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1. FC Köln : Emotion + Tradition = Zukunftsmodell

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Bodenständig zum Erfolg: Die Kölner stehen in dieser Saison zu Beginn stärker da als erwartet Bild: dpa

Gernegroß war gestern. Der 1. FC Köln hat sich mit einer Mischung aus Bodenhaftung und Beharrlichkeit neu erfunden – und ist nun eine willkommene Alternative zu den neureichen Klubs mit mäßiger Strahlkraft.

          Es kommt immer wieder vor, dass Parallelen zwischen Fußball und Religion gezogen werden. Als erster Verein, der dafür in Frage kommt, wird hierzulande meist Schalke 04 genannt. Aber manchmal scheinen die Grenzen auch anderswo fließend, etwa dann, wenn der 1. FC Köln das Liedgut für eine Messe liefert. Als vor kurzem im Kölner Dom die Orgelversion der FC-Hymne „Mer stonn zo dir, FC Kölle“ (Wir stehen zur dir, FC Köln) ertönte und die Menschen dazu sangen, saßen Männer, die rot-weiße Schals quer in die Höhe reckten, nicht weit entfernt von Nonnen, die Berufskleidung trugen. Vereinspräsident Werner Spinner zeigte sich „tief beeindruckt von einem sensationellen Erlebnis“. Das war noch bevor der rheinische Traditionsklub in der Bundesliga zum Höhenflug ansetzte.

          Ob die Kölner Fußball spielen oder nur darüber reden und singen – sie füllen das Vereinsmotto „Spürbar anders“ mit Leben. Vor dem Heimspiel an diesem Sonntag gegen RB Leipzig (17.30 Uhr / Live im Bundesliga-Ticker auf FAZ.NET) belegt der „FC“ in der Tabelle einen vorderen Platz und erscheint in einem anderen Licht, nicht mehr als Gernegroß, sondern als emotionaler Verein, der seinen aktuellen Status genießt, wie lange er auch anhalten mag. Köln gegen Leipzig – für Peter Stöger, den Cheftrainer, ist diese Begegnung „am fünften Spieltag gefühlt schon ein Spitzenspiel“. Das liegt nicht nur am Tabellenstand. Für ihn gebe es in Köln überhaupt nur Spitzenspiele, sagt der Fußball-Lehrer, „weil es in dieser Stadt so viel Spaß macht“. Unabhängig von Stögers Wohlgefühl werden die Kölner nicht mehr als heruntergekommener Mittelklasseklub wahrgenommen, sondern als willkommenes Gegengewicht zu wohlhabenden, aber nicht übermäßig beliebten Vereinen wie Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim, Leipzig oder Ingolstadt. Endlich wieder ein Verein, der die Frage aufwirft, ob wirklich nur Geld Tore schießt oder vielleicht doch auch Tradition.

          Zur neuen Bodenständigkeit trägt er bei: Trainer Peter Stöger

          Nach vier Runden Bundesliga-Zweiter – so gut ist Köln seit mehr als einem Vierteljahrhundert nicht gestartet. Das erfreut auch eine FC-Legende, die gute wie schlechte Zeiten miterlebt hat und jetzt im Präsidium sitzt: Harald „Toni“ Schumacher. Der aktuelle Erfolg tue ihm „in der Seele gut“, sagt er. „Ich bin ja Zeitzeuge, ich habe erlebt und dazu beigetragen, wie schön es war, in diesem Klub Erfolg zu haben mit Heinz Flohe und vielen anderen großen Spielern.“ Das ist lange her. Schumacher schwankt zwischen den Erinnerungen, die ihm als Meisterspieler geblieben sind, und den aktuellen Aussichten, die besser sind als erwartet. Trotz des guten Starts geben die Kölner sich bescheiden. „Wir haben nun im dritten Bundesliga-Jahr in Folge die erfreuliche Situation, erfolgreich in die Saison gestartet zu sein“, sagt Stöger. „Wir mussten nie bereits nach dem ersten Spieltag darüber diskutieren, ob wir etwas und, wenn ja, was wir verändern müssen. Das macht die Arbeit natürlich leichter.“

          Köln neigt von Natur aus zum Überschwang – das birgt Gefahr

          Dennoch besteht in einer pulsierenden, von Natur aus zum Überschwang neigenden Fußball-Stadt wie Köln immer die Gefahr, dass die Fans überschnappen. Auch deshalb empfindet Schumacher es als angenehm, vor allem darauf angesprochen zu werden, dass es „bei euch endlich mal ruhig ist“. Der frühere Nationaltorwart wertet diese Wahrnehmung als „Bestätigung dafür, dass wir viele Dinge richtig gemacht haben, auch wenn wir in viereinhalb Jahren nicht alles nachholen konnten, was in zwanzig Jahren versäumt wurde“. Präsident Spinner und seinem „Vize“ Schumacher ist es gelungen, in Geschäftsführer Jörg Schmadtke und Trainer Stöger zwei Männer für das operative Fußball-Geschäft zu gewinnen, die planvoll an das Projekt FC herangegangen sind und seit mehr als drei Jahren seriös ihre Arbeit machen. „Das sind die richtigen Leute am richtigen Ort“, sagt Schumacher. Besonders hebt er Stöger hervor, „den perfekten Dirigenten aus Wien“.

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