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Bundesliga-Wintercheck : Mit breiter Brust in die Rückrunde

  • -Aktualisiert am

Bauchlandung a la Cottbus: Sebastian Helbig (mitte) Bild: dpa

          3 Min.

          Nach Rostock, Dresden und Leipzig ist Energie Cottbus der vierte Verein aus dem Osten Deutschlands, der den Sprung in die Bundesliga schaffte. Ganz nach dem Vorbild von Hansa Rostock will sich Energie Cottbus langfristig im Fußball-Oberhaus etablieren.

          Nach dem überraschenden Aufstieg im letzten Jahr befand Trainer Eduard Geyer seinen Kader alles andere als bundesligatauglich und baute die Mannschaft zu Saisonbeginn komplett um. Insgesamt acht Neuzugänge wurden verpflichtet, mit Faruk Hujdurovic kam kurz nach Saisonstart der Neunte hinzu. Es kam, was kommen musste, dem Team rund um Regisseur Vasile Miriuta fehlte Homogenität und Zusammenhalt. Aber die Mannschaft fing sich. Vor allem der Sieg gegen Bayern München (1:0) verhalf zu neuem Selbstvertrauen. Mit zwei Siegen aus den letzten vier Spielen zeigte Cottbus deutlich aufsteigende Tendenz.

          In der Winterpause wurden mit den marrokanischen Vertragsamateuren Termina und Lakhouil, vor allem aus finanziellen Gründen, eher zweitklassige Spieler verpflichet. Einzig der dritte Neuzugang, der Rumäne Sabin Ilie, eine Leihgabe vom Champions-League-Finalisten FC Valencia, könnte nach aufgeholtem Trainingsrückstand zur echten Verstärkung des harmlosen Energie-Sturms werden.

          Die Mannschaft geht mit hoch gesteckten Zielen und breiter Brust in die zweite Halbserie der Bundesliga. „Ich bin optimistisch. Wir haben bewiesen, dass wir mithalten können“, erklärt Kapitän Christian Beeck.

          Das Team

          Trainer Geyer kann bei der Besetzung aus dem vollen schöpfen. Nachdem die Rot-Sperre von Manndecker Beeck um eine Woche verkürzt wurde, sind am Samstag gegen Dortmund alle Mann an Bord. Vor Libero Vilmos Sebök sollen Faruk Hujdurovic und Janos Matyus in der Abwehr agieren. Vata und Scherbe sollen im defensiven Mittelfeld Spielmacher Miriuta absichern. Auf den Außenbahnen sind Laurence Reghecampf und Andrzej Kobylanski gesetzt, genauso wie Stürmer Sebastian Helbig. Neben Helbig hoffen Antun Labak und Franklin Bitencourt auf ihre Chance, Neuzugang Ilie bleibt zunächst nur die Jokerrolle.

          Das Team kann über 90 Minuten ein hohes Tempo gehen und zu Hause jeden Gegner niederringen. Vor allem einem Spieler wird eine Schlüsselrolle zufallen: Regisseur Miriuta. Er zeigte blitzsaubere Technik, großes Laufpensum und punktgenaue Pässe, muss aber in schwierigen Situationen noch mehr das Zepter an sich reißen und für Ordnung sorgen. Der Traum vom Klassenerhalt wird eng verknüpft sein mit der Form und den Ideen des Ungars.

          Der Trainer

          Seit 1994 bei Cottbus im Amt ging es mit „Meister Ede“ stetig bergauf. Eduard Geyer führte Energie aus der Regionalliga in die Bundesliga und schaffte, wenn auch überraschend, mit Cottbus 1997 den Einzug ins DFB-Pokalfinale (0:2 gegen VFB Stuttgart).

          Eduard Geyer gilt als wirklich harter Hund im Trainergeschäft, verlangt von seinen Spielern das was er selbst für den Verein leistet. „Der Trainer kommt einem manchmal wie bekloppt vor, was er im Training verlangt. Aber auch das was er im Training leistet habe ich noch nie erlebt“, kommentiert Neuzugang Ilie seinen Eindruck vom Übungsleiter.

          Energie Cottbus hat mit Eduard Geyer den optimalen Chefcoach gefunden. Für den Ostdeutsche steht Disziplin an erster Stelle, ein wichtiges Attribut im Kampf um den Klassenerhalt, aber auch im Falle eines direkten Wiederabstiegs wird Geyer nicht um seinen Stuhl zittern müssen.

          Die Struktur

          Das Triumvirat des Vereins mit Präsident Dieter Krein, Manager Klaus Stabach und Trainer Geyer scheint wie geschaffen füreinander. In allen Punkten eine immer klare und gemeinsame Linie zeichnen die Vereinsführung aus.

          Der Erstliga-Aufstieg von Cottbus bedeutete eine Menge für die Region. „Das Selbstwertgefühl der Menschen wurde durch den sportlichen Erfolg gestärkt“, meint Manager Stabach. Auch das ist ein Grund, warum sich Cottbus auf Dauer im Profi-Fußball etablieren will. Sollte das gelingen steht auch einem dringend benötigten Stadion-Neubau nichts im Wege.

          Die Perspektive

          Die permanente Auswärtsschwäche hätte im letzten Jahr fast den Aufstieg gekostet und könnte dieses Jahr verantwortlich für einen Abstieg sein. Behält Energie die bekannte Heimstärke bei und kommt in der Fremde der ein oder andere Punkt hinzu, kann das Vorhaben Klassenerhalt erfolgreich umgesetzt werden.

          Energie Cottbus gilt für viele als Abstiegskandidat Nummer Eins. Ein Verbleib in der Bundesliga käme daher einer Sensation gleich.

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