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1:1 gegen Chile bei Confed Cup : Gelungener Härtetest für das DFB-Team

Der Lohn: Lars Stindl bringt den Ball zum 1:1 im Tor der Chilenen unter. Bild: Reuters

Die deutsche Nationalmannschaft verdient sich ein Unentschieden gegen den Turnierfavoriten Chile. Mit einem starken Auftritt im zweiten Spiel des Confed Cups bleibt das DFB-Team auf Halbfinalkurs.

          Es war kein Sieg, aber dennoch einer der schönsten Erfolge seit der Europameisterschaft in Frankreich für das Team von Bundestrainer Joachim Löw. Das 1:1 der deutschen Nationalmannschaft in Kasan gegen Turnierfavorit Chile war ein Ausrufezeichen für die Zukunftsfähigkeit des Weltmeisters, der mit seiner sogenannten B-Mannschaft gegen den Südamerikameister einen starken und stabilen Auftritt hinlegte. 

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          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Nach dem frühen Rückstand durch Alexis Sanchez (6. Minute) gelang Lars Stindl mit seinem zweiten Turniertreffer der insgesamt verdiente 1:1-Ausgleich (41.). „Insgesamt geht das Ergebnis in Ordnung“, sagte Stindl. „Wir wussten, dass die Chilenen mit viel Power und Druck kommen.“ Immer wieder, aber vor allem während der zweiten Halbzeit zeigte die junge deutsche Mannschaft ihre Klasse, als sie gegen die Chilenen mit einer überlegenen und überlegten Spielanlage die Partie weitgehend beherrschte und nicht mehr in Gefahr einer Niederlage geriet. „Wir haben auch in der zweiten Halbzeit guten Fußball gespielt“, sagte Torschütze Stindl. „Wir haben gezeigt, dass wir so einer Mannschaft Paroli bieten können.“

          Lars Stindl bejubelt sein Tor zum 1:1-Ausgleich gegen Chile. Bilderstrecke

          Den starken, konzentrierten deutschen Auftritt unterbrach der Bundestrainer selbst in der Nachspielzeit auch nicht mehr durch eine Auswechslung. In der ersten Halbzeit war Chile noch das bessere und aggressivere Team gewesen, von dem sich die Deutschen aber nicht einschüchtern ließen. Spielstark, mutig und taktisch erstaunlich klug zeigten die jungen Spieler immer wieder, was in ihnen steckt. Und was Löw in ihnen sieht und ihnen zutraut: „Sie wollen den Confed Cup zu ihrem Turnier machen.“ Am Sonntag reicht den Deutschen im letzten Gruppenspiel gegen Kamerun nun ein Unentschieden, um das Halbfinale zu erreichen.

          Die Herausforderungen, die auf die Deutschen in Kasan warteten, hatten es tatsächlich in sich. Die im Durchschnitt jüngste Auswahl (24,4 Jahre) des Confederations Cup traf auf die älteste Mannschaft (29,1) – und versuchte dennoch immer wieder, ihr Spiel durchzusetzen. Das DFB-Perspektivteam, das so noch nie zusammengespielt hatte, musste gegen eine der „flexibelste und variabelste Mannschaften der Welt“ (Löw) bestehen – und fand darauf meist eine gute Antwort. Die B-Mannschaft des Weltmeisters, die sich erst an die Weltspitze heranarbeiten soll, bekam es mit einem vor Selbstbewusstsein strotzenden zweimaligen Südamerikameister in Bestbesetzung zu tun – ließ sich aber auch von einem Rückstand nicht einschüchtern. Mit anderen Worten: Schwieriger hatte die Aufgabe, die der Bundestrainer seinem Team gestellt hatte, im zweiten Gruppenspiel kaum sein können – und viel besser hätte sie es kaum lösen können.

          Schon nach der ersten Hälfte war klar: Es war genau der Härtetest, der das deutsche Team zur Freude des Bundestrainers an seine Grenzen führte. Das reifere, erfahrenere Team hatte die Partie zunächst im Griff. Chile attackierte die Deutschen früh und ging schnell in Führung durch einen Treffer von Sanchez in der sechsten Minute. Danach konnten die Deutschen von Glück sprechen, dass der schöne Schuss von Vargas (20.) aus rund zwanzig Metern nur gegen die Unterkante der Latte prallte. Mit aggressivem, frühem Anlaufen hatte Chile vom Anpfiff an für Druck auf das deutsche Aufbauspiel aus der Abwehr gesorgt. Beim 1:0 war es allerdings der unbedrängte Mustafi, der mit einem Fehlpass an der Strafraumgrenze den Gegentreffer einleitete. Vidal nutzte die Gelegenheit, passte schnell auf Sanchez, der Torwart ter Stegen keine Chance ließ.

          Löw hatte nach dem 3:2 gegen Australien wie angekündigt gleich mehrfach gewechselt. Neben ter Stegen im Tor spielten in der Abwehr Süle und Ginter sowie im Mittelfeld Can von Beginn an für Rüdiger, Brandt und Wagner. Nach dem frühen Rückschlag sprach nicht viel für das junge deutsche Team. Aber die DFB-Auswahl erholte sich rasch. Schon in der achten Minute setzte Draxler zum Gegenschlag an, aber sein Schuss nach einer Balleroberung im chilenischen Mittelfeld verfehlte das Ziel knapp. Die Deutschen zeigten nun mitunter schöne Ansätze im Mittelfeld und im Spiel nach vorn mit teilweise kombinationssicherem Ballbesitzfußball, dabei immer wieder schnell das Spiel in die Spitze suchend. Nach einer Viertelstunde scheiterte Stindl mit seinem ersten Torschuss, eine Minute später wusste Kimmich mit einer schönen Flanke Draxlers nichts Entscheidendes anzufangen.

          Den Deutschen fehlte es noch an Durchschlagskraft. Chile geriet nicht ernsthaft in Gefahr, aber das Topteam schaffte es selbst auch nicht mehr, die deutsche Defensive in größere Schwierigkeiten zu bringen. Kurz vor der Pause entdeckte Can im chilenischen Defensivverbund schließlich genau die eine Lücke, die er brauchte. Sein Pass erreichte Hector auf der linken Seite frei, dessen scharfe und präzise Hereingabe nutzte Stindl, die sogenannte „falsche Neun“, im Stil eines Torjägers aus kurzer Entfernung zum überraschenden und auch etwas glücklichen Ausgleich. Aber das stark herausgespielte 1:1 war auch ein verdienter Lohn für die Widerstandskraft des jungen Teams.

          Nach dem Wechsel übernahmen die Deutschen immer wieder das Kommando, hatten mehr Ballbesitz, aber die Defensive der Chilenen war stabil. Torchancen blieben selten, auf beiden Seiten. Aber für die Deutschen war auch dieser torlose Auftritt nach der Pause ein schöner Gewinn.

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