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Confed Cup 2017 : Warum bringt der Videobeweis so viel Aufregung?

  • Aktualisiert am

Der Videobeweis soll für mehr Gerechtigkeit beim Fußball sorgen. Bild: Picture-Alliance

Fragende Schiedsrichter, aufgebrachte Spieler, ratlose Fans: Beim Confed Cup erlebt der Videobeweis eine turbulente Premiere. FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen zur Neuerung in Russland.

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          Gleich in den ersten Partien des Confederations Cups kommt die neue Videotechnik mehrfach zum Einsatz. Die Entscheidungen der Referees aus der Videobox sind völlig korrekt, dreimal werden sogar Fehler der Schiedsrichter in Russland korrigiert. Und doch gibt es für den Fußball-Weltverband noch einiges zu tun. Viele Fans sind überfordert und auch die Spieler nicht richtig glücklich. Fifa-Boss Infantino spricht dennoch von der „Zukunft des modernen Fußballs“.

          Wie funktioniert der Videobeweis beim Confederations Cup?

          Bei jedem Spiel verfolgen zwei Videoreferees und ein Linienrichter in einem Raum im Stadion die Partie auf mehreren Bildschirmen. Trifft der Schiedsrichter bei spielentscheidenden Szenen wie Tor, Elfmeter, Roter Karte oder der Bestrafung eines falschen Spielers eine aus ihrer Sicht falsche Entscheidung, kontaktieren sie ihn über Funk. Das Spiel wird unterbrochen und der Schiedsrichter zeichnet mit den Armen ein Viereck in die Luft: Das Symbol, dass der Videobeweis zum Einsatz kommt. Die Videoreferees können die Szene mit bis zu 34 verschiedenen Einstellungen checken. Ihr Urteil geben sie an den Referee weiter.

          Muss der Schiedsrichter das Urteil der Videoreferees akzeptieren?

          Nein. Der Schiedsrichter kann es sofort annehmen oder sich die Szene auf einem Bildschirm am Spielfeldrand nochmals anschauen. Letztlich trifft er auf dem Platz dann die letzte Entscheidung. Beim Confed Cup folgten die Schiedsrichter in allen vier Fällen sofort den Videoreferees und lagen damit richtig.

          Spielplan der Fußball-WM 2018 in Russland

          Warum gibt es jetzt doch wieder Aufregung?

          Das Problem ist nicht der Videobeweis als solcher, sondern die technische Umsetzung. Tor oder kein Tor? Bis zur Antwort auf die Gretchenfrage des Fußballs verging am Sonntag in je zwei Fällen bei den Spielen Chile gegen Kamerun (2:0) und Portugal gegen Mexiko (2:2) sehr viel Zeit. 56 Sekunden, 2:09 Minuten, 1:08 Minuten, 1:05 Minuten – das ist für Fans wie Spieler zu lang. Das zweite Problem: Zuschauer im Stadion und am TV und auch Spieler wie Trainer fühlten sich schlecht informiert, warum überhaupt der Videoreferee zum Einsatz kam. Ratlos standen sie auf dem Rasen herum. Diese Komplikationen rütteln an dem Grundprinzip des Fußballs als einfachem Spiel.

          Was sagt die Fifa zu den Problemen?

          Der Weltverband hatte vorab schon gewarnt. Das System ist noch in der Testphase, Holprigkeiten sind nicht auszuschließen. Nach den Ernstfällen in Moskau und Kasan versuchte die Fifa erst mit Videos bei Twitter und Erklärungen auf ihrer Homepage die Sachlage zu erläutern. Dann lobte Fifa-Chef Gianni Infantino am Abend in einer Pressemitteilung das System in den höchsten Tönen. „Ich bin bislang extrem glücklich über die Videoreferees“, sagte der Schweizer. Das System sei die Zukunft des modernen Fußballs. Es wurde aber auch eingeräumt: Die Präsentation der Abläufe für Fans im Stadion und im TV ist noch verbesserungswürdig.

          Wie geht es weiter mit dem Videobeweis?

          Nach dem Confed Cup wird das System in einigen nationalen Ligen weiter getestet – auch in der Bundesliga! Dabei wird sich der Videobeweis im Fußball-Alltag bewähren müssen. Die Ergebnisse werden dann vom International Football Association Board (Ifab) bewertet. Nur die Regelhüter des Fußballs können entscheiden, ob und in welcher Form der Videobeweis dauerhaft Einzug in den Profifußball hält.

          Bundestrainer Joachim Löw will dem Videobeweis eine Chance geben.

          Wird jetzt jeder Bundesliga-Spieltag von Video-Diskussionen begleitet?

          Die Deutsche Fußball Liga hatte sich freiwillig beim Ifab als Probe-Liga gemeldet. Schon in der vergangenen Saison liefen sogenannte nicht scharfe Tests mit Videoreferees ohne Kontakt zum Schiedsrichter und ohne Einflussmöglichkeit. Das wird nun anders. Mit etwa zwei bis drei Situationen rechnet man im Durchschnitt pro Spieltag – hitzige Debatten sind also programmiert. Interessant dürfte sein, ob die Liga aus den Problemen in Russland noch Konsequenzen zieht. Bislang ist nur ein Videoreferee pro Spiel vorgesehen, statt der drei beim Confed Cup. Diese Personalstärke wird von Insidern als kritisch bewertet, gerade wenn Entscheidungen schnell getroffen werden müssen. Dennoch sagte DFL-Direktor Ansgar Schwenken am Montag: „Wir fühlen uns aufgrund der umfangreichen Vorbereitungen gut gerüstet.“

          Wird das System auch bei der WM im kommenden Sommer eingesetzt?

          Infantino wünscht sich das. Die Entscheidung trifft aber auch hier das Ifab bei seiner Sitzung im März 2018. Frühestens dann könnte der Videoreferee in den Regelkatalog offiziell aufgenommen und für die WM verpflichtend gemacht werden.

          Was sagt Bundestrainer Joachim Löw zum Videobeweis?

          Löw hat sich nach dem ersten Confed-Cup-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft positiv über den Einsatz des Videobeweises geäußert. „Ich glaube, dass man etwas abwarten muss. Es ist für uns alle etwas ungewohnt, wenn der Schiedsrichter das Spiel für ein, zwei Minuten unterbricht. Aber bislang hat es sich bewährt“, sagte Löw am Montag im ZDF. Beim 3:2-Sieg des Weltmeisters über Australien in Sotschi hatte der amerikanische Schiedsrichter Mark Geiger nach dem zweiten Treffer der Australier durch Tomi Juric den Videobeweis wegen eines möglichen Handspiels des Torschützen gefordert. Schließlich entschied er zu Recht auf Tor. „Einen Versuch ist es wert“, sagte Löw über das bereits am Eröffnungswochenende heftig diskutierte neue System.

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