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Pokalsieg über Gladbach : BVB hofft auf Wende zum Besseren

Schweißt der Erfolg gegen Mönchengladbach zusammen? Der BVB hofft auf Schwung für die Liga. Bild: EPA

Borussia Dortmund dreht dank Julian Brandt einen Rückstand in einen Sieg gegen Lieblingsgegner Borussia Mönchengladbach. Der Erfolg soll „zusammenschweißen“. Aber nicht nur Lucien Favres Oberschenkel bereitet noch Sorgen.

  • -Aktualisiert am
          3 Min.

          So aktiv kannte man Lucien Favre in Dortmund noch gar nicht. Während des gesamten Zweitrundenpokalduells mit dem derzeitigen Bundesliga-Primus Borussia Mönchengladbach war der sonst so in sich gekehrte Schweizer Fußballlehrer ständig unterwegs: gestikulierend, Anweisungen in Richtung Spielfeld brüllend, manchmal sogar die Coaching-Zone verlassend. Als Borussia Dortmund, seine Mannschaft, nach dem 0:1-Rückstand durch Marcus Thurams Kopfballtor (71. Minute) durch Julian Brandts abgefälschten Distanzschuss ausgeglichen hatte (77.), war der Trainer schon erkennbar erleichtert, ehe er dann nach Brandts zweitem Treffer per Kopfball wenig später (79.) auch noch zu einem Jubellauf ansetzte, den er aber jäh mit schmerzverzerrtem Gesicht abbrechen musste. Favre hielt sich den linken Oberschenkel und wäre als Spieler in diesem Moment gewiss ausgewechselt worden.

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          Später klärte er sein Malheur augenzwinkernd auf: „Ich habe seit zwei Tagen einen Muskelfaserriss, den ich mir beim Training zugezogen habe. Das hatte ich in dem Moment total vergessen.“ Brandt gegenüber, der den BVB vor einer womöglich auch für Favre folgenschweren Niederlage bewahrt hatte, sprach der glücklich wie lange nicht in Dortmund anmutende Coach von einem „schönen Schmerz“, den er gern in Kauf genommen habe.

          Am Mittwochabend war das große Aufatmen in den Katakomben des eigenen Stadions spürbar bei allen, die es mit dem BVB hielten. Voran natürlich bei Brandt, dem 23 Jahre alten Nationalspieler, der in seiner ersten Saison für den Meisterschaftsmitfavoriten noch immer nicht weiß, auf welcher Position ihn Favre im Laufe der Spielzeit verankern möchte. Am Mittwoch wurde der diesmal auf der Zehn, seiner Lieblingsposition, eingesetzte Brandt von einer Minute auf die andere zu einer Art Retter, so dass am Ende kaum noch jemand davon sprach, dass der blonde Freigeist auch wie alle Dortmunder schwächere Phasen in diesem Spiel zu überstehen hatte.

          „Potential, die Mannschaft zuammenzuschweißen“

          Das zählte angesichts seines ersten Doppelpacks für die Borussia nicht mehr. Brandt war froh, eine Art Befreiungsschlag für sich und sein Team gelandet zu haben, als die Not am größten war und die andere Borussia nach Thurams Führungstor die große Chance besaß, die Schwarzgelben in Dortmund besiegen zu können. Brandt, der in der Schlussphase erkennbar aufblühte, verhinderte ein Ausscheiden im DFB-Pokalwettbewerb, das die Diskussionen um Favre und die zuletzt nach einer Reihe von Unentschieden schwächelnde Mannschaft noch mehr intensiviert hätte. So aber könnte Brandts befreiende Tat womöglich der Wendepunkt zum Besseren sein. Der aus Leverkusen gekommene und in Dortmund schon auf den Flügeln, als ziemlich falsche Neun und auch in seinem Lieblingsrevier, dem zentralen Mittelfeld, eingesetzte Brandt genoss diesen Abend, an dem es für ihn „extrem wichtig“ war, sich „selbst zu belohnen“.

          Doppeltes Aus für Mönchengladbach: Trainer Marco Rose sieht beim 1:2 im Pokal Rot.

          Gleichzeitig wies der Offensivspieler, der in Abwesenheit des wegen muskulärer Beschwerden fehlenden Marco Reus die gestalterische Hauptrolle gern übernahm und die des Vollstreckers dazu, darauf hin, dass Erfolge wie das hart erkämpfte 2:1 gegen die Mönchengladbacher das Potential dazu hätten, die „Mannschaft zusammenzuschweißen“. Es fehlte am Mittwoch ja nicht nur Reus, sondern auch der an einer Magen-Darm-Unpässlichkeit leidende Abwehrchef Mats Hummels sowie der von einem grippalen Infekt noch nicht genesene Stammtorhüter Roman Bürki, den sein Schweizer Landsmann Marvin Hitz gut vertrat.

          Da die Gladbacher gleich elf verletzte Spieler beklagten, darunter die zuletzt auffällig starken Angreifer Pléa und Embolo, standen sich am Mittwoch nicht die bestmöglichen Mannschaften hüben wie drüben gegenüber. Entsprechend dezent war das Niveau dieses Spiels über weitere Strecken. Dass am Ende wie immer in den zurückliegenden zehn Pflichtspielen zwischen Dortmund und Mönchengladbach der BVB der Gewinner war, ärgerte die Rheinländer, die wie schon vor eineinhalb Wochen bei der 0:1-Niederlage in der Bundesliga-Partie an gleicher Stelle auf Augenhöhe mit den Westfalen waren. „Wir haben kaum etwas Zwingendes zugelassen“, sagte Mittelfeldspieler Jonas Hofmann, „unsere Taktik ist total aufgegangen, doch zum Schluss hat die nötige Cleverness gefehlt.“

          Mag sein, dass sich Trainer Marco Rose auch darüber geärgert hat, als er aus Frust über die nahe Niederlage gegenüber einem der Unparteiischen „nicht die richtigen Worte“ fand und deshalb die Rote Karte vorgehalten bekam (90.+1). Den größeren Siegeswillen brachten letztlich die in die Bredouille geratenen Dortmunder auf, die aber noch Zeit brauchen, um zur alten Leichtigkeit zurückzukehren. „Wir arbeiten hart daran“, hob Sebastian Kehl, der Leiter der Lizenzspielerabteilung hervor. Da helfen hart erkämpfte Siege wie der am Mittwoch weiter. Julian Brandt avancierte am Mittwochabend spät, aber noch rechtzeitig zum Vorbild für seine Kollegen, weil er für alle den Weg ans Licht suchte und fand und dazu seinen besten Fußball spielte, als die Dortmunder Not am größten war.

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