https://www.faz.net/-gtl-nl9x

DEL : „Jetzt wollen wir Meister werden“

  • Aktualisiert am

Krefeld Pinguins: Auf dem Weg zum Titel? Bild: dpa/dpaweb

In der DEL planen die Krefeld Pinguins den großen Coup. Überaschend setzte sich das Team gegen die favorisierten Eisbären aus Berlin durch und steht im Play-Off-Finale gegen die Kölner Haie.

          2 Min.

          Nach dem historischen Finaleinzug in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) planen die Krefeld Pinguine den ganz großen Coup. „Es ist unglaublich, dass wir in den Endspielen stehen. Jetzt wollen wir auch Meister werden“, sagte Nationaltorhüter Robert Müller nach dem 4:1-Erfolg des Außenseiters gegen Vorrundenprimus Eisbären Berlin, durch den der Meister von 1952 erstmals das Playoff-Finale erreichte. Ab Freitag (19.30 Uhr/live bei Premiere) ist Titelverteidiger Kölner Haie der Gegner.

          Der 22-jährige Müller, den sein Trainer Butch Goring als wertvollsten Spieler der Halbfinalserie gegen Berlin adelte, schüttelte bei der Ehrenrunde vor fast 7000 euphorischen Zuschauern in der altehrwürdigen Rheinlandhalle immer wieder ungläubig den Kopf. „Es wird noch ein, zwei Tage dauern, bis ich überhaupt begreife, was wir erreicht haben“, meinte der „kleine Hexer“.

          Deutsche Wertarbeit im Tor

          Müller, der vor allem beim vorentscheidenden 1:0-Sieg am Freitag in Berlin eine Weltklasseleistung gezeigt hatte, ist der erste deutsche Stammtorhüter in einem DEL-Finale seit 1996. Damals standen in der rheinischen Endspielserie zwischen dem späteren Meister Düsseldorfer EG und Köln Helmut de Raaf und Peppi Heiß zwischen den Pfosten.

          Den früheren Rosenheimer Goalie, der im Halbfinale nur durchschnittlich 1,75 Tore pro Spiel kassierte, sah auch Bundestrainer Hans Zach als Hauptgrund für den überraschenden Finaleinzug der Vorrundensechsten. „Ich freue mich für ihn persönlich“, sagte der Haie-Coach, der den Endspielgegner in der Rheinlandhalle beobachtete: „Er ist den harten Weg gegangen, sein Charakter hat sich durchgesetzt. Ich wünsche ihm von ganzem Herzen, dass es in seiner Karriere so weitergeht.“

          Zach beeindruckt

          Den Meistertitel, den ersten für den traditionsreichen KEV seit 51 Jahren, will Zach seinem Nationaltorhüter allerdings vor der Nase wegschnappen. „Für mich persönlich hat der Titel gar keine Bedeutung, denn ich nehme mich selbst nicht wichtig. Es geht um die Mannschaft, die will Meister werden, und dafür werde ich alles tun“, sagte der Bad Tölzer, der sich zuletzt vor zehn Jahren mit der DEG die Eishockey-Krone aufgesetzt hatte.

          Vom Finalgegner war Zach sehr beeindruckt. „Die Krefelder haben bisher überragende Playoffs gespielt. Sie sind kampfstark, diszipliniert und defensiv eine Macht. Das wird eine ganz, ganz harte Nuss für uns. Wir müssen gewappnet sein“, meinte der Haie-Coach und erinnerte an die Vorsaison, als die Kölner ebenfalls von Vorrundenplatz sechs zum Titel gestürmt waren.

          Eisbären-Coach geht in die Luft

          Das Kölner Beispiel als gutes Omen für Krefeld? „Hoffentlich schlägt der Blitz zweimal hintereinander ein“, meinte Trainer Goring und registrierte die Parallelen zum Vorjahr. Wie die Krefelder, die sich gegen die DEG und Berlin durchsetzten, schalteten die Haie im Viertelfinale den Vorrundendritten (damals die Pinguine) und im Halbfinale den Hauptrundenprimus (München) aus, ehe sie in der Endspielserie auf den Vorrundenzweiten (Mannheim) trafen.

          „Wenn wir wirklich Meister würden, hätten wir die ersten Drei geschlagen. Dann könnte keiner sagen, wir hätten es nicht verdient“, sagte Müller, der in Krefeld eine ungeheure Eishockey-Euphorie festgestellt hat: „Jeder Dritte spricht dich auf der Straße an. So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Am liebsten überhaupt nicht mehr angesprochen werden wollten die Eisbären. Trainer Pierre Page, der sein Team für das Unternehmen Meisterschaft seit Playoff-Beginn in einem Hotel kaserniert hatte, flüchtete gleich nach der Schlusssirene zum Düsseldorfer Flughafen, flog sofort zurück nach Berlin und ließ seine Mannschaft vergeblich im Bus warten.

          „Er musste ein bisschen raus an die frische Luft“, sagte Manager Peter John Lee und fügte mit leiser Stimme an: „Diese Niederlage ist nicht so einfach zu verkraften.“ Auch Nationalspieler Sven Felski gab nach der schwachen Vorstellung des Topfavoriten, der sich fast willenlos in sein Schicksal ergeben hatte, zu: „Die Enttäuschung ist sehr, sehr groß. Vor allem, weil wir dieses Jahr eine wirklich gute Mannschaft haben."

          Weitere Themen

          Rhein-Derby vor leeren Rängen Video-Seite öffnen

          Düsseldorf gegen Köln : Rhein-Derby vor leeren Rängen

          Am Wochenende trifft Fortuna Düsseldorf auf den 1. FC Köln. Doch auch das Rhein-Derby muss in dieser Saison ohne die Fans stattfinden. Doch auch als Geisterspiel sei das Aufeinandertreffen der beiden Vereine etwas Besonderes, wie beide Trainer beteuerten.

          Topmeldungen

          Ministerpräsident Bodo Ramelow

          Thüringens Vorstoß : Ramelow verteidigt seinen Corona-Kurs

          „Wir müssen aus dem Krisenstatus raus“, sagt Thüringens Ministerpräsident Ramelow. Bayerns Innenminister Herrmann nennt dessen Lockerungskurs „unverantwortlich“ – und droht vage mit Gegenmaßnahmen.
          Proteste gegen das in Peking geplante „Sicherheitsgesetz“ für Hongkong: Eine Demonstrantin gestikuliert gegenüber Polizeikräften im Hongkonger Geschäftsviertel von Causeway Bay.

          China gegen Hongkong : Ein Land, ein System

          China versucht mit aller Macht, was bislang stets misslungen ist: Hongkong dauerhaft ruhigzustellen. Peking fordert damit auch Washington heraus.
          Entscheiden ist die Einsicht, welche Verträge notwendig oder überflüssig sind: Hier heißt das Gebot der Stunde nicht Altersvorsorge, sondern Risikoabsicherung und Eigenheimfinanzierung.

          Die verlorenen Jahre : Was Gutverdiener finanziell oft falsch machen

          Bei Abschlüssen von Geldanlagen, Krediten und Versicherungen hapert es oft an der Einsicht, welche Verträge notwendig oder überflüssig sind: Gedanken an die Altersvorsorge taugen nicht, wenn das finanzielle Gerüst im Hier und Jetzt nicht passt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.