https://www.faz.net/-gtl-14yom

Chapeau : Hals- und Beinbruch

Marlies Schild Bild: dpa

Fünf Operationen waren nötig gewesen, um Marlies Schild wiederherzustellen für den Leistungssport. Nach einem Trümmerbruch im Schien- und Wadenbein fährt sie wieder Ski - und gewinnt. Chapeau!

          1 Min.

          Wenn Marlies Schild nicht Skirennfahrerin geworden wäre, dann, so sagt sie, hätte sie „wohl Medizin studiert“. Ein bisschen etwas von diesem Alternativberuf aber bekommt fast jeder Skirennfahrer im Verlauf seiner Karriere mit, und bei einem Praktikum in der Orthopädie könnte die Österreicherin beispielsweise spielend Fachgespräche über unschöne Themen führen. Etwa über den Trümmerbruch im Schien- und Wadenbein sowie den Bruch des Schienbeinkopfes im linken Bein, die Folgen eines Trainingssturzes auf dem Rettenbachgletscher in Sölden am 9. Oktober 2008. Damals war die Saison vorbei, bevor sie begonnen hatte, dabei wollte sie als dominierende Slalomfahrerin des Winters zuvor doch endlich ihren ersten Einzel-Titel bei der WM 2009 in Val d’Isère gewinnen. Es blieb ihr dort nur die Fanrolle für den Lebenspartner Benjamin Raich und der quälende Gedanke, ob es für sie jemals noch einmal so sein würde, wie es gewesen war.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Aus den Zweifeln ist in Rekordzeit wieder Gewissheit geworden, vielleicht wird alles sogar noch besser als vorher. Im Juli vergangenen Jahres hat sie sich nach 286 Tagen zum ersten Male wieder auf die Bretter gewagt, die ihre Welt bedeuten. Fünf Operationen waren nötig gewesen, um sie wiederherzustellen für den Leistungssport, aber Klinikaufenthalte gehören zum alpinen Rennsport wie Trainingslager.

          Die ganze Arbeit, um den Anschluss wieder zu schaffen, wird aber im Verborgenen geleistet, erst jetzt steht sie wieder voll im Scheinwerferlicht. Platz sechs beim ersten Saisonslalom in Levi folgte ein zweiter Platz in Aspen und dann zum Jahresende 2009 der „schönste Sieg“ ihrer Karriere: Platz eins in Lienz, gleich mit 1,8 Sekunden Vorsprung. Wenn sich die 28 Jahre alte Salzburgerin da mal nicht täuscht: Auf ihrem nur 1,55 Meter kurzen Ski fährt sie so kurze, schnelle Schwünge wie die Männer, und ihr zweiter Saisonsieg am Dienstag in Flachau nach einer überragenden Laufbestzeit im zweiten Durchgang hat sie endgültig zur Olympiafavoritin gemacht. Sollte sie das in Vancouver tatsächlich bestätigen, würde jede Konkurrentin nach der Vorgeschichte den Hut ziehen.

          Chapeau – wir ziehen den Hut!
          Chapeau – wir ziehen den Hut! : Bild: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Die Königsfigur

          Joshua Kimmich : Die Königsfigur

          Was hasst Joshua Kimmich mehr, als ein Spiel zu verlieren? Zwei Spiele zu verlieren. Es wird viel mit ihm zu tun haben, ob die Nationalmannschaft das gegen Portugal verhindern kann.

          Moskau schließt EM-Fanzone Video-Seite öffnen

          Steigende Corona-Zahlen : Moskau schließt EM-Fanzone

          Wegen wieder stark steigender Corona-Infektionszahlen schließt Moskau seine Fanzone zur Fußball-EM und verbietet alle Freizeitveranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern. Als Grund für den starken Anstieg vermuten die Behörden neue Virusvarianten.

          Topmeldungen

          Er will immer voran gehen: Joshua Kimmich

          Joshua Kimmich : Die Königsfigur

          Was hasst Joshua Kimmich mehr, als ein Spiel zu verlieren? Zwei Spiele zu verlieren. Es wird viel mit ihm zu tun haben, ob die Nationalmannschaft das gegen Portugal verhindern kann.
          Vor der Amtsübergabe: Joe Biden mit seiner Frau Gill am 20. Januar in der Cathedral of St. Matthew the Apostle in Washington D.C.

          Aufstand der Bischöfe : Keine Kommunion mehr für Joe Biden?

          Amerikas katholische Bischöfe kritisieren, dass sich Präsident Biden beim Thema Schwangerschaftsabbruch an die geltende Rechtslage hält. Bald könnte er von der Kommunion verbannt werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.