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Eishockey : DEB-Präsident Gossmann zu zwei Jahren Haft verurteilt

  • Aktualisiert am

Schuldig im Sinne der Anklage: Rainer Gossmann Bild: dpa

Der Eishockey-Funktionär erhielt wegen Steuerhinterziehung eine Bewährungsstrafe und eine Geldbuße in Höhe von 1,25 Millionen Euro.

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          Der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), Rainer Gossmann, ist vom Bochumer Landgericht wegen Steuerhinterziehung in 38 Fällen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem verhängten die Richter eine Geldbuße in Höhe von 1,25 Millionen Euro.

          In dem kurzfristig anberaumten Prozess hatte Gossmann, der das Urteil annahm und keine Rechtsmittel einlegen will, zugegeben, zwischen 1994 und 1999 rund 460.000 Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

          Der 60-Jährige hatte dem Finanzamt unter anderem verschwiegen, dass sich sein Vermögen auf einem Stiftungskonto in Liechtenstein vermehrt hat und sagte nun: „Ich bin froh, dass das Thema jetzt endlich durch ist.“

          Auch in Schwarzgeldzahlungen verstrickt

          Neben der Steuerhinterziehung wurde der Angeklagte auch wegen Vorteilsgewährung verurteilt. Er muss verantworten, dass die Vergabe eines Auftrages an eine seiner Firmen offenbar an die Zahlung von rund 25.500 Euro gekoppelt war.

          Darüber hinaus war Rainer Gossmann in Schwarzgeldzahlungen an Spieler des Eishockeyklubs Düsseldorfer EG (DEG) verstrickt und ließ Eintrittskarten verkaufen, die nicht offiziell abgerechnet wurden. In dieser Sache hatte er bereits über eine Million Mark Steuern an das Finanzamt nachgezahlt.

          Anklage auf Betrug eingestellt

          Eingestellt wurde die Anklage auf Betrug, nach der Gossmann wegen zu niedrig angegebener Zuschauerzahlen die Stadt Düsseldorf und den Verband um Abgaben in Höhe von je 30.000 Mark geprellt haben soll.

          „Dieser Punkt wurde eingestellt, weil er bei der Strafbemessung nicht ins Gewicht gefallen wäre und so der Prozess vereinfacht wurde“, erklärte Gerichtssprecher Thomas Lemcke. „Herr Gossmann zeigte sich in vollem Umfang geständig.“

          „Eine große Eselei“

          Die Bochumer Staatsanwaltschaft hatte erst Anfang der Woche Anklage gegen Gossmann erhoben. Kurz vor der Verhandlung eröffnete die sechste Strafkammer des Landgerichts unter Verzicht auf jegliche Fristen das Verfahren. Der mit Spannung erwartete Prozess fand somit fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Gossmann hatte seinen Urlaub verlegt, um sich dem Verfahren sofort stellen zu können.

          Im Prozess bezeichnete er seine illegalen Steuertricks als „große Eselei“. Er habe immer nur der DEG helfen wollen. Seine privaten Zuwendungen an den Verein, bei dem er von 1960 bis 1970 selbst im Tor gestanden hatte, bezifferte Gossmann auf rund 2,5 Millionen Euro. „Ich habe immer Geld nachgeschossen, damit nicht alles den Bach runtergeht“, sagte der DEB-Präsident.

          Schon 2000 zwei Wochen in U-Haft

          Gossmann, der bis vor wenigen Jahren eine Gebäudereinigungsfirma mit zuletzt 22.000 Mitarbeitern besaß, war im September 2000 erstmals festgenommen worden. Insgesamt saß der Eishockey-Präsident rund zwei Wochen in Untersuchungshaft.

          Die Staatsanwaltschaft war dem Funktionär und Unternehmer auf die Schliche gekommen, weil sein Name auf einer CD-ROM mit Daten aus der Kanzlei eines Liechtensteiner Treuhänders auftauchte. Mit Hilfe dieses Mannes hatte der Großunternehmer heimlich Geld am Fiskus vorbeigeschleust.

          Opposition begehrt auf

          Gossmann war bis Anfang 1995 Schatzmeister der DEG. Seit knapp acht Jahren ist er Präsident des DEB. In dieser Zeit will er nach eigenen Angaben weder Reisekosten abgerechnet noch Aufwandsentschädigungen eingefordert haben. „Ich habe dem DEB viel Geld gespart“, so Gossmann.

          Ob er sich am 30. November zur Wiederwahl stellt, ist noch unklar. „Ich werde öffentlich Stellung beziehen und mich dann entscheiden“, sagte er am Rande des Prozesses. Er soll von einer Opposition um den Dortmunder Richter Hans-Ulrich Esken („Die Zeit ist gekommen“), Staatsanwalt Raymund Schneeweiss, Rechtsanwalt Uwe Harnos und Banker Bodo Lauterjung als DEB-Präsident abgelöst werden.

          Tritt Gossmann zur Wiederwahl an?

          Gossmann hat aber noch nicht erklärt, dass er aufzugeben gedenke: „Ich fliege jetzt nach Spanien in Urlaub und komme einen Tag vor dem Verbandstag zurück. Dann stelle ich mich den Mitgliedern, werde meine Meinung sagen und hören, was sie sagen. Sie sollen sagen, was sie wollen. Wenn ich das Gefühl habe, dass es gut für den DEB wäre, werde ich mich wieder zur Wahl stellen.“

          Unterstützung bekommt der langjährige Präsident von DEB-Sportdirektor Franz Reindl. „Er hat Hervorragendes geleistet und in harten Zeiten den Kopf hingehalten“, sagt der Ex-Nationalspieler und Bronzemedaillengewinner von 1976.

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