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Champions League : Zwanzig Ausrufezeichen für den FC Basel

Das Wunder von Basel Bild: dpa

In einem fulminanten Fußballspiel hat der FC Basel dem FC Liverpool ein 3:3 abgetrotzt und die Zwischenrunde der Champions-League erreicht.

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          Der Live-Tickerer auf der Homepage des FC Basel überschlug sich schon in der 2. Spielminute. Das frühe Führungstor von Julio Hernan Rossi garnierte der Online-Kollege gleich mit zwanzig Ausrufezeichen.

          Ob er sich noch ein paar Steigerungszeichen übrig gelassen hätte, wenn er geahnt hätte, wie dieses ungleiche Duell noch weiter läuft? Beim 2:0 in der 22. Minute verschlug es ihm die Taste: „Tor! von Giminez... Kaum zu glauben...“ meldete die Homepage des FC Basel, ganz so, als wäre es kaum zu glauben.

          Unerwartet in der Rolle des Gejagten

          Die Ausgangsposition war ja schon verblüffend genug. Der Fußballclub aus der Grenzstadt zwischen Frankreich und Deutschland, 2002 seit 22 Jahren mal wieder Schweizer Meister geworden, war überhaupt zum ersten Mal in der Champions League unterwegs und rangierte vor der Saison an 32. und letzter Stelle der Setzliste.

          Erbitterter Zweikampf: Liverpools Emile Heskey (l.) gegen Ivan Ergic

          Und war dann vor dem letzten Vorrundenspiel mit acht Punkten aus fünf Spielen unerwartet in die Rolle des vom FC Liverpool gejagten geraten. Ein Unentschieden würde den Baslern im Gruppenendspiel reichen, doch „wir können nicht auf Unentschieden spielen“, kündigte Trainer Christian Gross an: „Wir spielen voll auf Sieg.“

          Drei Tore in einer halben Stunde

          Und dann spielten die so oft unterschätzten Eidgenossen den 18-fachen englischen Meister in den ersten 45 Minuten voll an die Wand. Keine Spur von Zurückhaltung auch nach dem unerwartenen Auftakt, denn in der 30. Minute staubte Atouba nach Freistoß von Yakin, den Liverpools Torwart Dudek nicht festhalten konnte, sogar zum 3:0 ab. Sieben Ausrufezeichen.

          Dass die Mannschaft in zwei Qualifikationsrunden MSK Zilina und Celtic Glasgow ausgeschaltet hatte, war ja schon ein Riesenerfolg. Für Christian Gross, der als einziger Schweizer Trainer 1995 und '96 die Grasshoppers Zürich bereits in die Champions League führte, noch nicht genug.

          Nur eine Pleite für Basel

          Nach einem 2:0 zum Auftakt der Königsklasse gegen die schwachen Russen von Spartak Moskau verblüffte sein Team schon beim 1:1 an der Anfield Road. Das 2:6 in Valencia nahm Gross billigend in Kauf, denn zu Hasue trotzte sein Team den Spaniern ein 2:2 ab - was Liverpool (0:1) nicht gelang. Und so stand Basel nach dem nachgeholten 2:0 in Moskau plötzlich auf Rang zwei in Gruppe B.

          Trotzden war von Fußball-Euphorie vor der entscheidenden Partie auf den ersten Blick nicht viel zu spüren. „Leichter als Fußball-Plakate findet man Vorankündigungen für Auftritte des Eishockey-Teams der Basel Dragons oder für die Schweizer Hallen-Tennismeisterschaften, die letzten Monat statt fanden“, wunderten sich Beobachter von uefa.com vor Ort. Alles andere als Euphorie auch bei den Engländern. Die Basler Polizei nahm schon vor Beginn des Spiels 43 Personen wegen Ausschreitungen vorübergehend fest, viele der Hooligans waren nach Polizeiangaben stark alkoholisiert.

          Zubi hielt den Kasten sauber

          Trainer Gross sagte, trotz ihrer typisch zurückhaltenden Art wüssten auch die Baseler sehr wohl über die Bedeutung des Spieles Bescheid. 150.000 Ticketanfragen habe es gegeben, hieß es. Und so war der St. Jakob Park, der immerhin 38.000 Zuschauer fasst, in weniger als zwei Stunden ausverkauft. Zudem zahlten zusätzlich 4000 Zuschauer Eintritt, um das Spiel auf einer großen Leinwand verfolgen zu können.

          Und sie konnten sich freuen, denn der hochgelobten internationalen Auswahl des Franzosen Gerard Houllier fiel nicht viel ein, um die Heimmannschaft in Bedrängnis zu bringen. Und wenn dann Owen, Hamann oder Smicer mal aufs Tor schossen, dann war da ja der zuverlässige „Zubi“, wie der Ex-Leverkusener Pascal Zuberbühler in Basel heißt, der den Kasten sauber hielt.

          Plötzlich kippte der Kick

          Die rekordverdächtigen 190 schreibenden und 50 Radio-Journalisten, die sich für das Spiel akkreditiert hatten, wollten auch in der zweiten Hälfte am Wunder von Basel weiterstricken. Doch plötzlich kippte der Kick. Murphy traf in der 60. Minute mit einem Weitschuss, bei dem Owen allerdings im Abseits stand und Zuberbühler verwirrte.

          Und schon drei Minuten später verkürzte Smicer auf 2:3 - jetzt fehlten den Briten nur noch zwei Tore, und dem Basler Tickerer stockte der Zeigefinger. Er verharrte in der 56. Minute und zitterte sich wie die FCB-Spieler dem Schlusspfiff entgegen.

          Zittern bis zum Schluss

          Erst in der 79. Minute meldete er wieder einen Torschuss von Smicer, und fünf Minuten später wurde es richtig spannend. Der zuvor überragende Murat Yakin rutschte mit der Hand auf dem Ball durch den Strafraum: Elfmeter. Owen trat an, Zuberbühler hielt, doch Owen nutzte den Nachschuss: 3:3.

          Noch fünf Minuten zu spielen. Und dann noch vier Minuten Nachspielzeit. Kein Sitzplatz mehr im Stadion. Alle stehen. Noch einmal fliegt der Ball in den Strafraum. Irgendeiner kickt ihn weg. Und dann ist das Spiel aus. Die Homepage ist bei dem letzten Freistoß von Riise zusammengebrochen, aber ganz Basel ist voller Ausrufezeichen.

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