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Kommentar : Der deutsche Fußball funkelt

Einfach goldig: Die deutsche Mannschaft holt den Titel beim Confed Cup. Bild: dpa

Die U 21 und die Nationalelf lassen mit ihren Titeln schönste Hoffnungen auf die WM 2018 wachsen – und für die Zeit danach. So viele gute und junge Spieler sind ein Schatz. Joachim Löw kommt das größte Verdienst zu.

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          So viel Anfang steckte schon lange nicht mehr in einem Final-Wochenende – und im deutschen Fußball. Der Triumph der U 21 bei der EM gegen Spanien wäre allein schon ein herausragender Erfolg. Es war der erste Titelgewinn der wichtigsten Nachwuchsmannschaft überhaupt, seit jenes legendäre Team 2009 den Europameistertitel holte, aus dem fünf Jahre später gleich sechs Spieler Weltmeister wurden: Neuer, Boateng, Hummels, Höwedes, Khedira und Özil.

          Das macht klar, wie viel Kraft in einem solchen Sieg stecken kann. Dass aber gleichzeitig eine enorm verjüngte und zunächst verkannte Nationalelf, bei der keiner dieser WM-Stars dabei war, den ungeliebten Confed Cup zu einem echten Ereignis gemacht hat, ist weit mehr als nur die Überraschung des Jahres.

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          Der deutsche Fußball hat sich im Sommer 2017 selbst inspiriert. Und das Schönste daran: Niemand konnte damit rechnen. Seit dem Titelgewinn von Rio hat die Nationalelf kaum mehr die Phantasie beflügeln können. Der deutsche Klubfußball hat sogar schon seit 2013 kein einziges europäisches Finale mehr erreicht. Nun aber lassen die U 21 und die Nationalelf mit ihrem Doppelpass in Polen und Russland schönste Hoffnungen auf die WM im kommenden Jahr in Russland wachsen – und für die Zeit danach.

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          Die Kader dieser beiden Erfolgsteams zusammengenommen, dazu die geschonten Stars und verletzten Talente wie Sané, Weigl oder Tah: Das macht über fünfzig deutsche Spieler von hohem und höchstem Niveau. So einen überreichen Fundus an erstklassigen Spielern hat der deutsche Fußball noch nie hervor gebracht. Vierzig dieser Spieler sind sogar jünger als 26 Jahre. Ein Schatz, so groß und funkelnd, von dem aber nur die wenigsten in Fußball-Deutschland ahnten, dass er überhaupt existiert.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Joachim Löw kommt dabei das größte Verdienst zu: dass dieser Schatz nun gehoben wurde. Schon seine Kaderzusammenstellung war wegweisend. Sie hat die deutsche Fußball-Sommerfrische überhaupt erst möglich gemacht. Ohne den bewussten Verzicht auf die Weltmeister hätte die junge Nationalelf in Russland nicht wachsen und reifen können, in der daher acht Spieler standen, die auch noch bei der U-21-EM hätten spielen können. So hat wiederum das Team von Trainer Stefan Kuntz eine neue Tiefe durch weitere, sonst übersehene Talente erhalten, die andernfalls den Sommer irgendwo am Strand verbracht hätten.

          Selbstverständlich hat die Liga all diese jungen Profis so gut ausgebildet, dass sie nun im Finale von Krakau das große Vorbild Spanien mit den scheinbar stärkeren Spielern beherrschten und besiegten. Und jene, die beim Confed Cup mit elf Toren in vier Spielen so bezwingend ins Finale gegen Chile einzogen und dort ihre größte Prüfung auch noch bravoröus bestanden. Aber damit diese Talente international über sich hinauswachsen konnten und können, braucht es einen Bundestrainer, der ihnen diese Chance gibt, der an sie glaubt, der sie fördert – und ihnen auch Schwächen zugesteht.

          All das hat Löw in seinem elften Jahr als Bundestrainer getan. Ein Sommer, der nun auch ihm so viel Freude wie lange nicht geschenkt hat. Das ist ein hübscher, zusätzlicher Gewinn: Die große deutsche Talentshow, die Joachim Löw selbst inszenierte, hat auch den Bundestrainer verjüngt.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

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