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DEL : Die DEL - auf dem Weg zum Premiumprodukt?

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Positive Überraschung in der DEL: die Berlin Capitals Bild: dpa

Viele deutsche Talente haben den Sprung aus der zweiten Liga in die DEL geschafft. Davon profitiert die Eishockey-Eliteliga.

          3 Min.

          Die Eishockey-Eliteklasse ist solide geworden. Obwohl etwas weniger Tore als im Vorjahr fielen, kamen im Schnitt 300 Zuschauer pro Spiel mehr in die Hallen (etwa 4700), insgesamt knapp 1,2 Millionen.

          Die DEL ist im Vergleich mit anderen, in Deutschland hinter König Fußball ebenfalls um Platz zwei konkurrierenden Teamsportarten wie Handball und Basketball auf einem guten Weg. Auch dank aufstrebender einheimischer Talente. Die FAZ.NET-Halbzeitbilanz.

          Essen und Düsseldorf: Talfahrt gestoppt

          Essen am Ende. Dieser Satz hätte beinahe nicht nur für die Tabelle Gültigkeit gehabt. Vor wenigen Wochen hatten die Spieler die Erlaubnis, den Klub - wenn möglich - zu wechseln. Inzwischen wurde die Freigabe wieder zurückgezogen. Die Moskitos scheinen ihre finanzielle Talfahrt vorerst einigermaßen gebremst haben.

          Eishockey bleibt ein schnelllebiges Geschäft. Das zeigt auch das Beispiel Düsseldorf. Beim Altmeister war erst unklar, ob die Dezember-Gehälter bezahlt werden können. Jetzt steht die DEG offenbar vor dem Abschluss mit dem Metro-Konzern, der als Investor den Klub wieder in höhere Gefilde katapultieren könnte.

          Krefeld und Augsburg: preiswerter Erfolg

          Dass derartiges auch mit bescheidenen Mitteln möglich ist, zeigen die Krefeld Pingine. Mit dem nur neunthöchsten Etat der DEL (7,6 Millionen Mark) ausgestattet, feiert das Team vom Niederrhein einen rekordverdächtigen Siegeszug. Der Überraschungs- Tabellenführer gewann am Dienstag gegen Köln das zehnte Spiel in Serie. Die bisherige Bestmarke liegt bei 13 Erfolgen.

          Auch in Augsburg hat das Management hervorragende Arbeit geleistet und eine Mannschaft gebaut, die attraktiv und erfolgreich spielt - und das zu einem annehmbaren Preis.

          Andreas Morczinietz: Entdeckung der Saison

          Mit ein Grund für den Höhenflug dieser beiden ist die konsequente Sichtung und Verpflichtung von talentierten deutschen Spielern. So ist der Augsburger Andreas Morczinietz die Entdeckung der Saison. Ein Spieler, der nicht nur auf Grund starker Statistiken (15 Tore, 13 Vorlagen) glänzt, sondern als intelligenter und sympathischer Gesprächspartner für eine positive Außendarstellung sorgt.

          Bei Krefeld füllt diese Rolle Verteidiger Christian Ehrhoff aus. Der 20-Jährige spielt in seiner dritten DEL-Saison sein bisher bestes Eishockey. Dagegen steckt Marcel Goc (Schwenningen) in einem Tief. Erst am Wochenende gelangen dem höchsten deutschen NHL-Draft aller Zeiten (von San Jose ausgewählt) seine ersten Saisontore.

          Hannover und Frankfurt: die Enttäuschungen

          Es gibt noch mehr Beispiele für deutsche Spieler, die aus der Vergessenheit der zweiten Liga den Sprung in die DEL geschafft haben. Die Tabelle lügt nicht und zeigt, welche Klubs ihre Hausaufgaben gemacht haben. Die Tendenz in der DEL geht eindeutig dahin, dass sich bei vergleichbar starken Mannschaften die ausländischen Cracks neutralisieren und die Qualität der deutschen Spieler den Unterschied ausmacht.

          Genau auf jenem Feld hat das Management in Hannover und Frankfurt krass versagt. Bei beiden Klubs sorgten große Verletzungssorgen für einen teilweise dramatischen personellen Engpass. Den konnte die aus lästigem Pflichtbewusstsein verpflichtete zweite Garnitur nicht beseitigen - anders als in Nürnberg, das die erstaunlichen Youngster Vitaly Aab und David Sulkowsky aus dem Hut zauberte.

          Corbet und Plante: Bereicherungen aus der NHL

          In Frankfurt ging die Transferpolitik generell daneben. Die Lions sind eine Ansammlung von Einzelspielern. Allen voran der russische NHL-Crack Alexander Selivanov. Ein großer Name, dessen Leistung in krassem Gegensatz zum Salär steht.

          Die besseren Geschäfte haben in dieser Hinsicht Meister Mannheim mit Rene Corbet und München mit Derek Plante gemacht. Zwei Spieler, die zu den absoluten Bereicherungen der DEL gehören. Sie glänzen mit Leistung und profihaftem Auftreten. Selbst bei noch so extrem schlechten Schiedsrichter-Entscheidungen.

          Schiedsrichter-Leistungen: Klubs selbst schuld

          Die Kritik an den Referees zieht sich nun schon durch die ganze Saison, obwohl weniger Strafen ausgesprochen wurden als im Vorjahr. Hauptvorwurf: Keine einheitliche Linie bei den Entscheidungen und zu schlechte Ausbildung.

          Allerdings erkennt Kölns Trainer und Manager Lance Nethery foglerichtig: „Wir sollten uns nicht beschweren. Schließlich investieren wir nicht in die Schiedsrichter." Allerdings: Solange die Klubs keine müde Mark für die Aus- und Weiterbildung der Referees ausgeben, sind sie selbst für den Zustand hauptverantwortlich.

          Zurück also zum Hauptthema: dem lieben Geld. Das hatte den Berlin Capitals extrem gefehlt. Erst kurz vor Saisonbeginn wurde der Hauptstadtklub gerettet und spät lizensiert. Ohne Saisonvorbereitung und sechs abgezogene Punkte weisen die Capitals dennoch nur acht Zähler Rückstand auf einen Playoff-Platz auf und gehören damit zu den positiven Erscheinungen dieser Saison.

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