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Champions-League-Finale : Berlusconis Spieler regieren Europa

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Mailand feiert, Inzaghi herzt Trainer Ancelotti Bild: AP

Torhüter Dida, Kapitän Maldini, Stürmer Schewtschenko, Dauerläufer Seedorf: Der AC Mailand feiert nach dem Finale der Champions League und dem 3:2 im Elfmeterschießen gegen Juventus Turin seine Helden.

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          Um 23.36 Uhr am Mittwoch abend hatte sich für Paolo Maldini der Kreis endgültig geschlossen. Begleitet vom Jubel von 20.000 fanatischen Milan-Fans und eingehüllt vom rot-schwarzen Konfettiregen nahm der Kapitän des AC Mailand nach dem 3:2 im Elfmeterschießen im ersten rein italienischen Champions-League-Finale in Old Trafford von Manchester gegen Juventus Turin den Europapokal der Landesmeister aus den Händen von Uefa-Präsident Lennart Johansson in Empfang. Vierzig Jahre zuvor war es sein Vater Cesare gewesen, der im Londoner Wembley-Stadion in der königlichen Loge als damaliger Spielführer der siegreichen Elf der Lombarden gegen Benfica Lissabon (2:1) als Erster die Trophäe überreicht bekam.

          Maldini auf den Spuren seines Vaters

          „Ich bin unheimlich stolz, als Kapitän dieser Mannschaft den Cup erhalten zu haben. Ein Traum ist wahr geworden. Ich habe schon viele Titel errungen, aber heute war es wie beim ersten Mal“, kommentierte der 34 Jahre alte Paolo Maldini den Triumph im Elfmeter-Krimi von Manchester gegen den Erzrivalen und den insgesamt sechsten Erfolg des AC Mailand Landesmeister-Wettbewerb.

          Der letzte Schuß des Abends: Schewtschenkos entscheidender Elfmeter

          Und natürlich dachte Maldini junior in diesem Augenblick auch an seinen Vater: „Bei Milan ist das Kapitänsamt mit Tradition verknüpft. Der Name Maldini ist halt fest mit Mailand verbunden.“ Zwar holte Paolo Maldini zuvor schon dreimal mit Milan (1989, 1990 und 1994) den Europapokal der Landesmeister, doch damals waren Franco Baresi und der heutige Assistenztrainer Mauro Tassotti die Kapitäne des 1899 gegründeten Renommierklubs. Am Samstag winkt im Pokalfinal-Rückspiel gegen den AS Rom (Hinspiel 4:1) im Giuseppe-Meazza-Stadion sogar ein weiterer Titel.

          Der Held im 250. Europacupspiel der Lombarden, die als erster Champions-League-Qualifikant den Thron der Königsklasse erklommen, war der brasilianische Torwart Dida, der im Elfmeterschießen gegen David Trezeguet, Marcelo Zalayeta und Paolo Montero parierte. Dem Ukrainer Andrej Schewtschenko war es dann vorbehalten, um 23.25 Uhr den entscheidenden Elfer zu verwandeln. Der Torjäger rannte unmittelbar danach wie ein Irrwisch in die Arme des 1,95-Meter-Hünen Dida. „Ich wollte beim Schuß so ruhig wie möglich bleiben. Für mich ist es die größte Trophäe, die ich erringen kann“, sagte Schewtschenko, der mit einer schweren Knieverletzung zu Beginn der Saison wochenlang ausgefallen war.

          Auch Seedorf schrieb Geschichte

          Nach neun Jahren Abstinenz war die Mannschaft von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der auf der Tribüne von Old Trafford mitjubelte, im „Theater der Träume“ wieder am Ziel. Fußball-Geschichte schrieben außer Maldini noch zwei weitere Spieler Milans: Der Niederländer Clarence Seedorf, der im Elfmeterschießen gescheitert war, schaffte als erster Spieler mit drei verschiedenen Klubs (Ajax Amsterdam 1995, Real Madrid 1998 und jetzt mit Milan) den Titelgewinn in der Champions League. Der dunkelhäutige Mittelfeld-Stratege weinte auf dem Platz hemmungslos. „Wir waren die bessere Mannschaft heute und haben diesen Sieg mehr als verdient“, stammelte Seedorf, der mit seiner Mannschaft auf dem Weg zum Sieg in der „Königsklasse“ Bayern München (erste Gruppenphase) und Borussia Dortmund (zweite Gruppenphase) das Nachsehen gegeben hatte.

          Milan-Coach Carlo Ancelotti ging als vierter Trainer nach Miguel Munoz, Giovanni Trapattoni und Johan Cruyff in die Annalen des Landesmeister-Wettbewerbs ein, der zuvor schon als Spieler erfolgreich war. 1989 und 1990 stand er als Aktiver im siegreichen Milan-Team. „Ich empfinde Zufriedenheit und Freude gleichermaßen“, erklärte er. Für Stürmerstar Filippo Inzaghi hat der Trainer ganz entscheidenden Anteil: „Er ist der uneingeschränkte Boß bei uns und hat das Sagen.“

          Trotz des für den italienischen Fußball typischen 0:0 nach 120 Minuten bot das Endspiel in Manchester nicht den von vielen Experten befürchten Catenaccio. „Das war ein ausgezeichnetes Endspiel. Die erste Halbzeit war hervorragend“, resümierte Franz Beckenbauer: „In der zweiten Halbzeit sind dann die Kräfte etwas geschwunden, aber es war immer noch attraktiv. Beim Elfmeterschießen hat man dann aber schon gemerkt, daß die Konzentration zum Schluß nicht mehr da war.“

          Entscheidender Nachteil durch Nedveds Fehlen

          Vielleicht bester Mann auf dem Platz war allerdings Schiedsrichter Markus Merk (Kaiserslautern). Der 41 Jahre alte Zahnarzt bot eine tadellose Leistung und erkannte in der neunten Minute beim Schuß von Schewtschenko zu Recht auf Abseits. Der Portugiese Rui Costa hatte in Abseitsposition aktiv ins Spiel eingegriffen, weil er „Juve“-Torwart Gianluigi Buffon die Sicht nahm. Merk lag auch bei allen weiteren kniffligen Entscheidungen richtig und brachte den 120-Minuten-Krimi als souveräner Spielleiter über die Bühne.

          Große Enttäuschung herrschte dagegen im Lager der „alten Dame“ Juventus. Mit versteinerten Mienen schlichen Alessandro Del Piero und Co. durch die Mixed-Zone in den wartenden Bus, während vor den Absperrungen Hunderte Milan-Tifosi frenetisch ihr Team feierten. „Heute ist alles schief gelaufen. Wir haben wichtige Spieler wie Tudor und Davids durch Verletzung verloren. Im Elfmeterschießen haben einige meiner Leute nicht schießen wollen, ich konnte sie nicht zwingen“, sagte Coach Marcello Lippi, der zwar „Juve“ in vier Champions-League-Finals führte, aber nur eines (1996) gewann.

          Mitentscheidend für die verdiente Niederlage - Milan war alles in allem die dominierende Mannschaft - war wohl auch das Fehlen des gelbgesperrten Tschechen Pavel Nedved. „Mit ihm hätten wir mehr Qualität in der Mannschaft gehabt“, meinte ein resignierend wirkender Lippi („Ich bin unheimlich müde“), der sich nun mit dem 27. „Scudetto“ trösten muß. „Die Vorzüge von Nedved kennen wir: Er ist ein Schlüsselspieler und kann ein Spiel alleine entscheiden. So ein Spieler hat Juve heute natürlich gefehlt“, fügte Beckenbauer hinzu.

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