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Champions League : „Glorioso Amoroso“

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Heilsbringer? Marcio Amoroso Bild: AP

Marcio Amoroso verzeiht Fußball-Dortmund fast alles. Vor allem, wenn er wie beim 2:1-Zittersieg in der Champions League gegen AJ Auxerre entscheidende Tore schießt.

          Marcio Amoroso machte seinem Ruf als Kultfigur alle Ehre. Als die Geduld der meisten Zuschauer im Westfalenstadion bei der unansehnlichen Partie zwischen Borussia Dortmund und AJ Auxerre schon erschöpft schien, sorgte ausgerechnet der Brasilianer für einen abrupten Stimmungswechsel.

          Rekonvaleszent als Heilsbringer

          Unbeeindruckt von seiner 140- tägigen Spielpause schlug er nur kurz nach seiner Einwechslung eiskalt zu: Mit einem für ihn typischen Treffer (78.) führte er seine Borussia zum 2:1-Erfolg über die Franzosen und bewahrte den deutschen Vereinsfußball vor einer weiteren Enttäuschung in der Champions League.

          Schwarz-gelber Jubel

          Nicht nur auf den Tribünen wurde der Rekonvaleszent als Heilsbringer gefeiert. „Es ist unglaublich. Ich bin sicher, dass es bei uns jetzt besser wird“, meinte Spielmacher Tomas Rosicky.

          Verblüffende Kaltschnäuzigkeit

          Das märchenhafte Comeback ihres Lieblings riss die bis dahin unzufriedenen Zuschauer von ihren Sitzen. Und auch der ebenfalls wiedergenese Lars Ricken, der mit seinem Zuspiel maßgeblich am Treffer des Abends beteiligt war, machte aus seiner Bewunderung für den Stürmerstar keinen Hehl: „Er bringt genau das mit, was wir in den vergangenen Monaten bei uns vermisst haben - Kaltschnäuzigkeit.“

          Die mit der Rückkehr des lange verletzten Torjägers aus Brasilien am vorigen Samstag verknüpften Wünsche hätten besser nicht erfüllt werden können. Bis zu dessen stürmisch umjubelten Einwechslung (66. Minute) fehlte es dem BVB-Angriffsspiel einmal mehr an Kreativität und Durchsetzungsvermögen. Selbst die frühe Führung durch Jan Koller (6.) gab keine Sicherheit. So sprach Manndecker Christoph Metzelder von einem „Zittersieg“ und von „fehlender Stabilität“.

          Gedämpfte Freude beim Trainer

          Auch die Freude von Coach Matthias Sammer über den ersten Sieg eines deutschen Teams im laufenden Königsklassen-Wettbewerb fiel nach der dürftigen Vorstellung wenig euphorisch aus: „Wenn wir in Zukunft mit den ganz Großen mithalten wollen, müssen wir noch eine Schippe drauflegen.“

          Einer wie Amoroso könnte helfen, dass der Traum der Borussia von der Rückkehr in den europäischen Fußball-Adel und der Titelverteidigung in der Bundesliga trotz bisher unbefriedigender Saisonleistungen noch Realität wird. Allerdings will Sammer nichts überstürzen und ließ offen, ob er am Samstag beim Punktspiel gegen Borussia Mönchengladbach erstmals von Beginn an auf den divenhaften Star seines Star-Ensembles setzen will.

          „Amoroso ist unglaublich“

          „Bei Marcio müssen wir Belastung und Entlastung genau dosieren. Nur so können wir ihn stabilisieren“, sagte Sammer, der auch beeindruckt vom Kurzauftritt seines Stars war: „Amoroso ist unglaublich. Denn es ist ein Unding: er kommt am Samstag, trainiert am Sonntag und heute trifft er.“ Angesichts des dichten Terminplans wird Sammer dem Brasilianer wohl wenig Schonfrist gegen können.

          Bereits am kommenden Mittwoch könnte mit einem Sieg beim PSV Eindhoven die Grundlage für den Einzug in die zweite Runde der Champions League gelegt werden. Die 0:4- Niederlage der Niederländer gegen Arsenal London vor heimischer Kulisse im zweiten Spiel der Gruppe A nahm Nationalspieler Ricken nur nebenher zur Kenntnis: „Wir sollten uns auf uns und nicht auf die anderen konzentrieren. Schließlich haben wir es selbst in der Hand, unsere Ziele zu erreichen - obwohl es noch nicht rund läuft.“

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