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Darts-Weltmeister Rob Cross : Der Mentalitätsspieler

Titelverteidiger Rob Cross beweist am Sonntag bei der Darts-WM in London ein ruhiges Händchen - und zieht souverän ins Achtelfinale ein. Bild: dpa

Rob Cross wurde im vergangenen Jahr sensationell Weltmeister im Darts. Als Titelverteidiger hat der 28 Jahre alte Engländer nach einem schwierigen Jahr mit Favoritenstatus offenbar rechtzeitig wieder zu seiner Stärke gefunden.

          3 Min.

          Zu Beginn der laufenden PDC-Weltmeisterschaft bewies Rob Cross Humor. Als im Alexandra Palace, dem Austragungsort der Weltmeisterschaft im Nordosten Londons der Strom ausgefallen war, da ließ Cross sein PR-Team twittern: „Braucht Ihr einen Elektriker?“

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Cross ist schließlich ausgebildeter Experte für Stromleitungen und Sicherungen. Bis vor etwas mehr als zwei Jahren übte er den Beruf sogar noch in Vollzeit aus, ehe er sich quasi aus dem Pub heraus von der Hobby-Pfeilewerferei hinaus auf die großen Turnierbühnen der beiden großen Dartsorganisationen wagte.

          Während ihm bei der an sich etwas weniger leistungsstarken British Darts Organisation (BDO) der Erfolg im Jahr 2016 verwehrt blieb,  landete er die Pfeile bei der Professional Darts Corporation (PDC) in den richtigen Feldern und dadurch schnelle Überraschungserfolge.

          Aus dem Pub zum WM-Titel

          Zur Krönung seines ersten Jahres spielte er sich bei der WM zu Neujahr 2018 direkt bis zum Weltmeistertitel samt Finalsieg gegen Phil Taylor in dessen letztem offiziellen Turnspiel vor dem Abschied von der Profitour durch. Cross' Erfolgsgeschichte war die größte Sensation in der Geschichte des professionellen Darts.

          Dieser Tage, als er erstmals über Morddrohungen über soziale Medien vermutlich von einem deutschen Account zu Beginn des laufenden Jahres aus berichtete, sagte er dem Boulevardblatt Daily Star, dass er die Karriere vor allem dem Rückhalt seiner Frau, mit der er gemeinsam drei Kinder hat, zu verdanken habe. Sie habe ihn bestärkt, sich den Weg zuzutrauen. Ohne seine Familie wäre er hingegen vermutlich „entweder ein Alkoholiker oder ein Aussteiger“ geworden.

          So aber ist Cross der leibhaftig gewordene Traum eines jeden ambitionierten Pub-Spielers, der seine 180er am Tresen quasi mit dem Pint in der anderen Hand schon immer gedanklich in Relation setzte zu den Würfen eines Taylor oder van Gerwen.

          Der Kopf entscheidet

          Tatsächlich ist Cross der Überzeugung, dass es allein in seinem Heimatland hunderte Menschen gebe, die in den Pubs Darts ähnlich gut werfen können wie er und andere Spitzenspieler. „Auch auf der PDC Tour sind alle 128 Inhaber von Tour Cards in der Lage, Durchschnittswerte von über 100 zu spielen. Die besten machen das aber nicht nur regelmäßiger, sie spielen das auch dann, wenn es unbedingt nötig ist“, sagt Cross bei einem lockeren Plausch am Practice Board, für das er vor einigen Wochen für FAZ.NET zur Verfügung stand. „Darts ist zu zehn Prozent Technik, zu 90 Prozent aber Mentalitätssache.“

          Der Engländer lässt keinen Zweifel, dass er sich diese mentale Stärke zuschreibt. Einen Mentaltrainer zieht er deshalb erst gar nicht in Betracht zur Stärkung seines Spiels. „Ich fühle mich von der Mentalität her vollauf in Ordnung. Ich habe schon zu Beginn meiner Profikarriere die tiefe Überzeugung in mir gehabt, dass mit starkem Kopf alles möglich ist. Das letzte Jahr hat das dann bewiesen.“

          Cross hilft dabei der Glaube auch an Konstanten in seinem Sportlerleben. Obwohl er im Jahr 2018 durch all die neue Lasten als Weltmeister unter Formschwankungen zu leiden hatte, kam er bei grundlegenden Dingen nicht ins Zweifeln: Er blieb beispielsweise seinem Darts-Modell treu, mit dem er seit drei Jahren spielt, während die meisten anderen Dartspieler in Formkrisen allzu gerne den Pfeilen die Schuld geben und neue Modelle mit anderem Gewicht oder zumindest einem anderen Setup beispielsweise mit größeren Flügeln am Ende ausprobieren. „Ich mag jedoch keine Veränderungen“, sagt Cross. „Ich weiß, dass ich selbst verantwortlich bin und die Pfeile sehr austauschbar sind.“

          Bei allem Widerstand gegen Veränderungen hat Cross freilich eine gewisse Offenheit für neue Trainingsformen. Vor kurzem hat er einen Sponsorvertrag mit einem deutschen Softwareentwickler abgeschlossen und er kann sich durchaus  vorstellen, dass er künftig computergestützt beispielsweise mit einer Heatmap-Analyse seiner Trefferbilder sein Training verfeinern könnte.

          Am Freitagabend (ab 22.30 Uhr bei Sport1 und DAZN) freilich muss er noch auf alte Tugenden vertrauen. Dann begegnet Cross einem Spieler, der ihm als Überraschung der WM nacheifern will. Luke Humphries ist bei dieser WM erstmals auf dem Weg seinem Ruf als ewigem Talent des englischen Darst entgegenzuwirken. In seinem achten Profijahr ist er erstmals in ein Achtelfinale der WM vorgedrungen. Der Traum, ein zweiter Rob Cross zu werden, dürfte ihn gerade im Duell mit dem echten Weltmeister beflügeln.

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          Geheimnis des Darts : Auf der Suche nach dem perfekten Wurf Bild: FAZ.NET

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