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: "Der Rummel ist mir peinlich"

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ANTWORT: Nein, ich fühle mich nach wie vor als Deutscher und habe nicht vor, die Staatsbürgerschaft abzugeben. Ich habe sehr gut gelernt, mit den Amerikanern umzugehen, habe im Gegensatz zur Anfangszeit kein Sprachproblem mehr und komme in jeder Lebenssituation zurecht. Aber ich lebe, anders als mein NBA-Vorgänger Detlef Schrempf, nicht amerikanisch, sondern nur den Stil der NBA; da bleibt kaum Zeit für etwas Eigenes. Die Liga dominiert unseren Lifestyle, sie sucht die Hotels aus, sie bestimmt den Plan und den Tagesablauf. Die regelmäßigen Telefonate zu meiner Familie und den Freunden in Deutschland lasse ich mir allerdings nicht nehmen. Und wenn ich mal abends in mein Haus komme und ein bißchen Freizeit habe, lege ich am liebsten die Füße hoch.

FRAGE: Die meisten Ihrer Landsleute führen ein anderes Leben.

ANTWORT: Ja, klar, doch ich halte mich für so normal wie immer. Ich bin 26 und ich selbst. Ich mache, was ich liebe und ich immer geliebt habe, und versuche, dabei Spaß zu haben. Daß die Leute ausflippen, weil ich den Ball offenbar einigermaßen gut in den Korb werfe, finde ich komisch, der Rummel ist mir manchmal peinlich.

FRAGE: 70 Prozent der bei den Dallas Mavericks verkauften Souvenirs und Shirts tragen Ihren Namen und Ihre Nummer "41" - die Fans verehren Sie also, und Mavs-Geschäftsführer Don Nelson meint, man könne noch viel mehr aus und mit Ihnen machen.

ANTWORT: Ich finde das aber trotzdem komisch, weil ich auf Gleichbehandlung Wert lege. Basketball ist schließlich ein Mannschaftssport. Beim Nationalteam hatten sie für ein Länderspiel einmal sogar nur mein deutsches Trikot mit der "14" zum Verkauf angeboten; das war richtig oberpeinlich. Ich bilde mir darauf nichts ein, und ich brauche es auch nicht, in der Werbung herumzuhüpfen. Ich habe lieber einen Tag lang frei, als einen Tag lang im Fotoshooting bereitstehen zu müssen.

FRAGE: Wie sehen Sie Ihre Stellung im deutschen Sport, etwa verglichen mit den Fußballprofis?

ANTWORT: Der Mehmet Scholl hat mir mal ein Trikot geschickt mit allen FC-Bayern-Unterschriften, weil ich gesagt hatte, Bayern-Fan zu sein. Das hat mich sehr gefreut. Ansonsten aber habe ich zu den meisten deutschen Sportlern eher weniger Bezug.

FRAGE: In der Verdiensttabelle liegen Sie weit vor den Fußballprofis. Nur ein Michael Schumacher übertrifft Sie noch.

ANTWORT: An den Michael reiche ich doch nicht heran. Was er in den letzten Jahren alles abgezogen hat, wie er die Formel1 dominiert hat, das hat es so noch nie zuvor gegeben. Ich finde gut, wie er die Sache handhabt, vom Typ her. Er ist wie ich eher zurückhaltend und fast schüchtern, mag den Rummel nicht. Entscheidend für seine Ausnahmerolle ist die Professionalität. Wenn ich sehe, daß er trotzdem noch jeden Tag drei Stunden ins Studio geht und Fitness trainiert, dann ist er für mich sogar das große Vorbild.

FRAGE: Gleichwohl sind Sie für deutsche Kinder ein größeres Vorbild als viele andere Sportler.

ANTWORT: Darum wollen wir die Sache mit meiner Stiftung ("Dirk-Nowitzki-Foundation") in der Heimat voranbringen. Ich bin in der glücklichen Situation, eine tolle Kindheit verbracht zu haben, und finde es supergut, wenn die wichtigen Dinge in der Familie bleiben.

FRAGE: Das naheliegende Ziel sind jetzt erst mal die Play-offs in der NBA. Im Vorjahr sind Sie mit den Mavericks früh gescheitert, und ein großer Titel fehlt in Ihrer Karriere.

ANTWORT: Diesmal will ich erst nach dem Finale nach Deutschland in den Sommerurlaub zurückfliegen, und ich habe ein gutes Gefühl. Wir hatten hier in Dallas schon lange kein Team mehr mit soviel Charakter. Unsere Chancen stehen gut wie nie.

FRAGE: Das Gespräch führte Jürgen Höpfl.

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