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Abrechnung eines Profis : „Viel Fassade, meist wenig Inhalt“

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Jan Rosenthal: „Als Profi habe ich in einer Blase gelebt“ Bild: Wonge Bergmann

Der frühere Bundesligaspieler Jan Rosenthal äußert sich ein halbes Jahr nach seinem Rücktritt äußerst kritisch über die Oberflächlichkeit im Profi-Fußball. „Es geht um Macht, Status und nicht um die Sache an sich.“

          Der ehemalige Profi Jan Rosenthal hat ein halbes Jahr nach seinem Karriereende mit dem Berufsfußball abgerechnet und Scheinheiligkeit in der Bundesliga angeprangert. „Mich haben viele Dinge zunehmend genervt: Der Egoismus in dem Geschäft - es geht in vielen Vereinen vorrangig um Macht, Status und nicht um die Sache an sich, also das, was dem Mannschaftserfolg dient. Und das auf allen Ebenen“, sagte der 32-Jährige in einem Interview mit dem Fußball-Portal Sportbuzzer.

          Rosenthal, der neun Jahre bei Hannover 96 spielte und nach weiteren Stationen beim SC Freiburg und Eintracht Frankfurt beim Zweitligaklub Darmstadt 98 seine aktive Karriere beendete, habe als Profi „in einer Blase gelebt und mich von Dingen stressen lassen, die nur in der Blase Wertigkeit haben." Nicht zuletzt bei den aktuellen politischen Fragen merke er im Nachhinein, „wie ich mich geradezu der Lächerlichkeit preisgegeben habe“, sagte der 32-Jährige. „Man denkt, man wäre sonst wie wichtig - dieser Eindruck wird einem eben auch permanent von außen vermittelt -, aber tatsächlich ist das Quatsch.“

          Rosenthal moniert zudem die Oberflächlichkeit der Profi-Fußballer. „Die TV-Interviews sind doch fast alle gleich, das spiegelt den ganzen Schein der Branche gut wieder“, erklärte der 200-fache Bundesligaspieler. „Viel Fassade, meist wenig Inhalt.“ Mit einem gewissen Abstand glaubt er, den Grund für diese Zustände zu kennen: „Es spielt auch die extreme Schnelllebigkeit des Geschäfts mit hinein, die aus dem kurzen öffentlichen Bewertungszeitraum resultiert und der teilweisen Kapitulation der Vereine, dem gerecht zu werden. Wie soll da eine richtige Entwicklung stattfinden?“

          Auch der Darstellung der Klubs und der Profis in den sozialen Netzwerken kann Rosenthal nichts mehr abgewinnen: „Ein Bild vor dem Spiel, ´Wir kommen an, gleich aufwärmen`, dann noch ein Foto nach der Partie mit einem nichtssagenden Fazit wie ´Kopf hoch, nächstes Spiel, drei Punkte`. Das bietet mir nichts - weil das meiste, was an Statements interessant sein könnte, gar nicht erst rausgeht, sondern von den Vereinen glatt gebügelt oder bewusst weggelassen wird."

          Gerade bei jungen Spielern gehe es häufig nur um die Profilierung über Statussymbole. „Mal eine Uhr, mal ein Auto, oder die neuen teuren Klamotten. Man bedient das Image des Profis, weil genau diese Dinge Gesprächsthema in der Kabine sind“, sagte Rosenthal.

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