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Deutsche Leichtathletik : Viele Wackelkandidaten vor den Saisonhöhepunkten

  • Aktualisiert am

Sieganwärter: Tim Lobinger Bild: obs (puma)

Unmittelbar vor den Deutschen Meisterschaften und in Sichtweite der Europameisterschaften in München kommen die deutschen Leichtathleten nicht auf die Beine.

          3 Min.

          Ausfälle, Verletzungen, Formschwächen: Unmittelbar vor den Deutschen Meisterschaften in Wattenscheid und in Sichtweite der Europameisterschaften in München kommen die deutschen Leichtathleten nicht auf die Beine.

          Am Donnerstag verlängerte Dieter Baumann die Liste hochkarätiger Ausfälle für die deutschen Titelkämpfe. Baumann, der bereits 35 deutsche Meister-Titel verzeichnet, blieb mit einem grippalen Infekt auf der Strecke. „Gesundheit geht vor. Er wird jetzt eine umfangreiche Blutuntersuchung angehen“, erklärte Frank Hensel, Generalsekretär des Deutschen Leichtathletik-Verbandes.

          Nur wenig Ersatzleute in Sicht

          Die komplette Saison bereits abgesagt haben der zweimalige Kugelstoß-Weltmeister Oliver-Sven Buder (Ingolstadt), 5000-m-Läuferin Irina Mikitenko (Frankfurt/Main), 1500-m-Junioren-Weltmeister Wolfram Müller (Pirna), Zehnkämpfer Frank Busemann (Leverkusen) und Kofi Amoah Prah (Berlin), der Olympia- Fünfte im Weitsprung.

          Medaillenhoffnung: Sina Schielke

          „Wenn ein Top-Athlet ausfällt, können wir nur in wenigen Disziplinen aus dem Vollen schöpfen“, bedauert DLV-Präsident Clemens Prokop und kündigte bereits an: „Im Herbst müssen wir unser Leistungsförderungssystem sehr kritisch hinterfragen.“

          Titelverteidiger mit Gesundheitssorgen

          Bei allen acht EM-Titelverteidigern von 1998 läuft es nicht rund: Grit Breuer hat Achillessehnen-Sorgen, womit auch die 4x400 m-Staffel steht und fällt. Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler (Karlsruhe) plagen Probleme nach einer Wadenzerrung, dem fünffachen Diskus-Weltmeister Lars Riedel (Chemnitz) schmerzt die Schulter, Diskuswerferin Franka Dietzsch (Neubrandenburg) ebenfalls die Achillessehne und Speerwerferin Tanja Damaske (Berlin) kommt nach zwei Sehnenrissen nicht in Tritt.

          Zudem ist Hindernisläufer Damian Kallabis (Stuttgart) nicht mehr in der Form von vor vier Jahren und auch 800-m-Olympiasieger Nils Schumann (Großengottern) fehlt diesen Sommer noch eine Spitzenzeit.

          Drechsler, Breuer und Riedel genießen Schonfrist

          Lars Riedel wurde wegen einer Rückenverletzung von der DM-Teilnahme entbunden. Er wird nur dann bei der EM antreten, wenn er Medaillenchancen besitzt. „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber im Moment sieht es nicht so berauschend aus“, sagte sein Trainer Karlheinz Steinmetz. Riedel wird sich in den nächsten Wochen in München einer intensiven Behandlung bei Dr. Müller-Wohlfahrt, Arzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, unterziehen.

          Hochsprung-Weltmeister Martin Buß macht ein Jahr nach seinem Triumph in Edmonton/Kanada ein Krise durch. Der Berliner wurde beim Europacup in Annecy/Frankreich mit 2,22 m nur Siebter und rätselte: „Es ist selten, dass ich im Training höher springe als im Wettkampf.“

          Nach Wattenscheid sollte das Team stehen

          Drechsler ist nach einer Wadenverletzung bisher noch nicht die vom DLV für die EM (6. bis 11. August) geforderten 6,60 m gesprungen. „Mir bleiben noch einige Wettkämpfe bis zur EM. Und da wird nicht die Norm, sondern eher 6,70 oder 6,80 m mein Ziel sein“, sagte die Karlsruherin.

          Der Verband hat Drechsler ebenso wie Breuer eine Verlängerung des Qualifikationszeitraums bis zum 27. Juli gewährt. „Damit soll gewährleistet sein, dass sich unsere Topathleten optimal auf München vorbereiten können“, erklärt Rüdiger Nickel, Vizepräsident Leistungssport beim DLV, den Sonderplan. Auch für Speerwerfer Raymond Hecht (Magdeburg/Trainingsrückstand nach Ellenbogen-Operation) gilt die Schonfrist.

          In den übrigen Disziplinen wird das EM-Team, das etwa 100 Athleten und Athletinnen umfassen soll, bereits am 10. Juli nominiert. „Ich hoffe, dass die EM-Mannschaft nach Wattenscheid klare Konturen annimmt“, formulierte DLV-Generalsekretär Frank Hensel vorsichtig.

          Nachträgliche Hallen-Medaille für Bolm

          Beim bisher besten Leichtathletik-Meeting des Jahres in Lausanne glänzte aus dem Kreis der elf teilnehmenden Deutschen nur Lars Börgeling als Stabhochsprung-Zweiter mit 5,80 m und Kirsten Bolm (Köln) mit deutscher Jahresbestzeit von 12,84 Sekunden über 100 m Hürden.

          Bolm hatte zusätzlichen Grund zur Freude, denn vier Monate nach der Hallen-EM in Wien gewann sie nachträglich Silber statt Bronze über 60 m Hürden. Die eigentliche Siegerin Glory Alozie hat ihre Goldmedaille verloren, weil sie wegen der fehlenden Freigabe durch den nigerianischen Leichtathletik-Verband noch nicht für Spanien hätte starten dürfen.

          Ausscheidungs-Stabhochspringen steht an

          Im für vier Millionen Euro umgebauten Lohrheidestadion in Wattenscheid hofft der DLV bei 44 Entscheidungen vor allem auf starke Leistungen von Kirsten Bolm, Sprinterin Sina Schielke und der 400-m-Läufer Bastian Swillims und Vizeweltmeister Ingo Schultz erwartet.

          Nur zwei der drei Leverkusener Stabhochspringer Danny Ecker, Lars Börgeling und Richard Spiegelburg dürfen nach München, obwohl sie alle den Richwert von 5,70 m schon übersprungen haben. Hallen-Europameister Tim Lobinger (Frankfurt) ist nach seinem Europacupsieg bereits für die EM qualifiziert.

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