https://www.faz.net/aktuell/sport/deutsche-fans-in-london-schwarz-gelbes-meer-und-lederhosen-12194770.html

Deutsche Fans in London : Schwarz-Gelbes Meer und Lederhosen

  • Aktualisiert am

Bei bestem Wetter in London stimmen sich die Dortmunder ein Bild: dpa

Es ist ein friedliches Vorfeiern bei Kaiserwetter im Königreich: Die Fans von Dortmund und Bayern stimmen sich in London auf das Champions-League-Finale von Wembley ein. Die Briten kümmert das alles wenig.

          3 Min.

          Ein Meer von Schwarz-Gelb und immer wieder Lederhosen: Vor dem deutschen Champions-League-Endspiel im Londoner Wembleystadion haben die Fans von Borussia Dortmund und Bayern München die Gastgeberstadt London fest im Griff. Schon am Freitag waren die ersten Partys auf dem Trafalgar Square und am Piccadilly Circus im Herzen der Themse-Metropole gestiegen.

          Am Samstag erkletterten Scharen von Fans den Brunnen am Piccadilly Circus und stimmten lautstark ihre Vereinsgesänge an. „Borussiaaaa...“ tönte es über den Trafalgar Square und ein paar Straßen weiter erschallte der „Stern des Südens“ aus einer Traube aus Rot-Weiß. Vor dem Big Ben auf der Westminster Bridge feierten Dortmunder und Münchner gemeinsam dem großen Spiel entgegen.

          Die Dortmunder Polizei rechnet damit, dass weit über 40.000 Borussia-Fans in der Stadt sind. „Viele davon sind mit Bussen über Nacht angereist“, sagte der Dortmunder Polizei-Einsatzleiter Lorenz Schnadt, der mit sieben Kollegen die Londoner Polizei Scotland Yard unterstützt.

          Auch viele Bayern-Fans nahmen endlose Autofahrten auf sich, um in London dabei zu sein. „Ich habe 40 Stunden nicht geschlafen“, sagt etwa André (44) aus Nordbayern. Der eingefleischte FCB-Fan war mit acht Gesinnungsgenossen mit dem Kleinbus nach London gekommen. Sein Kumpel Markus musste von München über Mallorca nach London fliegen, weil er auf die Schnelle keinen Direktflug mehr bekam.

          Noch haben die Münchner einen Blick für die Sehenswürdigkeiten
          Noch haben die Münchner einen Blick für die Sehenswürdigkeiten : Bild: dpa

          Die Rest-Tickets für das Finale wurden in London zum Preis von rund 1000 Pfund gehandelt. Am Nachmittag wollten die Fans von beiden Seiten sich in einem Park vor dem Wembleystadion versammeln, um dann gemeinsam zum Stadion zu spazieren.

          Für den Abend sind Fan-Feste in deutschen Pubs geplant - mit Weißwürsten, deutschem Schlager und viel Bier, gebraut nach dem „German Reinheitsgebot“. „Octoberfest“, Bavarian Beerhouse“ oder „Zeitgeist“ waren komplett ausgebucht. „Wir haben Ausnahmezustand“, hieß es etwa aus dem „Zeitgeist“. Da London keine Möglichkeit zum „Public Viewing“ bietet, mussten die Fans ohne Ticket fürs Endspiel dezentral in Pubs um Plätze kämpfen.

          Insgesamt dominieren in London aber die Farben Gelb und Schwarz
          Insgesamt dominieren in London aber die Farben Gelb und Schwarz : Bild: AP

          Bereits am Freitagabend wurde ein Lokal vorzeitig von der Polizei geschlossen, weil Borussia-Fans zu laut waren. Ansonsten verlief die deutsche Fußball-Party in London aber zunächst bis auf eine Rauferei von BVB-Anhängern nahe des Stadions friedlich. Während die aus Deutschland angereisten Fans in Londons Innenstadt feierten, war von britischer Seite keine größere emotionale Begeisterung zu spüren. Sportliches Interesse und Achtung vor der Leistung des deutschen Fußballs ja - doch von Hype keine Spur.

          Im Fernsehen und in den Zeitungen gab es sportliche Betrachtungen, zum Teil auch ausführlich. Doch das rein deutsche Finale löste unter den Engländern selbst kein heißes Champions-League-Fieber aus. „Ich schätze, die meisten Engländer werden Dortmund unterstützen, weil sie nicht die Favoriten sind“, sagte ein 33 Jahre alter englischer Fußball-Fan, der das Spiel im Pub gucken wollte. „Wir Engländer halten gerne zum Underdog.“ Auch Dortmunds Trainer Jürgen Klopp sei in England einfach sehr beliebt. Weil das Spiel im Fernsehen frei zugänglich lief, würden auch viele zu Hause schauen, meinte er.

          Ob diese Münchner Fans mit dem Rad ins Stadion kommen, erscheint ungewiss
          Ob diese Münchner Fans mit dem Rad ins Stadion kommen, erscheint ungewiss : Bild: dpa

          Strömender Regen hält die derweil die Fans von der Berliner Fanmeile zum Champions-League-Finale ab. Am späten Samstagnachmittag tummelten sich nach Veranstalterangaben nur ein paar Hundert Besucher bei der Fußball-Party zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule. Vor dem Finale hatte zudem das Bundeskriminalamt (BKA) nach Berichten mehrerer Medien vor einem möglichen Terror-Anschlag in Deutschland gewarnt. Am Brandenburger Tor waren vonseiten des Veranstalters 400 Ordner im Einsatz, um für Sicherheit zu sorgen. Sie sollen nach Absprache mit der Polizei jede Tasche und jeden Rucksack von Besuchern überprüfen.

          Mehr als 10.000 BVB-Fans haben sich indes am Samstagnachmittag in der Dortmunder Innenstadt eingestimmt. Im Epizentrum der Feier zwischen Friedensplatz, Altem Markt und Reinoldikirche ließen die Schwarz-Gelben bei noch gutem Wetter mit Gesängen ihre Mannschaft hochleben. Bis zum Anpfiff des Endspiels gegen den FC Bayern in London werden mindestens 30.000 Fans in der City erwartet und weitere 18.000 in den Westfalenhallen.

          Noch sind diese beiden Fans relativ einsam in Berlin auf der Fanmeile
          Noch sind diese beiden Fans relativ einsam in Berlin auf der Fanmeile : Bild: dpa

          Die Fanmeilen in München indes haben sich nur langsam gefüllt. Auf der Theresienwiese hatten sich am Nachmittag bei Regen nur einige wenige Fans versammelt. Rund 30.000 Anhänger hatten Karten für das dortige Public Viewing des Endspiels zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund gekauft. Die ersten Fans verfolgten zunächst die Vorberichterstattung auf drei großen Leinwänden. Kein Vergleich zum „Finale dahoam“ im vergangenen Jahr, als Tausende den ganzen Tag über bei schönstem Wetter draußen feierten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wankt die islamische Republik? Eine Frau im traditionellen Tschador vor einem Wandbild in Teheran

          Proteste in Iran : Nach dem Straßenkampf die Streiks

          Die Ankündigung, die Sittenpolizei aufzulösen, ist wirkungslos verpufft. Es mehren sich die Zeichen, dass die Proteste einen Keil zwischen Mullahs und Revolutionswächter treiben könnten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.