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Bayerns 4:0-Sieg über Atlético : Müllers Weckruf gegen die „Rabaukentruppe“

Sein Weckruf brachte die Bayern in die Spur: Thomas Müller Bild: dpa

Effizient, robust, überzeugend: Die Bayern legen die Messlatte in der Champions League gleich im ersten Spiel sehr hoch. Dabei ist der Ausgangspunkt zum 4:0 gegen Atlético eine unberechtigte Gelbe Karte.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          Es gibt ein paar Konstanten im Spiel des FC Bayern, seit fast einem Jahr jedenfalls. Zum Beispiel, dass Robert Lewandowski immer trifft, oder fast immer. Und dass Trainer Hansi Flick an der Seitenlinie nichts aus der Ruhe bringen kann.

          Champions League

          Gut, im ersten Champions-League-Spiel der neuen Saison war vieles ein bisschen anders. Beim 4:0 gegen Atlético Madrid gehörte Lewandowski tatsächlich nicht zu den Torschützen. Und es gab eine Szene im Spiel, da musste sich der sonst so besonnene Flick kurz aufregen. Aber das fiel nicht weiter auf, weil sich der Betroffene selbst noch viel mehr aufregte.

          Thomas Müller sah nach 20 Minuten die Gelbe Karte für ein Foul, das eigentlich gar keines war – und das ließ er natürlich nicht unkommentiert. Es gehört allerdings auch zu den Konstanten bei den Bayern, dass Müller immer gut zu hören ist, erst recht, wenn er ein wenig aufgebracht ist. So weiß man jetzt, dass er Atlético für „die größte Rabaukentruppe des Weltfußballs“ hält.  Es war ein kleines Verbalscharmützel, mit großer Wirkung allerdings. „Danach hatten wir eine gewisse körperliche Präsenz, die wichtig war gegen eine Mannschaft, die robust agiert“, sagte Flick.

          Die Bayern bringt nichts so leicht aus dem Tritt, weder eine unberechtigte Gelbe Karte noch der positive Corona-Test von Serge Gnabry am Abend davor. Der hat lediglich den Ablauf des Spieltages ziemlich durcheinandergebracht, weil alle Spieler noch einmal getestet werden mussten.  

          Wie eine Art Lawine

          „Dass so etwas vor so einem Spiel passiert, ist natürlich blöd“, sagte Flick. „Aber die Mannschaft hat das gut weggesteckt.“ Für Leon Goretzka war es zwar „ein Schock gewesen“, aber einer, mit dem eben einmal zu rechnen gewesen sei. „Denn es war schon wie eine Art Lawine, die immer nähergekommen ist“, sagte er. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge ließ im Fernsehsender Sky wissen, auch im Fußball müsse man  angesichts der steigenden Corona-Zahlen „noch mehr die Sinne schärfen, damit wir ohne großen Schaden herauskommen. Ein nochmaliger Lockdown für den Fußball wäre ein Drama.“

          Vielleicht steckten in der Anfangsphase die bewegten Stunden mit der Sorge, sich angesteckt zu haben, noch in den Köpfen der Münchner, jedenfalls machte da Atlético dem Champions-League-Sieger mit aggressivem Gegenpressung zu schaffen. In ein paar Situationen, sagte Goretzka, „haben wir Glück gehabt, dass kein Gegentreffer gefallen ist“. Die Gelbe Karte für Müller oder besser der Ärger darüber war so etwas wie ein Weckruf.

          Acht Minuten später fiel das 1:0 durch Kingsley Coman  nach Vorlage von Joshua Kimmich, der in der Nacht zuvor zum zweiten Mal Vater geworden war. Der Franzose schoss nach dem letzten Tor in der alten Königsklassen-Saison, dem Siegtreffer im Finale gegen Paris St. Germain,  auch das erste in der neuen Spielzeit (28. Minute). Noch vor der Pause erhöhte Goretzka auf 2:0, in der zweiten Halbzeit trafen Corentin Tolisso (66.) und noch einmal Coman (72.). Danach konnte Flick guten Gewissens mit der Vorbereitung auf die Bundesligapartie am Samstag gegen Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) beginnen und Stammkräften wie Benjamin Pavard, Müller oder Lewandowski einen vorzeitigen Feierabend gönnen.

          Atlético gehörte ja bis zu diesem Vorrundenauftakt nicht gerade zu den Lieblingsgegnern der Münchner. Abgesehen vom Finale im Landesmeistercup vor 46 Jahren, das der FC Bayern im Wiederholungsspiel ebenfalls 4:0 gewonnen hatte, waren es immer enge Partien zwischen den beiden Klubs gewesen. 2015 scheiterten die Münchner knapp im Halbfinale, die Gruppenspiele ein Jahr darauf endeten jeweils 1:0 für die Heimmannschaft. Für den Trainer der Madrilenen, Diego Simeone, trügt das klare Ergebnis etwas. „Die Bayern sind eine großartige Mannschaft“, sagte der Argentinier. Aber der größte Unterschied dieses Mal sei gewesen, „dass sie treffsicherer waren. Nutzen wir unsere Chancen, geht es nicht so deutlich aus.“

          Tatsächlich überzeugten die Münchner mit ihrer Effizienz, aber auch mit der Robustheit, die, wie Flick findet, „zuletzt ein bisschen gefehlt hat“. Mit zwei, drei Pässen überbrückten die Münchner nach Balleroberungen in der eigenen Hälfte das Mittelfeld und bereiteten der sonst so berüchtigten, weil unbequemen Atlético-Defensive ziemliche viele Schwierigkeiten. „Sehr souverän, sehr überzeugend“, lobte Flick nach dem zwölften Königsklassen-Sieg hintereinander. Seine Mannschaft habe mit der Leistung gegen den wohl stärksten Gegner in der Gruppenphase „die Messlatte gelegt“ für den Wettbewerb, sagt der Bayern-Trainer. Sie liegt ziemlich hoch. Wieder – oder immer noch.

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