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Deutscher Eishockey-Bund : Ziel: Vertrauen zurückgewinnen

  • -Aktualisiert am

Musste abtreten: Uwe Harnos Bild: dpa

Der deutsche Eishockey-Bund steht zum Ende der Amtszeit von Uwe Harnos angeschlagen da. Doch auch sein Nachfolger täte gut daran, aufgerissene Gräben wieder zuzuschütten. Ein Sommertheater, das Züge einer Schmierenkomödie trägt

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          Am nötigen Willen hat es ihm nie gemangelt. Die Absicht, den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) in ruhigeres Fahrwasser zu führen, war bei Uwe Harnos durchaus erkennbar. Viel mehr glückte ihm nicht. Die Amtsführung des Verbandspräsidenten stand unter keinem guten Stern. Was immer der Bayer auch versuchte, es ging schief: Kaum ein Funktionär aus den zuletzt nicht von Erfolgen verwöhnten deutschen Wintersportverbänden symbolisierte mit seinem glücklosen Handeln die kleine, aber feine Diskrepanz zwischen „gut gemeint“ und „gut gemacht“ so deutlich wie er.

          Der DEB steht zum Ende seiner achtjährigen Führungszeit angeschlagen da und benötigt einen umfassenden Neubeginn. Franz Reindl, der neue Chef, muss mit seinem Team viel verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Seine Idee, die Profiklubs in Person von Daniel Hopp, des Geschäftsführers der Adler Mannheim einzubinden, ist clever.

          Viel Anlass zur Kritik

          Sportlich und wirtschaftlich blieben diverse Hoffnungen für den Verband zuletzt unerfüllt. Harnos trug durch eine Reihe ungeschickter Entscheidungen einen erheblichen Teil zu den Missständen bei: Das Intermezzo mit dem überforderten Bundestrainer Kölliker, die Doppelfunktion für Nachfolger Cortina, der ohne Erfolg als Chefcoach und Sportdirektor vor sich hin werkelt, seine eigenwillige Verhandlungsstrategie beim Streit um die Wiedereinführung von Auf- und Abstieg in der Deutschen Eishockey Liga, eine undurchsichtige Buchführung oder sein zweifelhafter Beratungsvertrag - Harnos bot mit seinem Handeln viel Anlass zur Kritik. Verband und Nationalteam kamen unter seiner Regie keinen Schritt voran, was sich auch in wachsenden Finanzsorgen spiegelt.

          Zugleich besaß er lange das diplomatische Geschick, Allianzen zu schmieden und Attacken seiner Widersacher ins Leere laufen zu lassen. Doch nun verließ ihn das Fingerspitzengefühl. Die Entmachtung Reindls als Sportdirektor war sein entscheidender taktischer Fehler. Dass ausgerechnet der Garmischer den Posten seines Rivalen übernimmt, ist die Pointe in diesem Eishockey-Sommertheater, das beim Kampf um die Macht Züge einer Schmierenkomödie trug. Reindl ist gut beraten, die Gräben, die durch das Zutun seines Vorgängers im deutschen Eishockey mit seinen vielen Beteiligten und ihren unterschiedlichen Interessen aufgerissen wurden, rasch zuzuschütten. Weitere Ränkespiele brächten nur noch mehr Ansehensverlust.

          Eishockey ist ein Sport, der immer wieder Einzelkämpfer hervorruft. Doch den größeren Erfolg feiern verlässliche Team-Player. Also solcher ist Reindl in all seinen unterschiedlichen Funktionen vor und hinter der Bande aufgefallen. Jetzt erwartet den Olympia-Medaillengewinner von 1976 die größte Herausforderung im Anschluss an die Profi-Karriere. Er muss den Verband rasch zukunftssicher machen. Die Voraussetzungen, um der schwierigen Aufgabe gerecht zu werden, bringt er mit: Sein Format und Fachwissen hat der DEB auf dem Weg zur Heim-WM 2017 dringend nötig.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

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