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Der Bundesliga-Kommentar : Blühender Wettbewerb

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Burghausen sei Dank! Denn so viel scheint seit dem vergangenen Montag gewiss: Wenn es ernst wird, droht auch der FC Bayern seine Liga- pokal-Leichtigkeit zu verlieren. Aus der Beinahe-Blamage im DFB-Pokal indes den Schluss zu ziehen, ...

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          Burghausen sei Dank! Denn so viel scheint seit dem vergangenen Montag gewiss: Wenn es ernst wird, droht auch der FC Bayern seine Liga-

          pokal-Leichtigkeit zu verlieren. Aus der Beinahe-Blamage im DFB-Pokal indes den Schluss zu ziehen, die Münchner Rekordmeister seien vielleicht doch nicht die ersten Anwärter auf den Titel, wäre verwegen. Die für rund 70 Millionen Euro aufgerüstete und flottgemachte Mannschaft von Trainer Ottmar Hitzfeld ist eindeutig der Spitzenkandidat auf allerhöchste Weihen, wenn an diesem Freitag die 45. Bundesliga-Saison mit dem Duell zwischen Meister VfB Stuttgart und dem FC Schalke 04 startet. Mögen die Bayern zuletzt ausnahmsweise abgeschlagen auf Rang vier im Kampf um die Meisterschale ans Ziel gekommen sein, so sind sie doch das Maß aller Dinge. Aber unerreichbare Übergrößen, das haben die tapferen Teilzeitprofis von Wacker Burghausen gezeigt, sind die Münchner eben auch nicht nach ihrer exklusiven Shoppingtour mit dem Erwerb begehrter Profis wie Franck Ribéry, Luca Toni oder Miroslav Klose. Ein rechtzeitiger Trost und Mutmacher für die Herausforderer Stuttgart, Schalke, Bremen, Dortmund, Hamburg oder Leverkusen. Verwundbar ist nach wie vor jeder in einer Liga, die noch immer mehr Spannung zu bieten hat als die Konkurrenz in ähnlich großen Fußball-Ländern.

          Daran zu glauben, die Bundesliga habe bei ihren Sommereinkäufen Boden gutgemacht gegenüber den enteilten Engländern, aber auch gegenüber den nicht ganz so weit entfernten Spaniern, Italienern und Franzosen, wäre unrealistisch. Dafür reicht der deutsche Transfer-Ausgabenrekord von rund 170 Millionen Euro bei weitem nicht aus. Die zugegeben wenigen Weltstars wie Ronaldinho und Kaká denken weiterhin nicht im Traum daran, sich demnächst in der Bundesliga blicken zu lassen, und selbst internationale Hoffnungen aus der zweiten und dritten Kategorie geben meist dem Lockruf des englischen Pfund nach. Auf der Insel winken den 20 Klubs der Premier League aus dem bombastischen neuen Fernsehvertrag jährlich 1,4 Milliarden Euro; die Bundesliga kommt dagegen nur auf 440 Millionen Euro und liegt damit unter Europas führenden Fußball-Nationen am Schluss dieser Geldrangliste, die die Wettbewerbschancen auf europäischer Ebene maßgeblich beeinflusst. Wenn Premier-League-Aufsteiger Derby County für den letztlich doch gegen rund sieben Millionen Euro von Donezk nach Stuttgart gewechselten Rumänen Marica elf Millionen Euro Ablöse anbietet, garniert mit dem Versprechen, im Fall des Abstiegs ablösefrei wechseln zu können, sagt das alles über die

          aktuell bedrohliche Schieflage auf dem

          europäischen Fußball-Einkaufsmarkt.

          England ist der große Kostentreiber; nicht zuletzt deshalb haben die Preise für Profis in dieser Saison schwindelerregende Höhen erreicht. Das hat auch Werder Bremen bei der knapp acht Millionen Euro kostenden Verpflichtung des Brasilianers Carlos Alberto und beim überteuerten Kauf des in Hamburg unglücklichen Angreifers Sanogo (fünf, im Erfolgsfall sechs Millionen Euro) zu spüren bekommen. Hohe Ausgaben in der Bundesliga deuten also noch lange nicht auf ein garantiert höheres Niveau als zuletzt.

          Der hauseigenen Attraktivität der Bundesliga schaden ihre im europäischen Vergleich unverkennbaren qualitativen Mängel aber nicht. Der eigene Wettbewerb blüht, die Fans strömen in die Stadien, und die Sponsoren - sie zahlten zuletzt per annum den europäischen Spitzenpreis von 360 Millionen Euro - stehen wie gehabt Schlange. Die Bundesliga-Atmosphäre wird also zauberhaft und prickelnd bleiben - und das nicht nur, wo Münchner Flair den Bayern-Fans den Kopf verdreht.

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