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Daviscup : 1:4 in Kroatien: Deutschland in der Abstiegsrunde

  • Aktualisiert am

Gesprächsbedarf: Teamchef Michael Stich und Rainer Schüttler Bild: dpa

Goran Ivanisevic war zu stark im Daviscup: Auch Schüttler verlor gegen den Kroaten. Nun droht Deutschland der Abstieg aus der Tennis-Weltgruppe.

          3 Min.

          Wimbledon-Sieger Goran Ivanisevic hat die deutsche Tennis-Nationalmannschaft im Alleingang aus dem Daviscup-Titelrennen geworfen. Auch der tapfer kämpfende Rainer Schüttler konnte dem Aufschlag-Gewitter des „Herrn der Asse“ am Sonntag in Zagreb nicht widerstehen und musste beim 4:6, 6:7 (4:7), 6:7 (5:7) den für Kroatien siegbringenden dritten Punkt abgeben.

          Anschließend verlor Nicolas Kiefer das bedeutungslose letzte Einzel. Der Hannoveraner unterlag Ivan Ljubicic mit 6:7 (1: 7), 4:6. Kiefers bescheidene Bilanz im Daviscup verschlechterte sich damit weiter auf nun drei Siege bei elf Niederlagen. Kroatien gewann die Partie somit mit 4:1.

          „So ein Mist“, ärgerte sich der 25-Jährige Schüttler: „Wenn ich doch nur meine Führung in den Tiebreaks gehalten hätte, dann wäre es bestimmt anders gelaufen. Goran ist am Ende müde geworden.“

          Sicherte Kroatien den Einzug in die zweite Runde: Goran Ivanisevic
          Sicherte Kroatien den Einzug in die zweite Runde: Goran Ivanisevic : Bild: AP

          Vom 20. bis 22. September gegen den Abstieg

          Nach der von 3500 Zuschauern im Dom Sportova enthusiastisch gefeierten Entscheidung hatte das abschließende Match zwischen Nicolas Kiefer und Ivan Ljubicic nur noch statistische Bedeutung. Vom 20. bis 22. September geht es gegen einen noch auszulosenden Gegner um den Verbleib in der Weltgruppe.

          Der frühere deutsche Erfolgs-Kapitän Niki Pilic zeigte nach dem Matchball erstmals Emotionen, umarmte den heimischen „Volkshelden“ und tröstete seinen „Schüler“ Michael Stich, der trotz der Niederlage zum Debüt als Kapitän zufrieden sein durfte. Mit frischem Wind hat er aus seinen Tennis-Individualisten eine verschworene Gemeinschaft gebastelt, die zumindest in Zagreb gemeinsam durch dick und dünn ging.

          Zitterspiel Relegation?

          Aufsteiger Kroatien steht muss im Viertelfinale vom 5. bis 7. April nach Argentinien, das Vorjahres-Finalist Australien bezwang. Der Mannschaft des Deutschen Tennis Bundes (DTB) droht dagegen der Abstieg - wie zuletzt vor 20 Jahren, als in Buenos Aires die Relegation gegen Argentinien mit 2:3 verloren ging. Sechs Mal konnte danach der Sturz in die Zweitklassigkeit verhindert werden; zuletzt 1999 in Bukarest durch ein 4:1 gegen Rumänien, das der in Zagreb fehlende „Verweigerer“ Thomas Haas fast im Alleingang sicherstellte.

          Unvergessen ist auch die Partie in Hartford 1987, als Boris Becker den Amerikaner John McEnroe in fünf dramatischen Sätzen niederrang. Diesmal war es für die Deutschen zum Haare raufen, denn Schüttler und Kiefer waren Ivanisevic spielerisch zumindest ebenbürtig. Nur die gewaltigen Aufschläge des 30-Jährigen konnten sie nicht bändigen.

          Aufschläge gaben den Ausschlag

          Wann immer es der 1,93 m große Kroate wollte und brauchte, schlug er seine Asse. Im Verlaufe der Erstrundenpartie knapp 90 - der Schlüssel zum Erfolg. Darüber hinaus war sein eindimensionales Spiel nur etwas für Freunde des Power-Tennis. Ein Trost war das für Stichs Mannschaft freilich nicht.

          Auch das Zufalls-Duo David Prinosil/Michael Kohlmann stand am Samstag gegen den Weltranglisten-14. Ivanisevic und seinen Partner Ljubicic auf verlorenem Posten und wurde mit 4:6, 4:6, 5:7 in die Schranken verwiesen. Der Knackpunkt war ein von Kohlmann ängstlich vergebener Breakball beim Stand von 4:4 im ersten Satz, dem Prinosil einen Aufschlagverlust folgen ließ. „Das nehme ich auf meine Kappe; das war schlecht“, meinte der für Haas-Ersatz Alexander Popp nachnominierte Kohlmann, der vorher nur einmal mit Prinosil gespielt hatte.

          Umstrittene Entscheidung

          Mit dem Selbstvertrauen aus zwei Siegen in zwei Vergleichen ging Schüttler am Sonntag in die vorentscheidende Partie gegen Ivanisevic. Und er trumpfte gleich im ersten Aufschlagspiel auf, so dass der Kroate stets einem Rückstand hinterher laufen musste.

          Die Hoffnung auf den Ausgleich platzte aber im neunten Spiel: Einen Breakball konnte der Bad Homburger noch abwehren, doch der zweite saß. Allerdings landete der Ball offenbar im Aus, was Schieds- und Linienrichter gleichwohl anders beurteilten. Alle Proteste nutzten nichts und brachten Schüttler und Stich nur den ohrenbetäubenden Zorn der Zuschauer ein.

          „Wie ich mich fühle, sage ich lieber nicht

          Den Ausgleich verdarb sich Schüttler im zweiten Satz selbst. Nicht nur, dass er seine Chance zum Break nicht nutzte. Nein, im Tiebreak ließen ihn seine Nerven bei 4:1-Führung im Stich.

          Aber der in der Schweiz lebende Hesse, der in der Rolle des „Leitwolfs“ einen großen Schritt nach vorn machte, kämpfte - und gab die Hoffnung bis zum letzten Ballwechsel im Tiebreak des dritten Durchgangs nicht auf. „Ich habe meine Chancen nicht genutzt, und Goran hatte das nötige Glück“, ärgerte er sich: „Wie ich mich fühle, sage ich lieber nicht.“

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