierten Finger spürt, der ist gehandikapt.

          Umarmung in der Kabine

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