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Bundesliga-Countdown (10): Mönchengladbach : Vollbremsung der Rotationsmaschine

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Bild: FAZ.NET

Von spektakulären Transfers und großen Sprüngen in der Tabelle ist die ruhmreiche Borussia aus Mönchengladbach noch immer weiter entfernt. Der Klub ist froh über neue Kontinuität unter Trainer Frontzeck und Manager Eberl. Teil 10 des Bundesliga-Countdowns.

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          Natürlich gilt auch bei Borussia Mönchengladbach der Tabellenplatz als Leistungsnachweis. Doch wer solche Irrungen und Wirrungen zu überstehen hatte wie die einst hoch dekorierte „Elf vom Niederrhein“, der macht sein Wohl und Wehe nicht davon abhängig, ob er am Ende wieder Zwölfter wird oder um zwei Plätze besser oder einen Rang schlechter dasteht als im Jahr zuvor. „Der Tabellenplatz ist nicht so wichtig“, sagt Sportdirektor Max Eberl. Wer so viel durchgemacht hat, dem geht es um innere Werte. Erstrebenswert sei vor allem, das Wort „Klassenerhalt“ aus dem Gladbacher Grundwortschatz des Fußballs zu streichen. Die Turbulenzen der vergangenen Jahre, in denen es oft drunter unter drüber ging, haben eine tiefe Sehnsucht nach Ruhe und Kontinuität geweckt. „Wir wollen nicht jedes Jahr Umwälzungen haben“, sagt Eberl.

          Gladbach sucht nach Orientierung zwischen ruhmreicher Vergangenheit, graumelierter Gegenwart und ungewisser Zukunft. Das klingt genügsam; mancher mag es vielleicht sogar für langweilig halten, zumal bei einem fünfmaligen deutschen Meisgter. Aber wer derart viele Stürme überstehen musste wie die Borussia im vergangenen Jahrzehnt; wer derart viele Trainer, Manager und vor allem Spieler hat kommen und gehen sehen; wer dem schnellen, erkauften Erfolg so lange vergeblich hinterhergelaufen ist, der sehnt sich nach verlässlichen Größen und vertrauten Gesichtern, ob im Management oder in der Mannschaft.

          Und voila: Nach der ersten Saison seit langem, die ohne Zittern und Bangen verlaufen ist, schicken die oft durchgeschüttelten Gladbacher sich an, zur Ruhe zu kommen. Die guten Vorsätze lassen sich nicht nur aus den Vorworten der Verantwortlichen heraushören, sondern auch an ihren Taten ablesen, vor allem an ihrer Personalpolitik. Der Klub hat keinen Leistungsträger ziehen lassen (müssen), und der Vertrag mit Cheftrainer Michael Frontzeck, der ohnehin noch ein Jahr gültig gewesen wäre, wurde in diesem Sommer vorzeitig bis Juni 2013 verlängert.

          Bestes Fohlen: Marco Reuss weckt Hoffnungen

          Eberl hatte Frontzeck schon bei dessen Präsentation vor gut einem Jahr als das „beste Puzzleteil“ bezeichnet. Frontzeck mag als Erstligatrainer einen schlechten Start gehabt haben (mit Aachen stieg er ab, in Bielefeld wurde er am vorletzten Spieltag dem Abstieg geweiht entlassen) - zurück in Mönchengladbach, wo seine veritable Spielerkarriere begonnen hatte, scheint der selbstbewusste Fußball-Lehrer seinen Platz erst einmal gefunden zu haben.

          Sieben Trainer in fünf Jahren

          Die Vereinsoberen vertrauen ihm - nicht weil er ein verdienter Spieler war, sondern weil er die Mannschaft mit ruhiger Hand aus dem Nebel manövrierte, als Krisenmanagement gefordert war. Auch fünf Niederlagen in Serie brachten ihn in der vergangenen Saison nicht aus der Ruhe. Von Fußball-Lehrern, die im ersten Sturm die Segel streichen, hatten Fans und Vorstand buchstäblich genug. Und die Spieler, soweit sie nicht selbst zur Verfügungsmasse wurden, auch.

          Mannschaftskapitän Filip Daems, einer der wenigen professionellen Langzeitborussen, hat in den vergangenen fünf Jahren unter sieben verschiedenen Trainern gearbeitet: Dick Advocaat, Horst Köppel, Jupp Heynckes, Jos Luhukay, Christian Ziege, Hans Meyer und eben Frontzeck. Der aktuelle Coach und sein Trainerteam stehen für die lange vermisste Kontinuität, die auf die Mannschaft übergreifen und ihr eine Perspektive bieten soll.

          Von teuren Transfers noch weit entfernt

          Gladbach startet mit dem jüngsten Aufgebot seit zehn Jahren, fast als ginge es um eine Hommage an das goldene Zeitalter der „Fohlen“, einer jungen Mannschaft voller Talente, die in den siebziger Jahren den beliebten, aber auf Dauer nicht konkurrenzfähigen Gegenentwurf zu Bayern München bildete und zeitweise auch international in den feinsten Fußballkreisen verkehrte.

          Davon ist der aktuelle Borussenjahrgang weit entfernt. Teure Transfers passen noch nicht zu diesem Klub. Die Gladbacher versuchen es ein paar Nummern kleiner. Der nigerianische WM-Teilnehmer Mohamadou vom SC Freiburg und der belgische Brasilianer Igor de Camargo aus Lüttich sind die bekanntesten Zugänge.

          Keine großen Namen. Doch das ist dem Trainer egal, weil in seinen Augen „die Mischung stimmt“. Den beiden neuen Stürmern dürfte es jedoch nicht leicht fallen, sich für die Startelf zu qualifizieren, solange Raul Bobadilla, neben Marco Reus, dem talentierten Pendler zwischen Mittelfeld und Angriff, erster Stürmer in Frontzecks Planspielen bleibt.

          Rotationsmaschine ist abgeschaltet

          Die Zeit vermeintlich großer Sprünge, die sich alsbald als Hüpfer erweisen, ist vorbei. Auch nach seinem Aufstieg zum Geschäftsführer mit einem Vertag bis 2014 verfolgt Manager Eberl eine Strategie der „kleinen Schritte“, die organisches Wachstum ermöglichen sollen. Als Beispiel dafür dient den Gladbachern Eintracht Frankfurt und als Vorbild für die fernere Zukunft Werder Bremen. Die Frankfurter haben sich seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga 2005 Stück für Stück in der Liga etabliert und sind zuletzt Zehnter geworden. Werder gilt als Klub, der seriösem Wirtschaften und einem Blick für bezahlbare Spieler mit Perspektive einen festen Platz im VIP-Raum der Bundesliga verdankt und dazu regelmäßige internationale Präsenz.

          So weit ist Mönchengladbach noch lange nicht. Aber der Dauerbetrieb der Rotationsmaschine ist abgeschaltet. „Das ganze Team funktioniert und wächst immer mehr zusammen“ sagt Präsidiumsmitglied Rainer Bonhof. „Das ist ein Hinweis darauf, dass wir die oft beschworene Kontinuität nun praktizieren.“ Sollte er Recht behalten, wäre ein bedeutendes Saisonziel schon erreicht.

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