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Deutsche Gegner : Holland in Not

  • Aktualisiert am

Torlos, ratlos: Ruud van Nistelrooy Bild: AP

Titelkandidat Holland steckt vor der EURO 2004 in einer schweren Formkrise. Beim 0:1 in einem Testspiel gegen Irland traten die „Oranje“-Stars lustlos auf. Im Mittelpunkt der Kritik: Trainer Advocaat.

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          Die Spieler lustlos, der Trainer ratlos und die Stimmung auf dem Nullpunkt: Die Niederlande stecken gut eine Woche vor dem brisanten Auftakt bei der Fußball-Europameisterschaft gegen Deutschland in einer tiefen Krise. Nach dem 0:1 bei der Generalprobe gegen Irland am Samstagabend ist die hoch gehandelte Oranje-Elf innerhalb weniger Tage vom vermeintlichen Wunderteam zur Lachnummer abgestürzt und macht auch der DFB-Auswahl vor dem Duell am 15. Juni in Porto keine Angst mehr.

          Rudi Völler konnte seine Verwunderung über den schwachen Auftritt als Augenzeuge in Amsterdam nicht verbergen. „Sie haben sicherlich heute nicht gut gespielt und zu Recht verloren“, sagte der deutsche Teamchef.

          „Chaotischen Übungskampagne“

          Deutlich schonungsloser fiel das Urteil der niederländischen Medien nach der zweiten Heimniederlage innerhalb einer Woche gegen ein nicht für die EM qualifiziertes Team aus. „Blamage für Oranje“, „Löwen ohne Zähne“ schrieb die Zeitung „Telegraaf Zondag“ und sah das Team in einer „chaotischen Übungskampagne erneut gestolpert“. Längst steht Bondscoach Dick Advocaat nach andauerndem Hickhack um Taktik und Aufstellung im Zentrum der Kritik. Nicht nur „Rebell“ Clarence Seedorf muckt gegen den Trainer auf. „Er hat völlig die Richtung verloren“, so der „Telegraaf“ über den Trainer.

          Zwei Tage vor dem Abflug ins Luxusquartier an der Algarve hat es Advocaat nicht geschafft, das Starensemble zu einer funktionierenden Einheit zu formen. Rudi Völler dürfte nicht entgangen sein, wie problemlos Irlands Robbie Keane (45. Minute) auf dem Weg zum Siegtreffer durch die niederländische Abwehr marschieren konnte.

          Makaay trotz guter Leistung ohne Chance

          Im Angriff dürfte trotz guter Leistungen ausgerechnet Roy Makaay vom FC Bayern München Opfer der ständigen Rochaden sein. Der Stürmer wurde wieder erst in der zweiten Halbzeit eingewechselt und war im Angriff klar besser als sein Konkurrent Patrick Kluivert. Offenbar hat Advocaat aber kein Gefallen an Makaay gefunden und tendiert ohnehin wieder zum System mit einer zentralen Spitze mit Ruud van Nistelrooy.

          Wenigstens Seedorf gab nach seinen Stammplatzforderungen der vergangenen Tage vorerst verbal klein bei und sorgte nicht für weitere Unruhe. Der Mittelfeldmann vom AC Mailand mußte nach nur 15 Minuten Einsatz in der zweiten Halbzeit wegen einer Blessur vom Feld. Nach einer Untersuchung im Krankenhaus am Sonntag ist aber der zunächst befürchtete EM-Ausfall offenbar kein Thema mehr. „Es ist nicht so gravierend“, sagte ein Verbandssprecher über die Muskelverletzung.

          „Haben ein armseliges Spiel geliefert“

          Vielleicht wäre Advocaat gar nicht so unglücklich, wenn der als Querulant bekannte und von ihm zum Reservisten degradierte Seedorf aus gesundheitlichen Gründen zu Hause bleiben müßte. Mangel an hochwertigem Ersatz hat der derzeit überfordert wirkende und auch von früheren Größen wie Johan Cruyff und Marco van Basten immer wieder kritisierte Coach in seinem Kader zumindest nicht.

          Wie schon eine Woche zuvor beim 0:1 gegen Belgien und dem darauf folgenden wenig berauschenden 3:0 gegen die Färöer würfelte Advocaat sein Team während des Spiels immer wieder durcheinander und variierte das System von 4-4-2 auf 3-4-3 und 4-3-3. Der erhoffte Erfolg blieb aber aus. „Wir haben ein armseliges Spiel geliefert, und es war offensichtlich, daß meine Mannschaft nicht die erwartete Leistung gebracht hat“, gab der konsternierte Bondscoach zu.

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