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Bier und Wurst nur bargeldlos : Das lukrative Geschäft der Bundesligaklubs mit Bezahlkarten

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Bier und Bratwurst gehört zum Fußball dazu: Doch um den Bezahlvorgang gibt es immer wieder Ärger Bild: Picture-Alliance

In zwölf von 18 Bundesligastadien zahlen Fußball-Fans ihre Bratwurst bargeldlos mit Karten des Vereins. Doch das Restguthaben wiederzubekommen ist oft nicht so leicht – wegen fragwürdiger Regeln der Klubs. Nun reagieren Verbraucherschützer.

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          Es klingt so einfach und geht angeblich so schnell: Zwei Bier, zwei Bratwürste und eine Brezel bestellen, Karte auflegen, schon ist der fällige Betrag bezahlt – und der Zuschauer kann zurück auf seinen Platz. In vielen Bundesligastadien sind so genannte Bezahlkarten längst Alltag. Doch für die Fußball-Fans sind die Karten nicht selten ein Ärgernis. Vor allem für Gäste-Anhänger und Fans, die unregelmäßig ins Stadion gehen, ist das bargeldlose Bezahlen mitunter ein Nachteil: Denn wer sich dreimal anstellen muss, um erst die Karte, dann seine Getränke und schließlich auch noch sein Rückgeld zu bekommen, verliert mehr Zeit, als wenn er einmal sein Kleingeld zusammen sucht.

          Das System, welches insgesamt 18 der 36 Klubs der ersten und zweiten Bundesliga nutzen ruft nun allerdings die Verbraucherschützer auf den Plan. Nach einem Undercover-Test eines Rechercheteams der ARD in fünf Stadien werden zudem aufgrund der bemängelten komplizierten Rückerstattungs-Regeln des Restguthabens sowie fehlender Transparenz auch rechtliche Schritte gefordert.

          Angebliche buchhalterische Gründe

          Der Vorwurf: Durch das Restguthaben, das viele Fans auf den Chipkarten zurücklassen entstehe für die Vereine ein lukratives Zusatzgeschäft. Zudem verlangen Vereine wie der FC Bayern, der FC Augsburg, Schalke 04 und Eintracht Frankfurt nach Angaben der Verbraucherzentralen für die Rücküberweisungen auch noch Gebühren – und würden sich, wie im Schalker Fall, teilweise bis zu eineinhalb Jahre Zeit damit lassen. Gegenüber der ARD verwies der Verein auf einen angeblich hohen Aufwand für die Rückbuchungen und buchhalterische Gründe. Schalkes Sportvorstand Christian Heidel widersprach gegenüber der Nachrichtenagentur dpa jedoch den Vorwürfen: „Es wurde niemals eine Bearbeitungsgebühr von drei Euro verlangt. Und Guthaben sind nie verfallen.“ Auch ein Sprecher des FCA erklärte: „Im Stadion gibt es Möglichkeiten, sich das Restguthaben kostenlos auszahlen zu lassen.“ Im Internet sei allerdings eine Gebühr fällig.

          Darüber hinaus kritisieren die Verbraucherschützer, dass es im Frankfurter wie im Münchner Stadion zu sehr langen Wartezeiten käme und es insgesamt zu wenig Personal und Rückgabestellen gebe. Außerdem sei beim FC Bayern die Gültigkeit der Karten sowie die Frist zur Erstattung von Rückguthaben viel zu knapp bemessen. Während der Betreiber im Frankfurter Stadion laut ARD ankündigte, die Missstände beheben zu wollen und künftig auch das Bezahlen per App möglich machen will, weisen die Münchner die Kritikpunkte am Bezahlsystem vehement zurück.

          Im Jahr 2010 soll der deutsche Rekordmeister dem Bericht zufolge allein durch verfallen Bezahlkartenguthaben einen Ertrag in Höhe von 2,4 Millionen Euro erwirtschaftet haben. Für die Zeit danach gibt es von den Münchner keine Auskunft. Auf ARD-Nachfrage hieß es jedoch, dass der Verein Restbeträge mittlerweile auch nach Ablauf der Frist auf Kulanz auszahlen würde. Diese Regelung gelte auch beim FC Augsburg.

          Fan-Verbände sind dennoch kritisch. Sie fordern die Klubs zu Transparenz auf und wollen wissen, in welcher Form und Höhe diese durch die Guthaben profitieren, da das Geld auf den Bezahlkarten nichts anderes als ein zinsloses Darlehen an den jeweiligen Verein sei. Sie präferieren Lösungen, wie es sie bei Borussia Dortmund und Hertha BSC gibt: Regelmäßige Stadionbesucher können sich dort ihr Bier mit Bezahlkarten holen, für den Rest der Fans gibt es aber auch weiterhin genügend Kassen, wo mit Bargeld bezahlt werden könne.

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