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Bundesliga-Countdown (16): Dortmund : Weiter kommen und weniger laufen

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Bild: FAZ.NET

Borussia Dortmund hat hohe Ziele: Nach dem Qualifikationsduell zur Europa League gegen Karabach Agdam will der Klub endlich wieder international auf sich aufmerksam machen. Teil 16 des Bundesliga-Countdowns.

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          Seit zwei Jahren gefallen sich die Verantwortlichen von Borussia Dortmund darin, keinen Tabellenplatz zu nennen, wenn sie gebeten werden, ihr Saisonziel zu definieren. Auf diese Art soll offenbar Druck von der Mannschaft genommen werden, von der intern allerdings mehr als nur ein guter Mittelplatz erwartet werden dürfte. Statt quantitativ erfassbarer Werte spricht Trainer Jürgen Klopp lieber von „einer extremen Weiterentwicklung“ seines überaus jungen Aufgebots. Aber in diesem Sommer haben sich die Führungskräfte ein Herz gefasst und – zumindest für einen Ausschnitt des Pflichtenheftes – einen konkreten Anspruch formuliert. „Unser erstes Saisonziel ist es, die Gruppenphase der Europa League zu erreichen“, sagt Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der Geschäftsführung.

          In der Qualifikationsrunde trifft der Bundesligafünfte der abgelaufenen Spielzeit auf Karabachh Agdam aus Aserbaidschan und hat an diesem Donnerstag zunächst Heimrecht. Eine lösbare Aufgabe, die leichter kaum sein könnte, wenn es nach dem Bekanntheitsgrad des Gegners geht. Dennoch ist Watzkes Vorgabe kein Grund zum Schmunzeln. Als er den Anspruch formulierte, lag die Auslosung in weiter Ferne, und es hätte sein können, dass Dortmund im Topf der ungesetzten Mannschaften gelandet wäre, die es mit namhaften Gegnern zu tun bekommen. Auch für diesen Fall hatte der Geschäftsführer den Einzug in die Gruppenphase als Ziel genannt. Die beiden Qualifikationsspiele seien „eminent wichtig für die Entwicklung des Vereins“.

          Nach Jahren der Misswirtschaft, die fast zur Insolvenz geführt hätte, war Dortmund für längere Zeit von der internationalen Bühne verschwunden. Zweimal erwies sich der Umweg über den inzwischen verblichenen Sommerpausenfüller namens UI-Cup als Endstation. Europäische Größen wie KRC Genk und Sigma Olmütz erwiesen sich als unüberwindbare Hürden. Zuletzt verpassten die Westfalen vor zwei Jahren im Uefa-Cup die Qualifikation für die Gruppenphase. Gegen den italienischen Erstligaklub Udinese Calcio wurde ihnen letztlich eine fragwürdige Taktik im Hinspiel zum Verhängnis. Auswärts vermochten sie die Heimniederlage auszugleichen, scheiterten aber im Elfmeterschießen. Gegen den Meisterschaftsdritten aus Aserbaidschan ist eine solche Pannen nicht zu erwarten. Nach sieben mageren Jahren kann Dortmund fest mit der Rückkehr ins internationale Geschäft rechnen.

          Sparsamer Geschäftsmann: Borussia-Vorstandschef Watzke

          Auffälligster Neuzugang Lewandowski

          Das Geld, das in der Europa League zu verdienen ist, entspricht nur einem Bruchteil dessen, was der große Bruder Champions League zu bieten hat. Watzke hat seinem Trainer, bei aller Wertschätzung, zu verstehen gegeben, dass er von der Linie konservativer Kaufleute derzeit auch dann nicht abzuweichen gedenke, wenn ein paar (europäische) Millionen Euro auf das Konto der börsennotierten Fußballfirma fließen – in der Gruppenphase wären etwa fünf Millionen Euro zu erwarten. Dennoch scheint ein kurzfristiger Zukauf nicht ausgeschlossen, zumal der von Klopp ausgemusterte Stürmer Nelson Valdez zum Aufsteiger Hercules Alicante in die spanische Primera Division wechselt. Angeblich erhält die Borussia eine Ablösesumme von rund vier Millionen Euro für den paraguayischen Nationalspieler.

          Auffälligster Zugang ist der polnische Torschützenkönig und Nationalspieler Robert Lewandowski. Mit bald 22 Jahren passt er bestens zum Dortmunder Jugendstil, auch wenn er Klopp nicht in allen Phasen der Vorbereitung zu überzeugen wusste. Mittelfeldtalent Shinji Kagawa gilt dagegen sogar schon als Favorit für die zentrale Position hinter einem oder zwei BVB-Stürmern. Der Japaner übernimmt bis auf weiteres die Aufgaben des ägyptischen Volkshelden Mohamed Zidan, der noch in seiner Heimat festsitzt, aufgrund der Folgen einer Kreuzbandverletzung aber ohnehin nicht zur Verfügung stände. Bis Ende dieses Monats soll sich entscheiden, ob Zidan den drei Jahre dauernden Militärdienst in der Armee seines Heimatlandes ableisten muss. Die Dortmunder zeigen sich in dieser Frage so gelassen, als hätten sie schon Hinweise darauf, dass ihr Mitarbeiter bald wieder an seinem Arbeitsplatz erscheint.

          Entwicklungspotential, Leidenschaft, Geschlossenheit

          Gelassen sehen sie auch ihrer Rolle als Mitglied der erweiterten Spitzengruppe in der Liga entgegen. Andere Klubs, die um die Plätze hinter dem Favoriten Bayern München kämpften, hätten mehr Geld als der BVB, sagt Watzke. Besonders gern, zugleich aber auch unangenehm berührt, nennt er in diesem Zusammenhang stets Wolfsburg, Leverkusen und vor allem Hoffenheim wegen derer finanzieller Ausstattung durch Werke oder Mäzene. „Aber wir wissen, was wir entgegenzusetzen haben: viel Entwicklungspotential, Leidenschaft und innere Geschlossenheit.“

          Dieser Satz könnte auch von Jürgen Klopp stammen. Der Trainer will diesen Stärken eine weitere hinzufügen und den Profis beibringen, „unnötige Laufwege zu vermeiden“. Ökonomisch vorzugehen ist für Dortmund Anspruch in doppeltem Sinne. Den läuferischen Aufwand der vergangenen Saison beizubehalten, dürfte schwierig werden – vor allem, wenn in der Gruppenphase der Europa League sechs weitere internationale Spiele zu bestreiten sind. Klopps Jugendgruppe wird lernen müssen, mit den Kräften hauszuhalten.

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