https://www.faz.net/-gtl-3vfu

Champions League : Der innere Zirkel des Vereinsfußballs

Objekt der Begierde Bild: dpa

Während es bei den Nationalteams keine Kleinen mehr gibt, trifft im Vereinsfußball das Gegenteil zu. Nur Spanier, Italiener, Engländer und Deutsche haben Chancen.

          2 Min.

          Die Besetzung der Champions League-Zwischenrunde ist komplett, und auch die Ausrichtung steht fest: Der Blick der beiden deutschen Teams Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen geht nach Süden.

          Nach der Setzliste vor der Auslosung ist klar, dass beide Bundesligisten je einen spanischen und einen italienischen Spitzenclub zum Gegner haben werden. Dazu kommt noch ein Team aus dem Topf mit den Verbliebenen aus dem Rest Europas.

          Spanisch-italienische Dominanz

          An die Dominanz der spanischen Armada in der Champions League hat man sich in Europa mittlerweile gewöhnt. In dieser Saison sind nun auch die Italiener zu alter Stärke zurückgekehrt. Beide Nationen rückten mit vier Teams geschlossen in die Zwischenrunde auf. Eine solche Konzentration der Kräfte auf 50 Prozent der Teilnehmer für zwei Nationen hat es bisher nicht gegeben.

          Die italienische Erfolgssträhne trifft die Bundesliga doppelt, da die Serie A im Kampf um den vierten Champions League-Platz vor dieser Saison am ehesten einzuholen schien. Doch dieser Traum ist nun ausgeträumt.

          Kein gutes Jahr für Frankreich

          Auch die englische Premier League, auf Platz 3 der Uefa-Fünfjahreswertung, entrückt dem deutschen Ligafußball wieder. Arsenal, Manchester und in letzter Sekunde auch Newcastle sind in die Zwischenrunde eingezogen, nur Liverpool hat sich von Basel düpieren lassen.

          Kein gutes Jahr erwischte dagegen die hinter der Bundesliga im internationalen Vergleich auf Position 5 geführte französische Ligue 1: Lyon, Lens und Auxerre schafften jeweils nur dritte Vorrundenplätze, dürfen deshalb aber wenigstens im Uefa-Cup weiter spielen - was den Münchner Bayern verwehrt blieb.

          Der Rest Europas schaut weitgehend zu

          Dennoch zählt die Bundesliga trotz des Ausscheidens ihres prominentesten Teams gerade noch zu den Gewinnern der Vorrunde. Düster sieht es dagegen in den „Schwellenländern“ aus. Die Portugiesen (Boavista Porto, Sporting Lissabon) scheiterten diesmal schon in der Qualifikation. Für Griechen (AEK Athen, Olympiakos Piräus) und Türken (Galatasaray) war spätestens in der Vorrunde Schluss. Ohnehin waren nur 14 der 50 europäischen Verbände an der Vorrunde der Königsklasse beteiligt.

          Doch gerade mal drei Vereine (Ajax Amsterdam, Lok Moskau und FC Basel) der Top 16 spielen im Alltag nicht in den vier großen Ligen des Kontinents. Ein Zeichen für die zunehmende Konzentration der geballten Fußballkompetenz auf Primera Division, Serie A, Premier League und Bundesliga.

          Gegentrend zu den gleich gemachten Nationalteams

          Elf Teams, die noch im laufenden Wettbewerb sind, gehören dem illustren G14-Club der großen Vereinsmannschaften Europas an, darunter übrigens auch Ajax Amsterdam als Vertreter der hochgelobten, aber letztlich chancenlosen holländischen Schule. Zu schwach ist die Ehrendivision (Rang 7 der Uefa-Liste), um langfristig mithalten zu können.

          Während bei den Nationalmannschaften immer wieder davon gesprochen wird, dass es keine Kleinen mehr gibt, und die WM 2002 dies auch eindrucksvoll bewiesen hat, trifft im Vereinsfußball das genaue Gegenteil zu. Fast alle Talente der globalisierten Fußballwelt werden in die Spitzen-Ligen der großen Fußball-Nationen gelockt.

          Jedem Fan seinen Landsmann im Finale

          Bestes Beispiel ist der FC Barcelona, der die Vorrunde mit der maximal möglichen Punktzahl von 18 dominierte. Zu seinem Kader gehören unter anderem fünf Holländer, drei Argentinier, zwei Brasilianer und ein Schwede, und selbst wenn Barca seine internationale Garde zu Hause lässt, stehen noch sechs spanische Nationalspieler im Aufgebot.

          Ähnlich interessant ist der Mix beim englischen Meister Arsenal London, wo der Franzose Arsene Wenger Spitzenkräfte aus elf Nationen von Lettland bis zur Elfenbeinküste zu einer starken Einheit zusammengefügt hat. Und auch das Ensemble des Deutschen Titelträgers Borussia Dortmund steht weniger für raue Ruhrpott-Mentalität als für brasilianische Brillanz und tschechischen Charme.

          Einen Vorteil hat diese Entwicklung. Auch wenn die Finalisten in der Champions League seit zehn Jahren mit der Ausnahme Ajax ausschließlich aus den vier großen Ligen stammten, hat fast jeder Fußballfan auf der Welt die Chance, einem Landsmann im Finale die Daumen zu drücken.

          Weitere Themen

          Wer san mia denn jetzt?

          Notlage beim FC Bayern : Wer san mia denn jetzt?

          Die Bayern 2019 sind die rätselhaftesten des Jahrzehnts: Sie kassieren frühe Rückstände, verspielen Vorsprünge, verschleudern Chancen, beschenken unterlegene Gegner, und auch das Sieger-Genom wirkt nicht mehr. Was ist nur los?

          Tränen in Tokio

          Emotionen bei Rugby-WM : Tränen in Tokio

          Die Nationalhymne als emotionale Härteprüfung: Das Rugby-Fieber der Japaner erreicht im Viertelfinale ungeahnte Höhen. Doch dann schalten die „Springboks“ den WM-Gastgeber aus. Die Trauer ist schier grenzenlos.

          Topmeldungen

          Notlage beim FC Bayern : Wer san mia denn jetzt?

          Die Bayern 2019 sind die rätselhaftesten des Jahrzehnts: Sie kassieren frühe Rückstände, verspielen Vorsprünge, verschleudern Chancen, beschenken unterlegene Gegner, und auch das Sieger-Genom wirkt nicht mehr. Was ist nur los?
          John Bercow, „Speaker of the House“, Ende September im Unterhaus

          Parlamentspräsident Bercow : Noch einmal hängt es an ihm

          Der Brexit-Deal könnte an diesem Montag wieder im Unterhaus zur Abstimmung stehen – wenn Parlamentspräsident Bercow es zulässt. Zu klären ist auch, wer eigentlich für das Land spricht: die Regierung oder das Parlament?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.