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Daviscup : Sicherheitsstufe eins in der Tennisprovinz

  • Aktualisiert am

Bewaffnete Zuschauer Bild: dpa/dpaweb

Heißt der Gegner Israel, gilt im Sport Sicherheitsstufe eins. So sind auch im kleinen Alsdorf, wo ab Karfreitag das deutsche Daviscup-Team um den Wiederaufstieg kämpft, mehr Polizisten als Tennisfans zu sehen.

          Während auf Platz eins zwei Damen um die 50 noch einen respektablen Ball spielen, schmettern in der zweiten Halle nebenan Rainer Schüttler und Nicolas Kiefer. Nach rauschenden Festen für gut Betuchte ist das deutsche Tennis mit der Daviscup-Begegnung gegen Israel endgültig bodenständig geworden. 24 Stunden vor dem ersten Zweitliga-Match seit 1983 deutete im Alsdorfer Tennis-Forum am Gründonnerstag außer den deutschen Profis noch das Polizeiaufgebot und die letzten Umbauten auf etwas Besonderes hin. Der
          Alltags-Betrieb war aber noch nicht ganz zum Erliegen gekommen.

          In Helmut's Bistro fachsimpelten die Kunden bei zivilen Pils-Preisen wie üblich am Thresen. Der Blick von dort durch die Fenster reicht über einen Acker hinweg zu Einkaufszentren für Türen und Fenster, Heizungs- und Sanitärartikel und einem Großmarkt namens Havaria. Im großen Fitneß-Raum des Tennis-Forums vergossen derweil Freizeitsportler ihren Schweiß auf Laufbändern oder an Kraftmaschinen. Einige Frauen ließen sich nicht vom Besuch ihres
          Aerobic-Kurses abbringen, auch wenn Zettel davon kündeten, daß die Zellulitis-Stunde für Bauch, Beine und Po und die Wo-Step-Stunde mit Step-Aerobic leider ausfallen mußten. Alle verschlossenen Schränke in der Garderobe wurden am Donnerstagabend ausgeräumt.

          Sicherheitsmaßnahmen „recht dezent“

          Nachdem in den vergangenen Tagen schon Hunde das Sportzentrum abgesucht hatten, vertrieben sich die Polizisten am Tag vor dem Spiel die Zeit damit, Schüttler und Kiefer zuzusehen. Dort, wo sonst auf drei Tennis-Plätzen quer gespielt wird, wurde in Längsrichtung ein Court verlegt. Auf Stahlrohrtribünen finden in jeweils elf Sitzreihen an drei Seiten 2.200 Zuschauer Platz unter der holzverkleideten Decke. Sie müssen am Einlaß mit strengen Kontrollen rechnen.

          Als „recht dezent“ empfand Teamchef Patrik Kühnen die ungewöhnlichen, aber wohl unvermeidlichen Sicherheitsmaßnahmen. Von seinen Schützlingen wußte er am Donnerstag nur Gutes zu berichten: „Die Stimmung ist super, alle sind fit.“ Schüttler wird die Partie am Karfreitag gegen Noam Okun eröffnen, danach tritt Kiefer gegen Harel Levy an, der trotz der ständigen Bewachung und des schwelenden Nahostkonfliktes betonte: „Wir sind hier, um Tennis zu spielen und nicht, um uns Sorgen zu machen.“

          Haas schaut zu

          Auch für das Doppel gegen die Wimbledon-Halbfinalisten Jonathan Erlich und Andy Ram hatte Kühnen Schüttler und Kiefer nominiert. Damit muß Rückkehrer Thomas Haas zunächst zuschauen. Kühnen hatte aber bei der Auslosung durchblicken lassen, daß dessen Einsatz im Verlauf der Begegnung nicht ausgeschlossen ist. „Ich bin sehr dankbar, überhaupt wieder dabei zu sein“, sagte Haas, der von bislang 13 Daviscup-Einzeln nur eines verloren hat. „Ob ich in der jetzigen Situation spiele oder nicht, ist nicht so wichtig.“

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