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Daviscup : Vom Sorgenkind zum Hofnungsträger

  • Aktualisiert am

Ist „heiß” auf Kroatien: Nicholas Kiefer Bild: dpa

Nachdem Tommy Haas die Rolle des Daviscup-Verweigerers übernommen hat, könnte Nicholas Kiefer am Wochenende vom Versager zum Helden werden.

          2 Min.

          Nicolas Kiefer ließ Goran Ivanisevic warten. Bis zu letzten Sekunde nutzte das deutsche Daviscup-Team in Zagreb am Mittwoch die Morgen-Trainingszeit von 9.00 bis 12.00 Uhr.

          Auch als die komplette Mannschaft von Gastgeber Kroatien schon unruhig am Spielfeldrand stand, ließ Kapitän Michael Stich Kiefer und Michael Kohlmann ihr Match beenden.

          "Wir wollen gewinnen"

          Das Signal an die Gastgeber war eindeutig: Dieses deutsche Team wird in der Erstrundenbegegnung der Weltgruppe von Freitag bis Sonntag freiwillig keinen Zentimeter hergeben. „Wir haben hier alle ein gemeinsames Ziel“, verkündete Stich, „wir wollen hier gewinnen.“

          Seit drei Tagen stimmt der Elmshorner bei seinem Debut als Kapitän des deutschen Daviscup-Teams seine Mannschaft auf die Partie gegen Ivanisevic, Ivan Ljubicic und Co. ein. Dass die Aufgabe für ihn auch neu ist, spielt der ehemalige Weltranglisten-Zweite allerdings herunter: „Die Abläufe beim Daviscup sind doch immer gleich.“ Zweimal täglich also Training mit Assistent Patrick Kühnen im Hall Dom Sportoval von Zagreb, wo ab Freitag rund 3.500 Zuschauer ein Höllenspektakel veranstalten werden.

          Über Haas redet keiner mehr

          Doch der Umgang miteinander ist anders als zuletzt. Stich redet pausenlos mit den Spielern, motiviert, feuert an, streichelt die Seelen: „Komm jetzt, guter Ball Kiwi, super Rainer.“ Die Profis genießen diese Ansprache offensichtlich. Die Stimmung im Team ist locker aber konzentriert, es wird gelacht und gearbeitet. „Michael macht das sehr gut“, sagt Rainer Schüttler, der als deutsche Nummer eins am Freitag in einem Schlüsselmatch gegen Ljubicic antreten muss, „es baut einen auf, wenn er von außen motiviert oder Kleinigkeiten korrigiert.“ Respekt haben sie alle vor dem ehemaligen Weltklassespieler, der seine Karriere wegen chronischer Schulterprobleme vor fünf Jahren beenden musste.

          Über Tommy Haas redet niemand mehr. Fast scheint es, als ob die Abwesenheit des schmollenden Australian-Open-Halbfinalisten dem restlichen Team einen besonderen Schub gegeben hat. Die Mannschaft kann als Außenseiter jetzt nur noch gewinnen, Stich und Kühnen hoffen auf eine Trotzreaktion: „Wir haben gemeinsam über Tommys Absage gesprochen“, erklärte Patrick Kühnen, „das ist für die Spieler jetzt doch eine ganz besondere Aufgabe und Herausforderung.“ Insbesondere für „Sorgenkind“ Kiefer.

          Kiefer ist "heiß"

          Der Hannoveraner ist vom wahrscheinlichen Ersatzmann zum Hoffnungsträger geworden und freut sich drauf. „Jetzt bin ich um so heißer“, behauptet der 24-Jährige, „für mich ist es gut, dass ich spielen kann.“ Alle sind des Lobes voll über die Trainingsleistungen des Niedersachsen. „Er wird täglich besser, das Selbstvertrauen wird größer“, hat Stich beobachtet, der sich ganz besonders intensiv mit „Kiwi“ befasst, „alle im Team helfen ihm und er ist bereit, die Hilfe anzunehmen.“

          Das Training in der Gruppe scheint ihm nach der Reihe der Erstrundenpleiten tatsächlich gut zu tun. „Wir haben hier viel Spaß, vielleicht hat das zuletzt etwas gefehlt“, meinte Kiefer. In das Mannschaftshotel „Opera“ hat Stich sogar eine kleine Tischtennisplatte und ein Tisch-Eishockey mitgebracht, wo abends weitere „Schlachten“ geschlagen werden. Rainer Schüttler wagt angesichts von guter Stimmung und Training sogar eine positive Prognose: „Ich bin mir sicher, dass Nicolas am Wochenende sehr gut spielen wird.“

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